US-Einzelhandelsumsätze: Von Mangelwirtschaft und Konsumfreude - Nord LB

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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16.09.2021 16:42 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

In den USA sind vor wenigen Minuten aktuelle Angaben zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze veröffentlicht worden. Nach noch vorläufigen Daten zeigte sich bei dieser Zeitreihe im Berichtsmonat August ein unerwarteter Anstieg; gemeldet wurde eine Veränderungsrate von beachtlichen +0,7% M/M. Diese sehr positive Zahl stellt vor allem auf den ersten Blick eine große Überraschung dar. Allerdings wurden die für den Vormonat gemeldeten Daten deutlich nach unten revidiert, was das Bild der ökonomischen Lage natürlich etwas trübt. Festzuhalten bleibt dennoch, dass das Anziehen der Infektionszahlen mit dem neuen Coronavirus in Verbindung mit den Lieferengpässen im August eine deutlich unfreundlichere Entwicklung erwarten lassen hatte. In der Tat kämpft die US-Wirtschaft momentan an vielen Stellen mit Knappheitsproblemen, was den Anstieg der ökonomischen Aktivität natürlich schon dämpft.

Erwartungsgemäß zeigt sich diese Schwäche vor allem bei den Absatzzahlen der US-Autohäuser. Mit Blick auf diese Komponente der Einzelhandelsumsätze wurde für August eine Veränderungsrate von -3,6% M/M gemeldet. Die mangelnde Verfügbarkeit von Neuwagen schlägt natürlich auf den Umsatz durch. Wie schon im Vormonat sieht sich der Handel zwar auch weiterhin in der Lage, in diesem Umfeld höhere Verkaufspreise bei den Kunden durchzusetzen, was diese nominale Zeitreihe Einzelhandelsumsätze in gewissem Umfang stabilisieren kann, diese Preispolitik der Automobilindustrie verschreckt aber natürlich den einen oder anderen potentiellen Käufer. Folglich ergibt sich eine dämpfende Wirkung auf die Nachfrage. Exklusive Automobile legten die US-Einzelhandelsumsätze im August entsprechend kräftig um 1,8% M/M zu.

Die Umsätze an den Tankstellen sind nach dem starken Zuwachs im Juli nun im August nur leicht um 0,2% M/M gestiegen. Hier spielt der Benzinpreis natürlich eine große Rolle. Unter Ausklammerung der Automobile und des Kraftstoffes kam es am aktuellen Rand zu einem Anstieg der Einzelhandelsumsätze um beachtliche 2,0% M/M.

Bei den beiden eng mit den Entwicklungen am US-Immobilienmarkt verknüpften Zeitreihen zu den Umsätzen mit Möbeln und Baumaterialien offenbarten sich im Berichtsmonat August wieder einmal gleichlaufende Entwicklungen. Im Segment Möbel kam es sogar zu einem bemerkenswert kräftigen Anstieg von 3,7% M/M.

Die für die BIP-Berechnung maßgebliche Kontrollgruppe der US-Einzelhandelsumsätze konnte im August um 2,5% M/M zulegen. Die Weltwirtschaft kann sich allen Problemen zum Trotz also auch weiterhin auf den US-Konsument als Nachfrager verlassen. Perspektivisch wird man nun allerdings genau auf die Entwicklungen bei den Löhnen und den Konsumentenpreisen zu achten haben. Inflation könnte an dieser Stelle wirklich noch zu einem größeren Problem werden und die Kauflaune dämpfen.

Fazit: Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze präsentieren sich mit einem Anstieg um 0,7% M/M vor allem auf den ersten Blick sehr positiv. Die an den Juli-Daten vorgenommenen Revisionen trüben das Bild allerdings etwas. Dennoch kann in der Summe wohl von einer nicht unerfreulichen Nachricht gesprochen werden. Zumindest im August hat die momentane Mangelwirtschaft in den USA die Konsumfreude in der Summe also nicht in den Schatten stellen können.

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