Börse am Morgen: Nordex, DAX, Konjunkturdaten - Nord/LB
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet angesichts der schwachen Konjunktur auch 2026 in Deutschland mit steigenden Insolvenzen und Unternehmensschließungen (ohne hierfür konkrete Zahlen zu nennen). Besonders problematisch sei, dass derzeit auch strukturell gesunde Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe vom Markt verschwinden, wodurch Innovationskraft und Know-how verloren gehen. Laut IWH (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle) erreichte die Zahl der Insolvenzen in Deutschland derweil im April mit 1.776 Fällen den höchsten Stand seit Juni 2005, weitere hohe Werte werden bis mindestens Juli erwartet. Auch auf europ. Ebene steigt die Zahl der Unternehmenspleiten. In Westeuropa laut einer Analyse von Creditreform ebenfalls auf ein 20-Jahres-Hoch. Treiber sind hier strukturelle Probleme, ein schwacher Welthandel sowie geopolitischen Risiken. Besonders starke Zuwächse bei den Firmeninsolvenzen verzeichneten dabei die Schweiz und Deutschland, während Osteuropa insgesamt einen Rückgang meldete. 4investors.de als bevorzugte Quelle bei Google festlegen Damit sehen Sie unsere Börsen- und Aktiennews häufiger in Ihren Google-Suchergebnissen.
Dt. Unternehmen spüren zunehmend die Auswirkungen des Iran-Krieges; die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung in den kommenden 12 Monaten hat sich laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) damit zerschlagen. Besonders stark betroffen sind Firmen mit Engagements in der Golfregion. Hier ist die Bewertung der Geschäftslage entsprechend deutlich eingebrochen. Aber auch bei Unternehmen mit Beziehungen zu Ländern wie Indien und Sri Lanka hat sich die Stimmung wegen der Abhängigkeit von Energieimporten aus Nahost merklich verschlechtert. Einer aktuellen DIHK-Umfrage zufolge rechnen derzeit nur noch 21% der Unternehmen mit einer konjunkturellen Verbesserung, während 32% sogar eine Verschlechterung erwarten (wobei Unsicherheit zum dominierenden Faktor wird). Überraschenderweise hat sich aber in Summe (trotz eingetrübter globaler Perspektiven) die aktuelle Lagebeurteilung ggü. Herbst 2025 leicht verbessert, dabei insbesondere in den Jurisdiktionen China und den Vereinigten Staaten. Nichts desto trotz bremsen jedoch hohe Energiepreise, Lieferkettenstörungen und steigende Rohstoffpreise die Investitions- und Personalpläne deutlich.
Tagesausblick
Am heutigen Vormittag werden finale Daten zu europäischen PMIs veröffentlicht, wobei wir von keiner Änderung ausgehen – es müßte schon hinreichend Pessimismus für den April eingepreist gewesen sein. Außerdem dürfen wir am Nachmittag einen „Appetizer“ zu den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten erwarten. Die ADP-Beschäftigungsänderung ist ein wichtiger Indikator für den Arbeitsmarkt in den USA und sollte als komplementäre Zeitreihe zu den offiziellen Daten von u. a. den Non-farm Payrolls betrachtet werden. Die ADP-Zahlen fielen in den letzten Monaten eher mau aus und sollten am aktuellen Rand kaum zu Höhenflügen ansetzen.
Aktien- und Rentenmärkte
Börsianer wiegten sich am Dienstag in einem zurückhaltenden Optimismus und trotzten der Nachrichtenlage hinsichtlich des fragilen Waffenstillstands im Nahen Osten. Die Strasse von Hormus bleibt weiterhin geschlossen, entsprechend notieren Ölpreise unbeeindruckt auf einem seit Wochen andauernden sehr hohen Niveau. Dies tangiert die US-Unternehmensgewinne aber bisher kaum. Ganz im Gegenteil, starke Konzernbilanzen stützen die Wall Street. Die US-Quartalszahlen überzeugen. In diesem Umfeld markiert der technologielastige Nasdaq sogar wieder ein neues Rekordhoch. Auch beim dt. Leitindex DAX überwogen gestern grüne Vorzeichen, obwohl die Wahrscheinlichkeit eines stagflationären Schocks in Europa mit jedem Tag des nicht enden wollenden Nahost-Konflikts zunimmt.
Am Rentenmarkt steht und fällt derzeit alles mit den Inflationserwartungen; und diese werden momentan durch die hohen Energiepreise bestimmt. Leicht rückläufige Ölkurse liessen am Dienstag entsprechend die Renditen von Staatsanleihen fallen. 10 jährige dt. Bunds verliessen den Handel bei 3,06% (-2bp).
Unternehmen
Nordex (Windkraftanlagenhersteller mit Sitz in Hamburg und Rostock) verzeichnete im vergangenen Jahr nach Vestas das zweitgrößte Auftragsvolumen weltweit. Dies aber nur, wenn man die chinesischen Herrsteller wie Goldwind, Envison und Windey außen vor lässt. José Luis Blanco (Nordex CEO) sieht europ. Firmen aufgrund der chin. Marktdominanz zunehmend unter Zugzwang zu mehr Wachstum.
Devisen
Die europäische Gemeinschaftswährung notierte gestern etwas fester und steigt ggü. dem US-Dollar auf über 1,17.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

