Reale Renditen testen Tiefs - Goldpreis noch vernachlässigt - Commerzbank

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22.07.2021 09:09 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Im Zuge der steigenden Risikoaversion an den Märkten wegen der Ausbreitung der Covid-Deltavariante und zunehmender Konjunkturrisiken ist auch der Goldpreis etwas unter Druck gekommen, da spekulative Positionen aufgelöst wurden. Aber gleichzeitig sind die Renditen deutlich gesunken und die Erwartungen hinsichtlich restriktiverer Notenbanken haben sich nach hinten verschoben, während sich die Inflationserwartungen kaum reduziert haben. Die realen Renditen sind somit deutlich gesunken. Hält diese Entwicklung an und erreichen die Realzinsen neue Tiefs, dann dürfte der Goldpreis dem Realzinsrückgang mit steigenden Preisen folgen.

Anleihen
Frankreich: Geschäftsklimaindex Insee (Jul), 8:45 Uhr
Euroraum: Zinsentscheidung der EZB, 13:45 Uhr
USA: Erstanträge, Arbeitslosengeld, 14:30 Uhr
USA: Verkäufe bestehender Häuser (Jun), 16:00 Uhr

Auf reges Interesse traf gestern die Aufstockung der Bundesanleihe mit Laufzeitende 2048. Die Emission war 1,35-fach überzeichnet. Mit 0,03% lag die Rendite gerade noch im positiven Bereich. Bei der vorherigen Aufstockung im April lag die Rendite für die Anleger immerhin bei 0,22%. Vor allem für Versicherungen – aber auch für viele andere Anleger, die einen sicheren Auszahlungsstrom benötigen – ist der Mangel an sicheren Papieren mit einer positiven Rendite ein großes Problem. Dass auf Sicht von dreißig Jahren keine Rückkehr zu einem normalen Zinsniveau erwartet wird, ist ein Armutszeugnis für die europäische Fiskalpolitik. Während die Geldpolitik den Fuß fest auf dem Gaspedal hat, kommt fiskalpolitisch bislang kaum eine Stimulierung der Nachfrage zustande. Apropos Geldpolitik – heute trifft die Europäische Zentralbank wieder eine geldpolitische Entscheidung. Anleger spekulieren auf Adjustierungen der geldpolitischen Maßnahmen, vor allem auf eine Ausweitung bzw. Verlängerung des Notfallkaufprogramms „PEPP“. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht aber der organisatorische Rahmen, denn EZB-Präsidentin Lagarde lässt weitere Änderungen in der Strategie und auch im Auftreten erwarten. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, dass die Geldpolitik der EZB verständlich und transparent ist. In den USA droht erneut ein Streit über die Schuldenobergrenze. Das Limit liegt bei 28.500 Mrd. US-Dollar und ist bald erreicht. Sollte der Kongress die Obergrenze nicht erhöhen, droht ein „government shutdown“ wie zuletzt zur Jahreswende 2019/20. Der Fraktionschef der Republikaner, Mitch McConnell, sagte, es sei unwahrscheinlich, dass seine Partei einer Erhöhung zustimmen werde.

Aktien
Zwischenberichte Q2
Europa: ABB, Givaudan, Roche
USA: Abbot Labs, AT&T, Biogen, Danaher, Dow, Intel, Newmont Mining, VeriSign

Die europäischen Aktienmärkte zeigten sich zur Wochenmitte in guter Verfassung. Nach Startschwierigkeiten kamen sie im Tagesverlauf mit Blick auf die freundliche Eröffnung in den USA auf Touren und erreichten Zuwächse von 1,7% im Stoxx 600. Dabei reichte die Spanne der Länderindizes von +0,6% in der Schweiz bis +2,5% in Spanien. Der DAX lag mit +1,3% im Mittelfeld. Gefragt waren gestern zyklische Bereiche wie Gebrauchsgüter aber auch Finanztitel und Energiewerte, deren Sektorindizes jeweils über 2% zulegten. Bester Wert im DAX war Siemens Energy (+4,9%) dicht gefolgt von MTU und Deutsche Bank (je +4,3%). Ein in Aspekten enttäuschender Zwischenbericht verbannte SAP (-2,6%) ans DAX-Ende. Im MDAX fielen Alstria Office (+9%) auf nachdem Übernahmepläne des kanadischen Großaktionärs Brookfield kolportiert wurden. In den USA setzte die Berichtssaison Impulse und verhalf den Märkten zu einem weiteren Erholungstag, der die Verluste vom Montag wettmachte. Die großen Indizes marschierten fast im Gleichschritt: Dow Jones und S&P 500 +0,8%, Nasdaq +0,7%. Dabei trat die Furcht vor der DeltaVariante wieder in den Hintergrund. Airlines und Zykliker legten zu, gefragt waren auch Energietitel. Chevron (+3,3%) war stärkster Titel im Dow Jones. Coca-Cola (+1,3%) und Verizon (+0,7%) stiegen nach ihren Zwischenberichten und der Anhebung der Jahresprognose. Bei Netflix (-3,3%) scheint die Sonderkonjunktur dagegen zu Ende zu gehen. In Japan ist die Börse heute und morgen geschlossen. Andere asiatische Märkte zeigen sich freundlich (Hong Kong +1,5%, Korea +0,9%). In Europa dürfte sich die Erholung weiter fortsetzen.

Daten zum Wertpapier: Feinunze Gold
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Ticker-Symbol: XAUUSD
WKN: 965515
ISIN: XC0009655157

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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