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USA: Inflation mit Plateaubildung bei 5,4% Y/Y, Tapering bleibt wichtiges Thema - Nord LB

Bild und Copyright: Rob Crandall / shutterstock.com.

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11.08.2021 16:13 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Soeben wurden vom Bureau of Labor Statistics aktuelle Zahlen zu den Konsumentenpreisen (CPI) in den USA bekanntgegeben. Die Preisdaten gehören mittlerweile zu den wichtigsten Indikatoren für die Finanzmärkte. Das Preisniveau zog nunmehr den 14. Monat in Folge an. Im Juli wurde ein Plus von 0,5% M/M gemeldet. Die Inflationsrate verharrte auf dem 13-Jahreshoch von 5,4%. Die Verbraucherpreise exklusive Nahrung und Energie (Kernrate) verzeichneten einen Zuwachs von 0,3% M/M. Die Jahresrate der Kernrate ging von einem 30-Jahreshoch bei 4,5% leicht auf nun 4,3% zurück. Die Diskussionen um das Tapering der Fed bleiben damit natürlich erhalten.

Statt eines erwarteten marginalen Rückgangs der (Jahres-)Inflationsrate blieb diese konstant hoch. Selbst der Basiseffekt durch den Wegfall des Anstiegs von 0,5% aus dem Juli 2020 brachte leine Entlastung in der Jahresrate. Die bereits aus dem Vormonat bekannten Faktoren wie Energie, Transport, Nahrung und vor allem Neuwagen trieben die Preise erneut in die Höhe. Knappheiten, Lieferunterbrechungen, Hafenschließungen, Containermangel, Wiedereröffnungen und eine erhöhte Konsumnachfrage steckten vielfach dahinter. Die Angst vor der Inflation bleibt.

Zu den höheren Inflationssorgen führten auch strukturelle Veränderungen beim FOMC: Dazu gehören das veränderte Mandat der Fed wie Average Inflation Targeting, die Priorität Arbeitsmarkt vor Inflation sowie kein Handeln auf Basis von Prognosen, sondern erst bei entsprechender Datenlage. Die expansive Fiskalpolitik wie auch die Abnahme des Arbeitskräfteangebots (Demographie), ein zunehmender Protektionismus und die Rohstoffnachfrager China und Indien kommen hinzu.

Fraglich bleibt tatsächlich, ob der Inflationsschub nur ein temporäres Phänomen ist, wie es die Fed annimmt, oder doch ein längerfristiges Problem sein könnte. Noch lässt sich die Frage nicht seriös eindeutig beantworten. Unseres Erachtens dürfte die Inflation im weiteren Verlauf des Jahres in einem unangenehmen Bereich von etwa 5% verharren, was eine klare Zielverfehlung für die Fed bedeutet. So sehen wir tatsächlich erst im II. Quartal 2022 eine preisliche Normalisierung durch eine Abnahme des (derzeitigen) Konsumrauschs, eine Behebung der meisten Knappheiten von technischen Gütern sowie ein zu der Arbeitsnachfrage besser passendes –angebot, was in Summe zu einer Inflationsrate von dann wieder unter 4% führen sollte. Bis dahin wird die Fed auf den kommenden FOMC-Sitzungen ihre sehr expansive Geldpolitik aber angepasst haben (müssen).

Offenbar rechneten viele Marktteilnehmer sogar mit noch etwas höheren Preiszahlen: So fielen die Rendite 10J US-Treasuries wie auch der US-Dollar ganz leicht. Der Dax zog einige Punkte an.

Fazit: Die US-Konsumentenpreise stiegen im Juli um 0,5% M/M an, die Inflationsrate verharrte auf einem Plateau von 5,4% Y/Y. Als Gründe für den anhaltenden Auftrieb sind Energiepreise, Transportkosten, Lieferengpässe bei technischen Produkten und Rohstoffen, ein „Entladen“ von Konsumwünschen sowie teilweise auch Lohnzuwächse zu nennen. Zu den weit verbreiteten Inflationssorgen tragen längerfristige Faktoren wie ein angepasstes Mandat der Fed, die expansive Fiskalpolitik, demographische oder protektionistische Faktoren bei. Die Frage, ob der Inflationsschub ein nur temporäres Phänomen ist, wie die Fed annimmt, kann aktuell nicht seriös beantwortet werden. Unseres Erachtens dürfte die Inflation in 2021 in einem unangenehmen Bereich über 5% verharren, was eine klare Zielverfehlung für die Fed bedeutet. Erst im II. Quartal 2022 sehen wir dann eine preisliche Normalisierung durch eine Abnahme beim Konsumrausch, eine Behebung der meisten Knappheiten von technischen Gütern sowie ein zu der Arbeitsnachfrage besser passendes –angebot, was in Summe zu einer Inflationsrate von wieder unter 4% führen sollte. Bis dahin wird die Fed ihre sehr expansive Geldpolitik aber angepasst haben (müssen).

Daten zum Wertpapier: Federal Reserve (Fed)

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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