Börse am Morgen: BayWa, Bosch, Trump, Inflationsdaten - Nord LB
Der Tiefpunkt im dt. Einzelhandel ist scheinbar erreicht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, konnte die Branche ihren Umsatz im vergangenen Jahr steigern (im Vergleich zu 2023 um 2,5%, real [bereinigt um Preiserhöhungen] um 1,1%). Das ist das erste Plus nach zwei Minus-Jahren in Folge.
Erfreuliche Inflationszahlen in Frankreich & Deutschland spielen der EZB in die Karten. Die franz. Inflation pendelt sich im Januar auf einem relativ niedrigem Niveau ein. Wie das Statistikamt Insee am Freitag mitteilte, verharrte die Jahresteuerungsrate der Verbraucherpreise (HVPI) auf dem gleichen Level wie im Vormonat (1,8%).
Viel überraschender waren aber die Inflationszahlen aus Deutschland. Mit 2,3% fällt die Teuerungsrate im Januar in Richtung 2% (nach 2,6% im Dezember). Destatis (Statistisches Bundesamt) kommunizierte zum Wochenschluss diese erfreulichen Nachrichten. Nach (in Deutschland) drei monatlichen Inflationsanstiegen in Folge sollte sich die EZB jetzt in ihrer Vorgehensweise der Zinssenkungsserie doppelt (durch GER und FR) bestätigt sehen.
Die am Freitag veröffentlichten amerikanischen Inflationsdaten machten den Inflationsreigen rechts- und linkseitig des Atlantiks komplett. Die Erhebung des PCE-Deflators weist für den Dezember eine Veränderungsrate von 0,3% M/M aus. Die Kernrate desselben präsentiert sich mit 0,2% etwas weniger dynamisch. Jerome Powell hatte bei seinem Statement zur Fed Funds Target Rate am vergangenen Mittwoch explizit darauf hingewiesen, dass sich Bewegung bei der Inflation in Richtung der 2,0%-Marke abzeichnet, dies sich aber erst noch in den Daten niederschlagen müsse. Zinssenkungen in den USA in Q1 werden damit sogar wieder einen Tick wahrscheinlicher.
Wochenausblick
Zum Wochenauftakt stehen in der Eurozone die vorläufigen HVPI-Daten für den Januar an, ein Hauptaugenmerk wird hierbei einmal mehr auf der Schätzung zur Kernrate liegen. In den USA folgen taggleich die vielbeachteten Einkaufsmanagerdaten vom ISM. Weitere Schlaglichter bilden in dieser Woche die ADP-Beschäftigungszahlen in den USA (Mittwoch) im Vorlauf zur wohl wichtigsten Arbeitsmarktstatistik am Freitag, den neugeschaffenen Stellen (ex Agrar), nebst der Zinsentscheidung der Bank of England (Donnerstag). Zudem stehen mit den Auftragseingängen, Außenhandelsdaten und der Industrieproduktionsstatistik eine Reihe an harten Konjunkturindikatoren aus Deutschland gegen Ende der zweiten Wochenhälfte an.
Aktienmärkte
Die Woche der Zentralbanken verlässt den Januar mit neuen Rekorden an den Börsen. Der Leitindex DAX wollte einfach nach oben. Was war der wesentliche Treiber? Angedrohte US-Zollerhöhungen blieben im Januar aus. Seit dem Wochenende wissen wir, dass damit nun Schluss ist. Trump hat seine ersten Zölle implementiert (ggü. China, Kanada und Mexiko). Börsen in Asien brechen heute früh ein.
DAX +0,02%; MDAX -0,01%; TecDAX +0,33%; Dow Jones -0,75%; S&P 500 -0,50%; Nasdaq Comp. -0,28%.
Unternehmen
BayWa, der Münchner Agrar- und Baustoffkonzern, plant die Anwendung des sogenannten StaRUG-Restrukturierungsverfahrens bei einigen seiner Gläubiger (welche bisher die Sanierung blockieren). BayWa hat seinen Gläubigern angeboten, Kredite und andere Schuldpapiere zu etwas höheren Zinsen bis Ende 2027 zu verlängern. Laut einer BayWa Mitteilung hätten rd. 95% der 250 Gläubiger zugestimmt. Das StaRUG-Verfahren wurden bereits beim Autozulieferer Leoni, und beim Batteriehersteller Varta angewendet. Im Gegensatz zu diesen beiden Konzernen werden die Aktionäre der BayWa nicht von dem Verfahren betroffen (das StaRUG steht für Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz). An der Börse kam die Mitteilung zwischenzeitlich nicht wirklich gut an. Die Aktien verloren nach der Meldung bis zu 34,3% und fielen auf den tiefsten Stand seit rd. 22 Jahren. Zum Handelsschluss beruhigte sich das Papier aber wieder vollständig.
Beim weltgrößten Autozulieferer Bosch hat sich die Lage im vergangenen Jahr weiter verschlechtert. Bosch leidet massiv unter der Krise in der Autoindustrie und im Maschinenbau. Vorläufigen Zahlen zu Folge brach der oper. Gewinn um ein Drittel ein (auf EUR 3,2 Mrd.). Die Umsatzrendite fällt auf 3,5% (von 5,3%). Damit rückt die selbst angestrebte Zielmarke von 7% in weite Ferne.
Devisen und Rohstoffe
Der EUR taucht nach den US-Zöllen unter die USD 1,03-Marke.
Gold haussiert nach wie vor. Das Edelmetall erreichte zum Ende der Woche schon wieder ein neues Rekordhoch (USD 2.817,23).
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