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Börse nach der Wahl: Realistische Koalitions-Optionen für die Märkte akzeptabel - Börse München

Robert Ertl, Börse München: Die beiden realistischen Optionen, nämlich eine „Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP sowie eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, Grünen und FDP, seien „sicherlich beide für die Märkte akzeptabel”. Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Börse München: Die beiden realistischen Optionen, nämlich eine „Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP sowie eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, Grünen und FDP, seien „sicherlich beide für die Märkte akzeptabel”. Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

27.09.2021 10:38 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter auf Twitter 

Wechselbad der Gefühle: Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche ein kräftiges Ab und Auf erlebt, unter dem Streich blieb überwiegend ein moderates Plus. Zu Beginn der Handelswoche hatten die Sorgen um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande beziehungsweise um die möglichen Folgen eines Zusammenbruchs für die Finanzstabilität Chinas zu massiven Kursverlusten geführt. Einige Beobachter äußerten sich allerdings dahingehend, dass die Evergrande-Krise letztlich ein Ventil gewesen sei, um die aufgestauten Konjunktursorgen und Korrekturerwartungen an den Märkten abzubauen. Im weiteren Wochenverlauf zogen die Kurse dann wieder merklich an. Hierzu trug auch das Ergebnis der Ratssitzung der US-Notenbank Fed bei. Diese hatte an Zinssatz und Umfang der Wertpapierkäufe nichts geändert, aber signalisiert, dass letztere demnächst zurückgefahren würden. Die Anleger begrüßten das weiterhin „billige Geld“ ebenso wie die klare Kommunikation. Am Freitag ging es abermals abwärts, vor der Bundestagswahl hielten sich die Anleger zurück.

Der seit vergangener Woche 40 Werte umfassende Deutsche Aktienindex (Dax) verbesserte sich im Wochenvergleich um 0,3 Prozent auf 15.531,75 Punkten. Der MDax ging minimal zurück auf 35.282,54 Zähler. Der TecDax legte 0,5 Prozent zu auf 3.901,55 Punkte. Der m:access All-Share rückte um 0,8 Prozent auf 2.925,05 Zähler vor.

Unter den größten Wochengewinnern im Dax waren die Titel von MTU Aero Engines mit einem Aufschlag von fast 5,3 Prozent. Der Triebwerkhersteller profitierte unter anderem von der generellen guten Stimmung in Bezug auf Luftfahrtwerte, die mit der Erwartung rückläufiger Corona-Einschränkungen zusammenhing. Der Kurs des neuen Dax-Schwergewichts Airbus stieg um 2,6 Prozent. Im MDax gewannen die Titel der Lufthansa auf Wochensicht 6,6 Prozent. Nach anfänglichem Zögern werteten die Anleger eine Kapitalerhöhung der Fluggesellschaft letztlich positiv, da das Geld in die Rückzahlung der deutschen Staatshilfen fließen soll. Damit wird die Abhängigkeit der Lufthansa verringert.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten sind in der vergangenen Woche nach einem starken Auftakt spürbar zurückgegangen. Nachdem am Montag die Verunsicherung die Anleger noch zu den Bundespapieren greifen ließ, belasteten im weiteren Verlauf eine verbesserte Stimmung sowie die Annahme, die westlichen Notenbanken könnten ihre Geldpolitik eventuell doch rascher straffen als zuletzt gedacht. In der Folge erhöhte sich die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,27 auf -0,23 Prozent. Die Umlaufrendite rückte von -0,35 auf -0,32 Prozent vor.

Die US-Börsen haben in der vergangenen Handelswoche eine ähnliche Achterbahnfahrt vollführt wie ihre deutschen Pendants. Die Krise um Evergrande belastete dabei ebenso wie neue Sorgen um weitere chinesische Regulierungsmaßnahmen. Die Aussicht auf eine unverändert extrem lockere Geldpolitik lieferte dagegen einen Aufwärtsschub. Der Dow-Jones-Index stieg im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 34.798,00 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte um 0,5 Prozent auf 4.455,48 Zähler zu. Der technologielastige Nasdaq-100-Index reduzierte sich geringfügig auf 15.329,68 Punkte.

Ausblick

Der Ausgang der Bundestagswahl könnte die Anleger an den deutschen Aktienbörsen zu Beginn der aktuellen Handelswoche erst einmal positiv stimmen, glauben etliche Beobachter. Zwar sei noch unklar, wer letztlich die Regierung stellen wird – dies dürfte auch noch eine Weile so bleiben –, allerdings seien die beiden realistischen Optionen, nämlich eine „Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP sowie eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, Grünen und FDP, sicherlich beide für die Märkte akzeptabel. Sollten die Gespräche über mögliche Koalitionen allerdings zu lange dauern oder es hier zu größeren Schwierigkeiten kommen, könnte dies zu Unsicherheit an den Märkten führen.

Neben der politischen Lage hierzulande könnte auch die Situation in China wieder Einfluss auf die Börsen haben. Das Thema Evergrande dürfte den Anlegern dabei fürs Erste erhalten bleiben, zudem spielen immer wieder Befürchtungen über weitere politische Eingriffe in die chinesischen Märkte eine Rolle, wie zuletzt am vergangenen Freitag an den US-Börsen zu beobachten war.

Auch von Seiten der Wirtschaftsdaten dürften Impulse kommen. Aus den USA kommen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter, das Bruttoinlandsprodukt, Zahlen zum persönlichen Konsum und das Verbrauchervertrauen. Hierzulande dürften die Anleger vor allem auf das Verbrauchervertrauen und den Einkaufsmanagerindex blicken, zudem stehen Inflationszahlen an. Einkaufsmanagerindizes kommen auch aus China und Japan.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 27.09.: Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA
Dienstag, 28.09.: GfK-Verbrauchervertrauen (Deutschland); Verbrauchervertrauen in den USA; S&P/Case-Shiller-Auspreisindex (USA); Sitzungsprotokoll der Bank of Japan
Mittwoch, 29.09.: Geschäftsklimaindex für die Eurozone; Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Schwebende Hausverkäufe in den USA
Donnerstag, 30.09.: Arbeitslosenzahlen für Deutschland; Verbraucherpreise in Deutschland; Importpreise in Deutschland; Verbraucherpreise in der Eurozone; Arbeitslosenzahlen für die Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der USA; Persönliche Konsumausgaben in den USA; Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Einkaufsmanagerindex für das nicht-verarbeitende Gewerbe in China
Freitag, 01.10.: Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA; Caixin Einkaufsmanagerindex Produktion (China); Tankan Herstellungsindex (Japan)

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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