Finanzmarkt aktuell: Wohin mit dem ganzen Geld? - Weberbank

Weberbank: „Die Zentralbanken finden sich nun mitten in den Diskussionen um die Frage, wie nachhaltig der gegenwärtige Inflationsanstieg ist.” Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com

Weberbank: „Die Zentralbanken finden sich nun mitten in den Diskussionen um die Frage, wie nachhaltig der gegenwärtige Inflationsanstieg ist.” Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com

20.06.2021 09:53 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Endlich Sommer! Während die Temperaturen in Richtung neuer Allzeithochs klettern, gönnt man sich an den Kapitalmärkten meist eine kleine Verschnaufpause. Ob dem auch in diesem Jahr so ist und welche Themen uns derzeit beschäftigen, erfahren Sie in dieser neuen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Abwarten und Tee trinken

Die Zentralbanken finden sich nun mitten in den Diskussionen um die Frage, wie nachhaltig der gegenwärtige Inflationsanstieg ist, den wir an dieser Stelle bereits thematisiert hatten. Bislang halten die Notenbanken weiterhin an ihrer These des lediglich vorübergehenden Inflationsanstiegs fest, welcher wir uns anschließen. Nichtsdestotrotz stellen einige Marktteilnehmer den Fortbestand der Anleihekaufprogramme über die anfangs gesetzten Daten hinaus nicht nur in den USA, sondern auch in Europa zunehmend in Frage. Erste Institute wie die Bank of England oder die Bank of Canada haben ihre Kaufprogramme bereits zurückgefahren. Sollte sich die positive Konjunkturdynamik in der zweiten Jahreshälfte manifestieren, werden diese Diskussionen deutlich an Fahrt aufnehmen – ein Fall, auf den sich Anleiheinvestoren vorbereiten sollten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte sich bis zur Sitzung letzte Woche offiziell eher bedeckt gehalten, während einzelne Vertreter durchaus widersprüchliche Aussagen tätigten. Sie bestätigte die Fortführung der erhöhten Anleihekäufe und hat damit zunächst für etwas Ruhe gesorgt. Das bedeutet am Ende jedoch lediglich ein Spiel auf Zeit. Spätestens im Herbst wird die EZB sich dann zur Zukunft der Kaufprogramme äußern müssen. Die US-amerikanische Notenbank (Fed) hat diese Woche bereits einen Schritt in Richtung Normalisierung gewagt und recht überraschend ihre Prognosen für erste Zinsschritte zeitlich nach vorn gezogen. So werden nun bereits bis Ende 2023 zwei Zinsschritte prognostiziert, wobei einige Vertreter bereits einen Zinsschritt im Jahr 2022 befürworten. Dieser nun leicht restriktiv anmutende Ton mahnt zur Wachsamkeit in der zweiten Jahreshälfte, um eine überraschend kalte Dusche zu vermeiden.

Alles hängt mit allem zusammen

Damit bezog sich Alexander von Humboldt zwar auf Zusammenhänge in der Natur und nicht auf den Kapitalmarkt, seine Aussage trifft jedoch auch hier zu. Denn: Nicht nur der US-amerikanische Rentenmarkt reagierte auf die Fed-Nachrichten vom Mittwochabend. Ähnlich wie bei US-Staatsanleihen zu beobachten, stiegen auch die Renditen deutscher Staatsanleihen deutlich an. Dies zeigt einmal mehr, dass an den internationalen Kapitalmärkten alles miteinander verbunden ist. Entscheidungen der Fed beeinflussen somit ein stückweit auch das Renditeniveau in Europa und nahezu überall auf der Welt, die Kursentwicklung an den Aktienmärkten und den Preis von Gold. Während diese Marktsegmente selbstverständlich auch von anderen Faktoren beeinflusst werden, bleibt die Fed-Politik für uns ein wichtiger Ankerpunkt, auf den wir schauen. Dies hat auch Einfluss auf unsere Positionierung in den Renten-Randmärkten, wo wir aktuell höhere Bonitätsrisiken bevorzugen. Die höheren Zinskupons in diesem Segment schützen uns vor einer perspektivisch restriktiveren Notenbankpolitik und Zinsanstiegen.

