Börse am Morgen: U.a. mit DAX, Voestalpine, Strompreise und ZEW - Nord LB
Aufgrund der derzeit schwierigen, konjunkturellen Lage halten sich die Banken in Deutschland bei der Neukreditvergabe zurück. Rd. ein Drittel der Unternehmen (32,9%) berichten in einer Umfrage des Ifo-Instituts von Zurückhaltung der Banken. Das ist der höchste Stand seit sieben Jahren. Noch im Juni lag dieser Wert bei 27,1%. Die sogenannte Kredithürde stieg insbesondere bei Dienstleistern (von 27,0% auf 35,7%) sowie in der Industrie (von 26,1% auf 34,3%). Klaus Wohlrabe (Leiter Ifo-Umfragen): „Fehlende Aufträge in vielen Branchen lassen die Banken bei der Kreditprüfung genauer hinschauen“.
Der gestern veröffentlichte Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums geht erst für das Jahr 2025 von einer Konjunkturbelebung aus. Für das kommende Jahr erwartet die Bundesregierung jetzt ein Wirtschaftswachstum von 1,1%; für 2026 von 1,6%. Die antizipierte Konjunkturerholung beruht auf der Annahme einer sich durch den privaten Konsum getragenen Entspannung. „Sorgen um Jobsicherheit und geopolitische Krisen stellen allerdings nach wie vor Risikofaktoren für eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas dar“ hieß es aus dem Ministerium.
Tagesausblick
Am heutigen Dienstag wird mit dem ZEW Konjunkturindex der nächste wichtige Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft veröffentlicht. Nach dem leichten Rückenwind für die Erwartungskomponente im bereits zu Monatsbeginn gemeldeten Konjunkturindex von sentix dürfte nicht zuletzt die jüngste Reformfreude Pekings nun auch bei den vom ZEW befragten Finanzmarktexperten grundsätzlich gut angekommen sein. Ebenfalls für den Euroraum liefern die Ergebnisse der vierteljährlichen EZB Bank Lending Survey Hinweise zum aktuellen Stand der Übertragung der gegenwärtigen geldpolitischen Ausrichtung auf das Kreditgeschäft. Von Seiten der harten Konjunkturindikatoren stehen die August-Daten zur Industrieproduktion im gemeinsamen Währungsraum zur Veröffentlichung an. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks werden mit der Empire State Manufacturing Survey Daten zur Industrieproduktion in den USA gemeldet. Last but not least melden sich mit Isabel Schnabel und Mary Daly zwei wichtige Notenbanker der EZB und Fed zu Wort.
Aktien- und Rentenmärkte
Aufgrund des Kolumbus-Tages fand in den USA gestern kein Anleihenhandel statt (da neben der Federal Reserve auch das US-Finanzministerium geschlossen ist, wird der Bondmarkt im Grunde genommen gezwungen, den Handel nicht durchzuführen). Indes setzte sich auf der rechten Seite des Atlantiks am europ. Rentenmarkt am Montag die seit einigen Tagen anhaltende Schwächephase fort. Renditen 10-jähriger dt. Bunds zogen auf 2,28% (+1bp) an. Innerhalb eines Monats hat sich die Rendite damit um 13bp erhöht. Franz. Staatsanleihen (OATs) ließ der negative Ausblick der Ratingagentur Fitch von Freitag letzter Woche kalt. Der Bondmarkt hatte die Ratingveränderung scheinbar bereits vorweggenommen. Entsprechend handelt der Bund-OAT-Spread kaum verändert bei 76bp.
Und was macht der DAX in einer Woche mit EZB-Zinssitzung und einem Feiertag in den USA? Er markiert eine neue Höchstmarke. Die Rekordjagd beim DAX geht im Jahr 2024 immer weiter und weiter. Gestern wurde mit 19.518,44 Intraday wieder eine neue Bestmarke aufgestellt. Unterstützung von der Wall Street (die amerikanischen Aktienbörsen blieben nämlich trotz Bankfeiertag geöffnet) beförderte den deutschen Leitindex am Nachmittag in neue Sphären. Aber auch in New York neue Rekorde. Der S&P 500 vollzieht mit 5.871,41 Punkten den 2. Tag in Folge ein neues Hoch.
Dow +0,47%; S&P 500 +0,77%; Nasdaq Comp. +0,87%; DAX +0,69%; MDAX +0,21%; TecDAX +0,86%.
Unternehmen
Voestalpine leider zunehmend unter dem schwachen deutschen Automarkt. Eine geringe Nachfrage nach Auto-Komponenten sowie Werkzeugstahl belasten. Der Linzer Stahlkonzern gab gestern eine Gewinnwarnung raus. Das kam nicht gut an. Die Aktie wurde an der Börse weich gewalzt (zwischenzeitliche Kursverluste von minus 6%).
Devisen und Rohstoffe
In einem impulslosen Handel fällt der Euro ggü. dem Dollar zum Beginn der Woche in Richtung der 1,09-Marke.
Die Strompreise für Neukunden sind im Oktober auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Laut Daten des Vergleichsportals Verivox müssen nur noch EUR 0,236 je kWh aufgebracht werden. Grund hierfür sind die derzeit sehr billigen Preise an den Spotmärkten. Auch für die nächsten Monate weist der Terminmarkt EEX niedrige Strompreise aus.
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