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Inflationsängste vs. Konjunktur-Hoffnung: Aktienmärkte bleiben volatil - Börse München

Robert Ertl, Börse München: „Die Meinungen über die weitere Kursentwicklung gehen dagegen auseinander. So rechnen nicht wenige Auguren damit, dass die Marktteilnehmer weiter zwischen Inflationsängsten und Konjunkturhoffnungen schwanken werden.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Börse München: „Die Meinungen über die weitere Kursentwicklung gehen dagegen auseinander. So rechnen nicht wenige Auguren damit, dass die Marktteilnehmer weiter zwischen Inflationsängsten und Konjunkturhoffnungen schwanken werden.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

25.05.2021 09:41 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter auf Twitter 

Zinsängste, Inflationssorgen und Konjunkturhoffnungen – das war die Gemengelage, in der sich die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche bewegten. Wie schon in den Vorwochen sorgte dies für eine volatile Marktlage mit teils stark schwankenden Kursen. Dass beispielsweise die Verbraucherpreise in der Eurozone im April um 1,6 Prozent angezogen sind, schmecke den Anlegern überhaupt nicht, zumal viele Analysten die Meinung vertreten, dass sie in absehbarer Zeit noch deutlich über diesen Wert steigen und damit auch über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent liegen werden. Dem stand die Hoffnung entgegen, dass sich die Konjunktur in der Eurozone auch dank der zunehmenden Corona-Lockerungsmaßnahmen schneller zu erholen scheint als gedacht. Darauf reagierten die Märkte ausgesprochen positiv.

Dies alles führte unter anderem dazu, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) im Handelsverlauf am vergangenen Dienstag zeitweise auf ein Allzeithoch von rund 15.538 Punkten kletterte, am Mittwoch aber teilweise sogar wieder unter 15.000 Punkte abstürzte, nur um sich in den folgenden Tagen dann schrittweise wieder dem Allzeithoch zu näheren. Unter dem Strich verbesserte sich der Dax im Wochenvergleich leicht um 0,1 Prozent auf 15.434,50 Punkte. Unter den Dax-Werten standen erneut Fresenius zumindest zeitweise im Mittelpunkt des Interesses. Nachdem der Titel in der Vorwoche bereits um nahezu 8 Prozent zugelegt hatte, machte der dieses Mal rund 2 Prozent gut. Als Grund dafür wurde am Markt ein Bericht des „Manager Magazins“ genannt, wonach Anteilseigner und das Management bereits seit geraumer Zeit berechnen würden, ob die Einzelteile wertvoller seien als der Konzern als Ganzes. Die Papiere von Delivery Hero wiederum rutschten trotz mehrerer Erholungsversuche nach den herben Verlusten der Vorwoche noch weiter ab. Sie beendeten die Handelswoche bei 105,65 Euro. Dies bedeutete einen Wochenverlust von 1,5 Prozent.

Deutlich besser als die Blue Chips entwickelten sich die Nebenwerte. So kletterte der MDax im Wochenvergleich um 0,8 Prozent auf 32.407 Punkte und machte damit einen Teil seiner Verluste aus den Tagen zuvor wieder gut. Ebenfalls nach oben ging es mit dem TecDax. Er verbesserte sich um 1,1 Prozent auf 3.363,23 Punkte. Noch deutlich mehr Boden gewann der m:access All-Share. Er stieg um 2,6 Prozent auf 2.939,60 Zähler. Unter den Nebenwerten sorgten vor allem die Papiere des Leasings-Spezialisten Grenke für Aufmerksamkeit. Sie schossen um gut 20 Prozent nach oben. Auslöser dafür war ein uneingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG für den Jahresabschluss 2020. Dies entkräftete Bilanzmanipulations-Vorwürfe des britischen Investor Fraser Perring aus dem Herbst letzten Jahres.