Viele Unternehmen hatten zum Hochpunkt der Coronakrise im letzten Jahr teils durch Kosteneinsparungen, teils durch Aufnahme frischen Kapitals hohe Bargeldreserven geschaffen, um für den schlimmsten Fall gerüstet zu sein. Zu diesem Zeitpunkt im März 2020 wusste niemand genau, wie lange und in welcher Form die Pandemie andauern würde. Ein Jahr später hat sich die Wirtschaft an die Pandemiebedingungen angepasst, und viele Unternehmen sind deutlich besser durch die Krise gekommen als erwartet. Dementsprechend stehen den Unternehmen weiterhin außergewöhnlich hohe Bargeldreserven zur Verfügung, welche nun wieder abgebaut werden können. Viele Unternehmen haben bereits Aktienrückkaufprogramme angekündigt. Weitere werden folgen. So sollen die Rückkaufprogramme in diesem Jahr ein Rekordvolumen erreichen. Die dadurch gesteigerte Nachfrage nach Aktien wird in unseren Augen den Markt zusätzlich positiv unterstützen.

Daten zum Wertpapier: EZB

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Weberbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
4investors-Newsletter - jetzt eintragen!

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

(Werbung)
Günstig Aktien handeln!
4investors auf: Twitter | YouTube | Google News | Facebook

Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:

Enapter: So wird Wasserstoff massentauglich!
Sebastian-Justus Schmidt, CEO von Enapter, im Interview mit der 4investors-Redaktion.

4investors-News - EZB

29.10.2021 - EZB sieht keine längerfristigen Inflationsgefahren - Commerzbank
28.10.2021 - EZB bleibt unbeirrt - DWS
13.10.2021 - Aktien: Commerzbank, CureVac, Mutares, Valneva, Nel ASA und die EZB - die 4investors Top-News
12.10.2021 - „Investment Professionals sehen die Unabhängigkeit der EZB gefährdet” - DVFA Kolumne
12.10.2021 - Renditen im Aufwind - Commerzbank
01.10.2021 - Inflation in der Eurozone: Es wird weiter nach oben gehen - DWS
10.09.2021 - Im Blickpunkt EZB will im 4. Quartal weniger Anleihen kaufen - Commerzbank
10.09.2021 - Am Morgen: EZB, Merck, Swiss Re und Konjunkturdaten im Blickpunkt - Nord LB Kolumne
09.09.2021 - EZB nimmt beim PEPP moderat den Fuß vom Gaspedal - Nord LB
08.09.2021 - Laut einer ZEW-Studie steht die EZB unter „fiskalischer Dominanz“ - Commerzbank
23.07.2021 - Mit der neuen EZB-Strategie noch länger niedrige Zinsen zu erwarten - Commerzbank
22.07.2021 - EZB legt mit neuer Forward Guidance Latte für Zinswende noch höher - Nord LB
14.07.2021 - EZB: Der digitale Euro rückt ein Stück näher - VP Bank
08.07.2021 - Die EZB wird noch politischer - DWS
30.06.2021 - Inflationsanstieg legt Verschnaufpause ein - VP Bank
11.06.2021 - Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch vorsichtige Haushalte und Unternehmen beschränkt - Commerzbank
09.06.2021 - Inflationsdaten weiter überraschend fest, aber langfristige Erwartungen konsolidieren- Commerzbank
02.06.2021 - Energiepreise sorgen nur vorübergehend für einen Inflationsanstieg - Commerzbank
30.05.2021 - Mit klugen Anlagestrategien eine positive und stabile Rendite bei Anleihen erzielen - nordIX
28.05.2021 - EZB-Käufe helfen der Euro-Peripherie - Commerzbank

DGAP-News dieses Unternehmens

03.12.2021 - EQS-Adhoc: COSMO PHARMACEUTICALS N.V. UND CASSIOPEA S.P.A. VERÖFFENTLICHEN DAS VORLÄUFIGE ...
03.12.2021 - EQS-Adhoc: COSMO PHARMACEUTICALS N.V. UND CASSIOPEA S.P.A. VERÖFFENTLICHEN DAS VORLÄUFIGE ...
03.12.2021 - EQS-Adhoc: Glarner Kantonalbank kündigt Additional ...
03.12.2021 - DGAP-News: M1 Kliniken AG weiterhin erfolgreich im 4. Quartal ...
03.12.2021 - DGAP-News: Aurubis AG: 2020/21 erfolgreichstes Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte, ...
03.12.2021 - DGAP-News: Corestate Bank strukturiert kurzfristig drei komplexe Immobilien-Finanzierungen mit rund ...
03.12.2021 - DGAP-Adhoc: Allianz SE: Allianz kündigt Abschluss eines Rückversicherungsvertrages in den USA ...
03.12.2021 - EQS-News: HSL Fund Kapitalerhöhung deutlich ...
03.12.2021 - DGAP-News: Nordex SE: Nordex Group erhält einen Auftrag über 300 MW aus den USA ...
03.12.2021 - DGAP-News: Northern Data informiert über bisherigen Geschäftsverlauf 2021 und bestätigt Prognose ...

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.