Bayer und das Monsanto-Desaster: Wie lange darf CEO Baumann noch?

Bayer hätte aus dem Monsanto-Desaster längst Konsequenzen ziehen müssen, statt sich gegen die Aktionäre zu stellen. Bild und Copyright: Michael Barck / www.4investors.de.

Bayer hätte aus dem Monsanto-Desaster längst Konsequenzen ziehen müssen, statt sich gegen die Aktionäre zu stellen. Bild und Copyright: Michael Barck / www.4investors.de.

27.05.2021 11:58 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter auf Twitter 

Bayer steht in der Aufarbeitung der Monsanto-Folgen vor einem Scherbenhaufen. Das zuständige US-Gericht hat einen Vergleichsvorschlag mit einem Volumen von rund 2 Milliarden Euro abgelehnt. Dies mache es „unmöglich, den vorgeschlagenen nationalen Lösungsmechanismus unter der Aufsicht dieses Gerichts weiterzuentwickeln, der die fairste und effizienteste Lösung für alle Parteien gewesen wäre”, kommentiert Bayer die Gerichtsentscheidung, die inhaltlich nicht mehr besonders überraschend, höchstens unerwartet schnell kam.

Stattdessen will Bayer nun mit einem Maßnahmenpaket den trotz zahlreicher Einigungen mit Klägern immer noch existierenden milliardenschweren Risiken aus Schadenersatzprozessen im Zusammenhang mit den Folgen von Monsantos Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat begegnen. Die fünf Punkte des Maßnahmenpakets umfassen unter anderem eine neue Internetseite mit wissenschaftlichen Informationen zu Glyphosat und Hinweise auf Produkt-Etiketten, eine Fortsetzung der laufenden Berufungsverfahren in den USA und Gespräche mit Partnern zur Zukunft von Glyphosat-basierten Produkten auf dem US-amerikanischen Privatkundenmarkt.

Zudem wolle man andere Lösungen für potenzielle künftige Klagen sowie das weitere Vorgehen bei den Vergleichen zu aktuellen Klagen prüfen, kündigt Bayer an. Man sei „weiterhin offen für Vergleichsverhandlungen soweit die Kläger den Teilnahmekriterien entsprechen und angemessene Ergebnisse erreicht werden können”, so das Unternehmen am Donnerstag in Reaktion auf den US-Gerichtsentscheid. An den hierfür vorgesehenen Rückstellungen in Höhe von 2 Milliarden Euro ändert das nichts.

Bayer hätte längst Konsequenzen ziehen müssen

Spekulationen, dass Bayer sich kurzfristig der Risiken aus dem milliardenschweren Monsanto-Desaster entledigen kann, haben sich damit erst einmal zerschlagen. Sah es vor ein paar Tagen mit einem Anstieg der Bayer Aktie auf 57,73 Euro noch so aus, als könnte der DAX-Wert endlich aus der katastrophalen Baisse der letzten Jahre (2015 kostete die Bayer Aktie 144 Euro!) heraus kommen, so haben sich auch diese Hoffnungen erst einmal zerschlagen. Heute fällt Bayers Aktienkurs bis auf 52,07 Euro zurück und liegt aktuell bei 52,69 Euro mit mehr als 4 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs im Minus.

Mit dem Scherbenhaufen in den USA müsste Bayer eigentlich erneut die Zukunft des Konzernchefs Werner Baumann auf die Agenda setzen. Schon auf der Hauptversammlung 2019 gab es deutliche „Watschn” der Aktionäre in Richtung des Konzernchefs, dem die Entlastung verweigert wurde - ein Novum in der Geschichte DAX-notierter Unternehmen. Der Aufsichtsrat setzte sich über die Stimmen der Aktionäre hinweg und sprach Baumann das Vertrauen aus. Mehr noch: Dessen Vertrag wurde bis 2024 verlängert.

Und nun? Ein vorzeitiger Abgang des Managers, der 2024 ohnehin gehen will, würde zwar das Problem Monsanto nicht beseitigen, wäre nach den Entwicklungen der letzten Jahre aber zumindest ein konsequentes Eingeständnis jahrelanger fataler Fehleinschätzungen in Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme und könnte den Weg für einen Neuanfang bereiten - für Bayer wie auch für den Aktienkurs des Konzerns.

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