Börse am Morgen: Fraport, Ölpreis, Iran-Krieg, Konjunkturdaten - Nord/LB
Der Iran-Krieg setzt die deutsche Wirtschaft v.a. bei Kosten und Lieferketten stark unter Druck. Rund 83% der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Geschäfte, in der Industrie sind es sogar 87%, wie am Dienstag aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 2.400 Betrieben hervorgeht. Im Zentrum stehen steigende Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Am häufigsten nennen die Betriebe demnach gestiegene Fracht- und Transportkosten, gefolgt von höheren Energiezahlungen sowie steigenden Rohstoff- und Materialpreisen. Parallel nehmen Störungen in Lieferketten spürbar zu. Es gebe verschobene oder gestoppte Verschiffungen, umgeleitete Container, wochenlange Verzögerungen sowie fehlende Transportkapazitäten, hieß es. Teilweise würden Waren nicht mehr abgenommen oder könnten gar nicht mehr ausgeliefert werden. V.a. rohölbasierte Vorprodukte gerieten unter Druck: von Kunststoffen, Folien und Dämmstoffen über Chemikalien bis hin zu Kraftstoffen und Spezialmaterialien.
Die Konjunkturstimmung der Finanzmarktexperten hat sich im April wegen des Irankonflikts und den drohenden ökonomischen Folgen nochmals verschlechtert. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate werden deutlich pessimistischer eingeschätzt. Mit zunehmender Dauer des Konflikts werden auch die Belastungen für die Weltwirtschaft zunehmen. Die Geldpolitiker suchen nach der besten Antwort auf das Dilemma aus höherer Inflation und zunehmenden Risiken für die Konjunktur. Bei allem Pessimismus aktuell: Die kurzzeitige Öffnung der Straße von Hormus vergangenen Freitag und die Reaktion der Märkte haben einen Vorgeschmack gegeben, was bei einer dauerhaften Konfliktlösung möglich ist. Entsprechend wird die EZB im April noch mit einer Zinsanpassung zögern, der Druck für eine Erhöhung im Juni nimmt aber zu.
Die US-Einzelhandelsumsätze konnten im März um v.a. auf den ersten Blick sehr beachtliche 1,7% M/M zulegen. Die hohen Benzinpreise, die eine direkte Konsequenz des Iran-Konfliktes sind, blähen das Volumen der Einzelhandelsumsätze in den Vereinigten Staaten allerdings regelrecht auf. Dieser kräftige Anstieg mag sich perspektivisch noch als regelrechtes Danaergeschenk für die nordamerikanische Ökonomie erweisen. Die hohen Benzinpreise dürften die persönliche Finanzsituation vieler Wirtschaftssubjekte in den USA signifikant verschlechtern, was dann dämpfend auf die Nachfrage wirken müsste.
Tagesausblick
Am heutigen Vormittag werden aus dem Vereinigten Königreich Inflationsdaten gemeldet, welche den Zahlen aus den USA und dem Euroraum nicht unähnlich sein werden. Aufgrund der herausfordernden Lage auf den Weltmärkten dürfte die Bank of England zunächst abwarten, bevor sie in der Tendenz weiter die Zinsen senken sollte. Außerdem wird das Verbrauchervertrauen für die Eurozone ausgewiesen, wobei die Rückmeldungen für den April einen weiteren Rückgang signalisieren dürften.
Aktienmärkte
Den deutschen Aktienmarkt prägte eine zunehmende Nervosität der Anleger vor möglichen weiteren Verhandlungen zwischen den USA und Iran angesichts der bald auslaufenden Waffenruhe. Unter den Einzelwerten fiel z.B. Beiersdorf nach Umsatzzahlen um 3%. Der Konsumgüterkonzern habe die bereits gedämpften Erwartungen verfehlt, hieß es auf dem Parkett. DAX -0,60%;MDAX -0,50%; TecDAX -0,30%.
An der Wall Street hatte ein zunächst noch freundlicher Auftakt nicht lange Bestand. Bedenken, dass die Hoffnung auf weitere Gespräche zwischen Washington und Teheran vielleicht vergeblich sein könnte, bestimmten das Geschehen. Dow Jones -0,59%; S&P 500 -0,63%; Nasdaq Comp. -0,59%.
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Unternehmen
Fraport geht trotz des Irankriegs davon aus, am Frankfurter Flughafen sein Jahresziel von 65 bis 66 Mio. Passagieren, rund 4% mehr als 2025, zu erreichen. „Der Verkehr von Frankfurt in den Mittleren Osten ist zwar gesunken, machte aber weniger als 5% unseres Gesamtaufkommens aus. Und 75% dieser Passagiere waren Umsteiger, die über den Golf weiterreisen. Viele fliegen nun auf anderen Wegen”, sagte Fraport-Chef Schulte. Die Passagierzahlen auf Direktverbindungen von Frankfurt nach Afrika und Fernost hätten im März um mehr als 20% zugelegt.
Rohstoffe
Die Ölpreise haben gestern leichte Verluste wettgemacht und jüngst Gewinne verzeichnet. Angesichts der bald auslaufenden Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA blieben die Bewegungen aber in relativ engen Grenzen.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
