Auftragseingänge und Produktion in Deutschland brechen ein - Commerzbank

Einen besonders starken Rückgang gab es im Autosektor (-17,5% M/M), der vor allem unter dem Mangel an Vorprodukten leidet. Bild und Copyright: xieyuliang / shutterstock.com.

Einen besonders starken Rückgang gab es im Autosektor (-17,5% M/M), der vor allem unter dem Mangel an Vorprodukten leidet. Bild und Copyright: xieyuliang / shutterstock.com.

08.10.2021 09:35 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Im August gingen die Auftragseingänge um 7,7% M/M und die Produktion um 4,0% M/M zurück, beide stärker als erwartet. Die Produktion geht seit Jahresbeginn zurück. Im August hat sich der Trend sogar noch beschleunigt. Einen besonders starken Rückgang gab es im Autosektor (-17,5% M/M), der vor allem unter dem Mangel an Vorprodukten leidet. Aber auch in anderen Bereichen scheinen diese Probleme die Produktion zunehmend zu belasten. Der durchschnittliche Rückgang in der Produktion betrug 2,8% M/M. Der starke Ausschlag im August ist aber auch durch Saisoneffekte (Verschiebung der Werksferien) bedingt. Da die Materialengpässe kaum kurzfristig überwunden sein dürften, sollte die Produktion auch im 4. Quartal das Wachstum bremsen.

Anleihen
Deutschland: Exporte (Aug), 08:00 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Sep), 14:30 Uhr

Zu den enttäuschenden Auftragseingängen und Produktionsdaten der deutschen Industrie kamen heute Morgen schwache Exportzahlen hinzu: Die Exporte fielen um 1,2% hinter den Vormonat zurück. Über den kräftigen Rückgang der Industrieproduktion um 4,7% zum Vormonat haben wir gestern schon berichtet; ein Blick in die Details zeigt, dass vor allem die Autofirmen im August ihre Produktion zurückgefahren haben – der Rückgang erreichte 17,5% zum Vormonat. Einerseits wurde im August mehr Urlaub gemacht als üblich und dafür im Juli weniger. Andererseits zwang der Chipmangel die Firmen zu Produktionseinschränkungen. Der Erholung droht die Luft auszugehen. Im Vergleich zum Niveau vor der Pandemie hat die Industrie im August sorgenbereitende 9% weniger produziert, die Automobileproduzenten lagen im August sogar 40% hinten. Vermutlich sind die Augustzahlen stark von dem beschriebenen Urlaubs- bzw. Saisoneffekt beeinflusst, denn Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima zeigen nur eine moderate Eintrübung. Jedoch sprechen schwache Produktionszahlen vom Verband der Autoindustrie dafür, dass die Septemberdaten für die Branche kaum besser sein werden. Dank der Belebung des Dienstleistungssektors dürfte das BIP-Wachstum im dritten Quartal gut 2% erreicht habe. Ein deutlicher Tempoverlust – oder sogar ein Stilstand – erscheint im 4. Quartal angesichts der Probleme sehr wahrscheinlich. In China stieg der Caixin-Index für den Dienstleistungssektor stark von 46,7 auf 53,4 Punkte und in den USA fielen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 2. Oktober auf 326.000 zurück – nach 364.000 in der Vorwoche. Für den morgigen Arbeitsmarktbericht erwarten Analysten im Schnitt einen Stellenzuwachs von 500.000. Damit wäre der Weg für die US-Notenbank frei, um ihre Anleihekäufe zu reduzieren.

Aktien
Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Eine leichte Entspannung bei den Rohölpreisen sowie die Aussicht auf einen Kompromiss in der Debatte um den Umgang mit der US-Schuldenobergrenze sorgten dafür, dass sich die europäischen Aktienbörsen vom erneuten Rückschlag am Vortag erholen konnten. Die schwachen Industrieproduktionszahlen waren angesichts des zuvor veröffentlichten Einbruchs bei den Aufträgen keine Überraschung mehr und hatten so nur geringen Einfluss. Das wichtigste Ereignis steht aber erst heute mit dem nationalen US-Arbeitsmarktbericht an. Im beschriebenen Umfeld konnten im deutschen Leitindex Dax 40 vor allem die Aktien der Deutschen Bank (+4,3%) zulegen. Danach folgte, angeführt von Daimler (+4,1%), insbesondere die Riege der Automobilwerte. Im MDax setzte sich hingegen der Kursrutsch von TeamViewer (-7,0%) nach der Gewinnwarnung zur Wochenmitte weiter fort. Die Aktien des Anbieters für Videokonferenzen standen mit großem Abstand am Indexende und erreichten damit ein erneutes Rekordtief. Im EuroStoxx 50 ragten die Aktien des Versorgers Iberdrola (+7,0%) positiv heraus. Hier sorgten eine Kaufempfehlung einer Großbank sowie ein Pressebericht über ein womöglich günstigeres regulatorisches Umfeld in Spanien für Rückenwind. Auf Branchenebene gab es bis auf Öl & Gas (+0,1%) meist deutliche Kursgewinne. Die stärkste Performance wies dabei der Automobilsektor (+3,2%) auf. Die Indizes an der Wall Street setzten den Erholungstrend vom Vortag weiter fort, wobei die zuvor teils kräftigen Gewinne gegen Handelsende etwas abbröckelten. Positiv wurden vor allem die deutlich rückläufigen wöchentlichen Erstanträge gewertet. Bis auf Versorger (-0,5%) legten alle Branchen zu, vor allem zyklische Sektoren setzten sich positiv in Szene. Die asiatischen Märkte tendieren heute Morgen in der Breite fester. Die chinesische Börse kann nach der Feiertagspause leichte Kursgewinne verbuchen.

Daten zum Wertpapier: Konjunktur

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

Lesen Sie mehr zum Thema Konjunktur im Bericht vom 08.10.2021

Am Morgen: BMW, Deutsche Post, Vonovia, Deutsche Wohnen und Sika im Blickpunkt - Nord LB Kolumne

Die deutsche Produktion ist im August deutlich stärker als erwartet gesunken. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 4,0% weniger her als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das ist der stärkste Rückgang seit April 2020. Volkswirte waren im Schnitt deutlich optimistischer und hatten nur einen marginalen Rückgang erwartet. Die Produktion liegt damit noch um 9,0% niedriger als im Februar 2020. Die Industrieproduktion allein brach im August angesichts von Lieferengpässen bei Vorprodukten um 4,7% ein. Die Baupreise in Deutschland sind im August so stark gestiegen wie seit 50 Jahren nicht mehr, was vor allem auf die deutlich angezogenen Materialpreise zurückzuführen ist. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Aug. um 12,6% über dem Niveau vor Jahresfrist. Auch der Basiseffekt durch die befristete Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 wirkte zusätzlich preistreibend (Anteil: ca. ... diese News weiterlesen!

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