USA: Der ISM PMI Manufacturing kann nur leicht zulegen - Nord LB
Der ISM PMI Manufacturing, ein ganz zentraler Stimmungsindikator für die nordamerikanische Wirtschaft, konnte sich im August leicht verbessern. Die Zeitreihe notiert nun bei immerhin 48,7 Punkten, was die magische Marke von 50 Zählern klar ins Blickfeld gerückt hat. Diese gilt bekanntlich nach mechanistischer Interpretation als Wachstumsschwelle. Eine große Überraschung stellt diese Nachricht eher nicht dar – mit Blick auf den heute gemeldeten marginalen Zuwachs hätte es sogar noch etwas mehr sein dürfen!
Die wichtige Produktionskomponente ist im Berichtsmonat August auf nur noch 47,8 Punkte gefallen. Die Zeitreihe kann sich damit nicht oberhalb der vor allem auch psychologisch sehr wichtigen Schwelle von 50 Zählern halten. Folglich wird inzwischen kein Anziehen der tatsächlich von der US-Industrie realisierten ökonomischen Aktivität mehr angezeigt. Dies ist schon eine negative Überraschung.
Dagegen konnte die leicht in die Zukunft blickende Auftragskomponente zulegen und notiert damit nun immerhin bei einem Wert von 51,4 Zählern. Auch hier rückt die Marke von 50 Punkten also in den Fokus – und konnte sogar wieder übersprungen werden. Die Auftragsbücher der befragten Unternehmen füllen sich also mit einer sogar fast schon spürbaren Dynamik. Dies ist eine erfreuliche Nachricht für die nordamerikanische Wirtschaft.
Die Preiskomponente ist am aktuellen Rand zwar leicht zurückgegangen, tritt damit aber mehr oder weniger auf der Stelle. In der Tat notiert die Zeitreihe weiterhin auf einem ziemlich hohen Niveau. Die US-Industrie kämpft derzeit also mit steigenden Einkaufspreisen. Die Zölle spielen bei der Erklärung dieser Beobachtung natürlich eine Rolle. Der im August beobachtbare marginale Rückgang dürfte per se keine größeren Implikationen für die weitere Geldpolitik der Fed haben. Die Inflation in den USA dürfte zunächst anziehen. Größere Entspannungstendenzen sollten sich erst ab dem 2. Halbjahr 2026 zeigen.
Die Beschäftigungskomponente hatte sich jüngst deutlich abgeschwächt und konnte im Berichtmonat August kaum Erholungstendenzen zeigen. Mit 43,8 Punkten wird weiterhin kein Beschäftigungsaufbau bei den befragten Firmen signalisiert. Die US-Industrie sollte dem Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten somit vorerst wohl keine stützenden Impulse liefern. Bei der Meldung der offiziellen Arbeitsmarktzahlen durch das BLS (am Freitag) rechnet auch nahezu niemand mit einem solchen Szenario.
Der interessierte Blick auf die verbalen Rückmeldungen der Befragungsteilnehmer offenbart im August größere Sorgen bezüglich der neuen US-Handelspolitik. Neben den Zöllen wird teilweise auch eine Schwäche in der Bauwirtschaft thematisiert.
Fazit: Im August konnte der ISM PMI Manufacturing leicht auf 48,7 Punkte anziehen. Der wichtige US-Stimmungsindikator liefert damit schon ein irgendwie positives Signal. Stützende Impulse von der Industrie des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten sollte man am Freitag bei den Arbeitsmarktzahlen aber wohl eher nicht erwarten. Die heutigen Daten zeigen mit Blick auf dieses Segment der US-Wirtschaft weiterhin keinen spürbaren Personalaufbau an – eher im Gegenteil!
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