Börse am Morgen: Amazon, Commerzbank und Unicredit, eBay und Gamestop, SAP - Nord/LB
Der Sentix-Stimmungsbarometer für die Eurozone hat sich im Mai auf niedrigem Niveau überraschend leicht um 3 Punkte auf minus 16,4 Zähler verbessert, bleibt aber klar im negativen Bereich und signalisiert weiterhin Rezessionsrisiken. Deutschland schwächte sich hingegen weiter ab: Das Stimmungsbarometer fiel weitere 3,2 auf minus 30,9 Punkte, da sich Lage und Erwartungen weiter verschlechterten. Laut Sentix koppelt sich die deutsche Konjunktur zunehmend negativ vom globalen Erholungstrend ab, während Inflationssorgen hoch bleiben.
Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich im Mai angesichts steigender Inflation deutlich eingetrübt und ist so schlecht wie seit über drei Jahren nicht mehr. Das HDE-Barometer fiel auf 92,3 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2023. Hauptbelastungsfaktoren sind laut Handelsverband höhere Preise und Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung.
Die Industriekonjunktur in der Eurozone ist im April weiter angezogen. Der PMI stieg auf 52,2 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Allerdings ist der Anstieg mit Vorsicht zu genießen und dürfte vor allem durch Lageraufbau aus Sorge vor Lieferengpässen und steigenden Preisen infolge des Nahost-Kriegs getragen worden sein.
Tagesausblick
Nachdem die australische Notenbank heute früh deutscher Zeit bereits über ihre weitere geldpolitische Strategie informiert hat, dürfen wir uns am Nachmittag vor allem auf die Einkaufsmanagerbefragung der US-Dienstleister freuen. Dieser breit gefächerte Branchencluster darf getrost als resilient bezeichnet werden, denn trotz der geopolitisch angespannten Großwetterlage vermochte es der Index zuletzt stets oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten zu verweilen. Wir gehen zwar davon aus, dass die Zeitreihe im April einen leichten Rücksetzer erlebt, dieser aber nur marginal ausfallen sollte. Zu bedenken ist, dass die dort angesiedelten Unternehmen vom relativen Rohstoffreichtum der USA profitieren, was auch eine immer stärkere strategische Relevanz entfaltet. Bekanntlich soll man den Tag aber nicht vor dem Abend loben, da sich auch hier die zuletzt hohen Preissteigerungsraten in die Kalkulationen der Unternehmen einweben dürften.
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Aktienmärkte
In einem Umfeld aus wieder zunehmenden Unsicherheiten im Nahen Osten, Zolldrohungen von Donald Trump und uneinheitlichen Wirtschaftsdaten starteten die europäischen Aktienmärkte schwächer in die neue Handelswoche. Und auch die Wall Street wurde erneut durch den Iran-Krieg belastet, nachdem es beim Versuch, die Blockade in der Straße von Hormus zu durchbrechen, offensichtlich zu Kampfhandlungen kam. Stark belastet waren gestern Logistikwerte, nachdem Amazon ankündigte, sein Logistiknetzwerk für andere Unternehmen zu öffnen (Deutsche Post: -7,28%; FedEx: -9,1%; UPS: -10,1%).
DAX -1,24%; MDAX -0,47%; TecDAX +0,29%; Dow Jones -1,13%; S&P 500 -0,41%; Nasdaq Comp. -0,19%.
Unternehmen
SAP treibt den Ausbau seines KI-Geschäfts mit der Übernahme der US-Datenplattform Dremio und des Freiburger Startups Prior Labs voran. In Prior Labs will SAP in den kommenden vier Jahren über eine Milliarde Euro investieren. Ziel ist es, KI-Anwendungen für strukturierte Unternehmensdaten zu stärken und sich im Wettbewerb mit Anbietern wie OpenAI oder Anthropic besser zu positionieren.
Unicredit hat sich mit breiter Zustimmung seiner Aktionäre den Weg für ein Übernahmeangebot an die Commerzbank geebnet und will dieses am heutigen Dienstag offiziell vorlegen. Der geplante Aktientausch bewertet die Commerzbank jedoch unter dem aktuellen Börsenkurs und ist für deren Aktionäre derzeit unattraktiv. UniCredit-Chef Orcel zielt dennoch darauf ab, die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten, um später flexibel weitere Anteile zukaufen zu können. Die Commerzbank lehnt das Vorgehen ab und spricht von einer feindlichen Übernahme.
Gamestop hat ein Übernahmeangebot für eBay vorgelegt und bietet USD 125 je Aktie, insgesamt rund USD 56 Mrd. – etwa 20% über dem letzten Schlusskurs. Die Offerte soll je zur Hälfte bar und in eigenen Aktien bezahlt werden. GameStop-Chef Ryan Cohen wirbt mit hohen Synergien und sieht durch den Zusammenschluss einen ernstzunehmenden Amazon-Konkurrenten. eBay Äußerte sich zunächst nicht.
Rohstoffe
Die Rohölpreise legten nach den Meldungen zu den Kampfhandlungen in der Straße von Hormus erneut zu.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

