Börse am Morgen: DAX, Strabag, Konjunkturdaten, OPEC+ - Nord/LB
Die dt. Arbeitsagenturen blicken so pessimistisch auf den Arbeitsmarkt wie seit der Corona-Pandemie nicht mehr. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) verharrte im April bei 99,4 Punkten, die Beschäftigungskomponente fiel auf 100 Punkte und damit auf den schwächsten Wert seit 2020. Ursachen sind laut IAB die anhaltende Industrieflaute, der Ölpreisschock und teils auch der Iran-Krieg; zugleich wird mit weiter steigender Arbeitslosigkeit gerechnet. Morgen wissen wir mehr, dann legt die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihre April-Zahlen vor.
Die Banken im Euroraum haben in Q1/26 ihre Kreditvergabe angesichts der wirtschaftl. Folgen des Iran-Kriegs stärker als erwartet verschärft und wollen diesen Kurs fortsetzen. Treiber sind gestiegene Energiepreise, höhere Refinanzierungskosten, erhöhte Konjunkturrisiken und eine gesunkene Risikobereitschaft, (Quelle: EZB Bank Lending Survey). Bei Unternehmenskrediten war es die deutlichste Straffung seit Q3/23, mit zusätzlichen Restriktionen für energieintensive Firmen und Engagements im Nahen Osten. Für Q2/26 erwarten die Banken eine weitere deutliche Verschärfung der Standards. Gleichzeitig ging die Kreditnachfrage im ersten Quartal wegen höherer Unsicherheit und Investitionszurückhaltung gegen den Erwartungen leicht zurück.
Tagesausblick
Heute werden wir zwei Datenpunkte von hoher Marktrelevanz erhalten, wobei Ersterer die Inflationsentwicklung aus Deutschland darstellt. Während die Preissteigerungsrate im März aufgrund der unsicheren Lage auf den Ölmärkten deutlich anstieg, dürfte dies nicht mehr ganz so dynamisch im April ausfallen, wobei unsere Month-on-Month-Prognose noch hinreichend in den Geldbeuteln zu spüren sein dürfte. Am Abend deutscher Zeit wird außerdem Jerome Powell vor die Presse treten und über die geldpolitischen Beratungen informieren. Der US-Leitzins dürfte unserer Auffassung nach bei 3,75% verbleiben.
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Aktien- und Rentenmärkte
Die derzeitige Patt-Situation im Nahen Osten entließ am Dienstag den dt. Leitindex mit leichten Verlusten in den Feierabend. Der fehlende Fortschritt bei den Friedensverhandlungen schlägt sich auch am Rentenmarkt nieder. Anleiherenditen bewegen sich wieder in Richtung ihrer mittleren Kriegs-Hochstände.
Unternehmen
Der österreichische Baukonzern Strabag hat dank florierender Infrastrukturprojekte im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn seiner Unternehmensgeschichte erzielt (trotz konjunktureller Gegenwinde wie eines späten Bundeshaushalts in Deutschland und klammer österreich. Kommunen). Konzernchef Kratochwill verwies auf Rekordwerte bei Leistung, Auftragsbestand und EBIT-Marge, getragen v.a. vom Ausbau von Energie- und Wassernetzen sowie dem Bau von High-Tech-Fabriken und dem Markteintritt in Australien. Das Konzernergebnis stieg 2025 um 11% auf EUR 916 Mio., das EBIT legte um 17% auf rund EUR 1,25 Mrd. zu, die Marge erreichte 6,7%. Der Auftragsbestand wuchs um 24% auf EUR 31,3 Mrd., die Bauleistung um 6% auf EUR 20,4 Mrd., begünstigt auch durch mildes Wetter in Deutschland. Für 2026 strebt Strabag zwar eine Bauleistung von rd. EUR 22 Mrd. an, rechnet jedoch mit einer niedrigeren EBIT-Marge von 5,0 - 5,5% und sieht Risiken durch steigende Energie- und Materialpreise infolge geopolitischer Spannungen.
Devisen und Rohstoffe
Die Bank of Japan möchte vorerst wohl doch noch keine Anpassungen an ihrer zinspolitischen Ausrichtung vornehmen. Auf der gestrigen Notenbanksitzung wurde der maßgebliche Leitzins nicht angefasst und notiert folglich weiterhin bei einem Wert von 0,75%. Perspektivisch werden die japanischen Geldpolitiker aber wohl nicht um Zinsanhebungen herumkommen. Der Yen bleibt in dieser Gemengelage schwach. Ggü. dem US-Dollar flirtet der Yen (159,46) weiter mit seinem 12-Monatshoch (160,41).
Nicht nur die Straße von Hormuz ist immer noch gesperrt, auch die Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA bleiben im wahrsten Sinn des Wortes blockiert. In diesem Umfeld hat sich der Preis der Rohölsorte Brent wieder sukzessive an das höchste Niveau seit drei Wochen herangerobbt. Innerhalb von nur sieben Tagen steigt der Preis pro Fass um mehr als 8%!
Die gestrige Meldung, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die OPEC+ zum 01. Mai verlässt, sorgte am Markt für Aufsehen. Zeigt es doch die großen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Organisation. Laut Experten dürften die Auswirkungen auf den Ölpreis voraussichtlich vor allem langfristig sein.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

