Deutschland: Industrieproduktion kommt nicht nachhaltig in Fahrt - VP Bank

Ob und wie schnell der Materialfluss in Gang kommt, ist die Millionen-Dollar-Frage des Jahres 2022. Bild und Copyright: Bildagentur Zoonar GmbH / shutterstock.com.

Ob und wie schnell der Materialfluss in Gang kommt, ist die Millionen-Dollar-Frage des Jahres 2022. Bild und Copyright: Bildagentur Zoonar GmbH / shutterstock.com.

07.01.2022 08:37 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die deutsche Industrieproduktion verbucht im November einen Rückgang von 0.2% gegenüber dem Oktober. Die Industrieproduktion kommt nicht nachhaltig in Fahrt. Eigentlich wurde für den November mit einem Zuwachs gerechnet. Dies wäre dann nach dem Oktober-Plus das zweite Wachstum in Folge gewesen. Die Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten lassen derzeit aber keine nachhaltige Erholung der Produktion zu. Dabei legte die Automobilproduktion im November um 4.1% gegenüber dem Vormonat zu. Allerdings verbuchten andere Branchen wie etwa der Maschinenbau ein Minus. Von der besser laufenden Produktion bei den Autobauern konnten daran angeschlossene Branchen also im November nicht profitieren.

Der Rückgang der Industrieproduktion ist auch gleichzeitig keine gute Nachricht für das deutsche Bruttoinlandsprodukt. Je schlechter die Industrieproduktion im Schlussquartal 2021 abschneidet desto wahrscheinlicher wird ein neuerliches Abgleiten in die Rezession. Der Dienstleistungssektor litt bereits im vierten Quartal unter den hohen Infektionszahlen. Dabei sitzt die Industrie aufgrund des Materialmangels auf einem Berg nicht abgearbeiteter Aufträge. Würden sich die Verspannungen bei den Lieferketten lösen, könnte die Industrie Corona-bedingte Verluste im Dienstleistungssektor kompensieren.

Ob und wie schnell der Materialfluss in Gang kommt, ist die Millionen-Dollar-Frage des Jahres 2022. Zarte Hoffnungsschimmer auf eine Besserung gibt es. So hat sich der Schiffstau vor den großen Seehäfen in den USA und in China zuletzt verringert. Dies könnte als Zeichen einer Besserung beim Materialfluss gewertet werden. Doch selbst in diesem günstigen Falle, bliebe noch ein weiteres Risiko. Die rasante Verbreitung der hochinfektiösen Omikron-Variante des Corona-Virus birgt die Gefahr hoher Krankenstände – und zwar weltweit. Letzteres könnte die Lieferketten erneut empfindlich stören und die Produktionsschwierigkeiten noch weiter verschärfen. Die Verwendung der vielen Konjunktive zeigt aber wie gross die Unsicherheit ist. Fakt ist derweil, fliessen Materialien wieder in ausreichendem Masse, kommt die Industrieproduktion kräftig voran.

Autor: Dr. Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Daten zum Wertpapier: Konjunktur

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der VP Bank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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