US-Einzelhandelsumsätze: Nach dem „revidierten“ Konsumrausch im März - Nord LB

Nach dem ausgeprägten Zuwachs im März haben die US-Einzelhandelsumsätze im April keine positive Entwicklung nehmen können. Bild und Copyright: connel / shutterstock.com.

Nach dem ausgeprägten Zuwachs im März haben die US-Einzelhandelsumsätze im April keine positive Entwicklung nehmen können. Bild und Copyright: connel / shutterstock.com.

14.05.2021 16:11 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

In den USA sind vor einigen Minuten vorläufige Zahlen zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im Berichtsmonat April gemeldet worden. Nach dem sehr ausgeprägten Anstieg im März musste bei dieser Zeitreihe fast schon zwangsläufig mit einer Abschwächung des Wachstums gerechnet werden. Entsprechend stellen die heute veröffentlichten Daten selbst auf den ersten Blick nur eine gewisse negative Überraschung dar. In Zahlen ausgedrückt zeigte sich am aktuellen Rand eine Veränderungsrate von nur 0,0% M/M. Dabei ist zu bedenken, dass der ohnehin schon ausgeprägte Anstieg im März nun noch nach oben revidiert worden ist. Der Zuwachs liegt damit inzwischen schon bei mehr als beachtlichen 10,7% M/M, was die „Schwäche“ am aktuellen Rand ohne jeden Zweifel relativiert. Der Konsumrauch im März hat sich also inzwischen als noch viel wildere Party erwiesen.

Der Blick auf die Details der Zahlen offenbart zunächst, dass die Umsätze in den US-Autohäusern im Berichtsmonat April um immerhin 2,9% M/M zulegen konnten. Dieser Anstieg folgt auf einen gigantischen Zuwachs von 17,1% M/M im Berichtsmonat März. Exklusive Automobile gaben die Einzelhandelsumsätze im April entsprechend um 0,8% M/M nach.

Bei den zwei Unterkomponenten Möbel und Baumaterialien, die bekanntlich beide sehr eng mit dem US-Immobilienmarkt verknüpft sind, zeigten sich am aktuellen Rand ebenfalls negative Veränderungsraten. Diese Entwicklung dürfte aber vor allem auf die Stärke im Vormonat zurückzuführen sein. Insofern sollten an dieser Stelle wohl keine voreiligen Schlüsse bezüglich einer möglichen Signalwirkung für den US-Immobilienmarkt gezogen werden. Dabei ist auch zu bedenken, dass Versorgungsengpässe beim Holz zu Belastungen geführt haben könnten.

Die Umsätze an den US-Tankstellen gingen im April um 1,1% M/M zurück. Auch diese Entwicklung dürfte vor allem ein Resultat der Stärke im Vormonat gewesen sein. Im März hatte sich bei dieser Zeitriehe ein Anstieg um immerhin 10,2% M/M offenbart.

Die Kontrollgruppe der Einzelhandelsumsätze gab im April um 1,5% M/M nach, was auf den ersten Blick als ziemlich negative Überraschung gewertet werden könnte. Allerdings wurde der März-Wert dieser Zeitreihe ebenfalls klar nach oben revidiert, was die „Schwäche“ am aktuellen Rand weitgehend erklären dürfte.

Fazit: Nach dem ausgeprägten Zuwachs im März haben die US-Einzelhandelsumsätze im April keine positive Entwicklung nehmen können. Die heute gemeldeten Daten notieren auf den ersten Blick sogar sehr klar unterhalb der Prognosen der meisten Ökonomen; die Revisionen an den Angaben für März relativieren diese Nachricht jedoch in ganz starkem Maße. Die neuen Zahlen zeigen nämlich eine noch viel wildere Party im Vormonat, was dann im April natürlich zumindest eine gewisse Ruhepause erforderlich macht. Die jüngst gemeldeten Daten zur Lage am US-Arbeitsmarkt hatten die ambitionierten Erwartungen vieler Marktbeobachter zwar ebenfalls nicht erfüllen können, die Beschäftigungssituation im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bleibt aber dennoch erfreulich. Dieses Umfeld dürfte den US-Konsumenten also weiterhin helfen. Entsprechend sollte die bisher sehr verlässlich tragende Säule privater Verbrauch der nordamerikanischen Wirtschaft auch perspektivisch positive Impulse beim Wachstum liefern können

Autor: Tobias Basse

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