Das große Thema an den deutschen Anleihemärkten waren in der vergangenen Woche die steigenden Inflationssorgen. Sie sorgten zwar generell für eine nervöse Stimmung und dafür, dass sich die Anleger zurückhielten, nicht aber für große Kursbewegungen. Nachdem die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe in der Vorwoche noch auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen war, ging sie am vergangenen Freitag mit einer unveränderten Rendite von -0,13 Prozent aus dem Handel. Auch die Umlaufrendite stagnierte im Wochenvergleich und wurde zuletzt mit -0,20 Prozent berechnet.

Dieselben Themen wie in Deutschland prägten in der vergangenen Woche auch das Geschehen an den US-Börsen. Der Dow-Jones-Index sank im Wochenvergleich um 0,5 Prozent auf 34.207,45 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab ebenfalls um 0,5 Prozent auf 4.154,90 Punkte nach. Der technologielastige Nasdaq-100-Index kletterte dagegen um 1,1 Prozent auf 13.407,62 Zähler. Im Gegensatz zu den deutschen Märkten hatten die US-Börsen am Pfingstmontag geöffnet. Dabei entwickelten sich die Kurse überwiegend positiv. Grund dafür waren vor allem beruhigende Aussagen wichtiger US-Notenbanker zum Thema Inflation und Zinsen. Dies trieb den Dow-Jones-Index am Montag um 0,54 Prozent auf 34.393,98 Punkte und den S&P-500-Index um 0,99 Prozent auf 4197,05 Zähler nach oben. Der Nasdaq-100-Index verbesserte sich sogar um 1,72 Prozent auf 13.641,75 Punkte

Ausblick

Die gute Entwicklung an den Wall Street dürfte den deutschen Aktienmärkten nach Ansicht der meisten Experten einen guten Start in die verkürzte Handelswoche nach Pfingsten ermöglichen. Die Meinungen über die weitere Kursentwicklung gehen dagegen auseinander. So rechnen nicht wenige Auguren damit, dass die Marktteilnehmer weiter zwischen Inflationsängsten und Konjunkturhoffnungen schwanken werden. Entsprechend werde das Geschehen an den Märkten volatil bleiben. Einige wenige Experten zeigen sich dagegen optimistischer. Sie stellen die Inflationsängste in den Hintergrund und die besseren Konjunkturerwartungen heraus und verweisen zudem auf die nach wie vor fehlenden Anlagealternativen. Ihre Schlussfolgerung daraus: Die Märkte hätten nach wie vor Potential nach oben.

Es gibt in dieser Woche einige wichtige Konjunkturindikatoren, die die eine oder andere These stützen könnten. Gleich an diesem Dienstag wird beispielsweise der Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht. Am Donnerstag folgt unter anderem das GfK-Verbrauchervertrauen, und am Freitag folgen neuen Zahlen zum Geschäftsklima und zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone.

Auf der Unternehmensseite stehen dagegen nur wenige Bilanzzahlen im Terminkalender. Sehr spekulative Anleger könnten sich für die für Donnerstag angekündigten neuesten Geschäftszahlen des Münchner Online-Händlers Windeln.de interessieren. Das Unternehmen hatte bereits im April mitgeteilt, dass ein Verlust „in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Gesellschaft eingetreten ist“. Was das genau bedeutet, dürfte nun konkretisiert werden.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Dienstag, 25.05.: Ifo-Geschäftsklimaindex (Deutschland); Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Importpreise in Deutschland; Verbrauchervertrauen in den USA; Verkäufe neuer Häuser in den USA; S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex (USA)
Mittwoch, 26.05.: Hypothekenanträge in den USA
Donnerstag, 27.05.: GfK-Verbrauchervertrauen (Deutschland); Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; Bruttoinlandsprodukt der USA; Persönliche Konsumausgaben in den USA; Schwebende Hausverkäufe in den USA
Freitag, 28.05.: Geschäftsklima in der Eurozone; Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Warenhandelsbilanz der USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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