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Wird China mit 3 Billionen Dollar in die Vollen gehen? - iBanFirst

Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst, beschäftigt sich mit den Aussichten für die chinesische Währung Renminbi und den Plänen der Regierung. Bild und Copyright: iBanFirst.

Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst, beschäftigt sich mit den Aussichten für die chinesische Währung Renminbi und den Plänen der Regierung. Bild und Copyright: iBanFirst.

01.12.2021 10:31 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Der Renminbi ist in letzter Zeit sehr stark gestiegen. Wird Chinas Währung endlich erwachsen? Wird es bald seine riesigen Devisenreserven einsetzen, um die andauernde Rallye zu bremsen, oder was ist die aktuelle Strategie?

Die Nachricht, dass Chinas Devisenreserven im Oktober leicht auf über 3,2 Billionen USD gestiegen sind, fand in den Finanzmedien breite Beachtung. An sich ist es nicht so verwunderlich, dass der Bestand an Dollar, Euro und anderen Währungen der größten Exportwirtschaft der Welt weiterwächst. Auch der Exportmotor läuft wieder auf Hochtouren. Im Oktober stieg der Exportwert von Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 300 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass der Gesamtwert der chinesischen Ausfuhren nach nur zehn Monaten bereits höher ist als im gesamten Jahr 2020. Andererseits nehmen auch die Einfuhren rasch zu. Die chinesische Industrie hat einen enormen Bedarf an Rohstoffen. Darüber hinaus führte ein Kälteeinbruch im Oktober zu einem starken Anstieg der Energienachfrage. Die Kohleeinfuhren haben sich im Oktober im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, und der Gesamtwert der Einfuhren ist um 20 Prozent gestiegen.

Rückenwind für den Renminbi

Das starke Exportwachstum ist ein Rückenwind für den Renminbi sowie für die Devisenreserven. Die Stärke der Währung in diesem Jahr ist jedoch hauptsächlich auf die Politik der chinesischen Zentralbank zurückzuführen. In vielen westlichen Ländern und in Japan wurden die Zinssätze angesichts der Pandemie auf nahe oder sogar unter Null gesenkt. In China liegt diese Rate seit über einem Jahr bei knapp 4 %. Die Zentralbank hat auch das Kreditwachstum gebremst, indem sie die Eigenkapitalanforderungen für Banken leicht erhöht hat. Infolgedessen haben diese Parteien weniger Geld übrig, um Kredite an Verbraucher und Unternehmen zu vergeben. Mit diesen Maßnahmen will die Politik verhindern, dass sich die Blase auf dem Immobilienmarkt zu sehr aufbläht. Der drohende Konkurs des Immobilienriesen Evergrande unterstreicht die Gefahr eines zu schnellen Kreditwachstums.

Tourismus-Gipfel

Neben den großen, wachsenden Exporten und einem attraktiven Zinssatz geben auch die Corona-Maßnahmen und der Renminbi Auftrieb. Der ausländische Tourismus ist stark zurückgegangen, und es gibt viel weniger Chinesen, die ihre eigene Währung in Dollar oder Euro umtauschen. Das Ergebnis all dieser unterschiedlichen Entwicklungen ist, dass der Renminbi in den letzten 12 Monaten um 3,5 % gegenüber dem Dollar und um 6,5 % gegenüber dem Euro gestiegen ist. In der Vergangenheit hätte dies die chinesischen Behörden dazu veranlasst, den Exportsektor zu unterstützen, indem sie den Renminbi etwas abwerteten. Bislang gab es jedoch keine Reaktion. Wird China es endlich wagen, seine Bindung an den Dollar zu lockern, sodass der Renminbi endlich eine eigenständige Rolle in der Währungswelt spielen wird?

Der Vorteil eines teuren Renminbis

Wie so oft scheint die Entscheidung der chinesischen Entscheidungsträger vor allem durch wirtschaftlichen Pragmatismus motiviert zu sein. Angesichts der steigenden Inflation ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Zinssätze in den Vereinigten Staaten und später auch in Europa angehoben werden. Dann wird der Renminbi durch einen schrumpfenden Zinsvorteil etwas von seinem Glanz verlieren. Außerdem ist eine teure Währung recht praktisch, wenn man einen großen Teil seiner (Energie-)Rohstoffe im Ausland kaufen muss. Im Moment scheint es, als würde China lieber auf die Marktkräfte warten, um den Anstieg des Renminbis zu bremsen, als seine riesigen Währungsreserven anzuzapfen, um seine eigene Währung etwas zu senken.

Daten zum Wertpapier: Chinesischer Renminbi

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Mark Elser, Country Head Germany von iBanFirst. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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