BoE: Beim Tempo von QE wird einen halben Gang runtergeschaltet - Nord LB

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Die bisher getätigten Käufe von Gilts in Höhe von 4,4 Mrd. GBP pro Woche werden auf 3,4 Mrd. GBP reduziert. Bild und Copyright: PHOTOCREO Michal Bednare / shutterstock.com.

06.05.2021 14:20 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat heute getagt und (einstimmig) erwartungsgemäß beschlossen, die Bank Rate auf dem bisherigen Niveau von 0,10% zu belassen.

Mit größerer Spannung wurde dagegen die Entscheidung hinsichtlich des Aufkaufprograms gewartet. Fraglich war, ob und wann die Notenbanker das Quantitative Easing anpassen würden. Immerhin legten zuletzt sowohl die Einzelhandelsumsätze, die Industrieproduktion als auch die Beschäftigtenzahlen teilweise deutlich zu, so dass auch das BIP-Wachstum im I. Quartal – entgegen erster Befürchtungen zum Jahreswechsel – doch weniger deutlich gefallen sein sollte. Die Fortschritte bei der Bekämpfung von Covid-19 durch eine erfolgreiche Impfkampagne eröffnen dem Land gute Perspektiven. Über 50% der Bevölkerung ist bereits einmal geimpft worden, so dass gemäß des 4-Stufen-Plans der Regierung Lockerungen vom Lockdown bereits in Gang gesetzt wurden.

Deswegen hat sich die BoE für eine Anpassung beim Quantitative Easing entschieden: Die bisher getätigten Käufe von Gilts in Höhe von 4,4 Mrd. GBP pro Woche werden auf 3,4 Mrd. GBP reduziert. In dem bisherigen Tempo wäre das QE im November beendet worden, nun läuft es bis Ende des Jahres. Denn die BoE gibt – im Gegensatz beispielsweise zur Bank of Canada und Federal Reserve – ein Gesamtvolumen für QE (von 895 Mrd. GBP) an, was sie unangetastet beibehält. Will die BoE ein abruptes Ende der Stimuli vermeiden, muss sie die wöchentlichen Ankäufe anpassen und das Programm somit strecken. Das ist jetzt geschehen. Ein monatliches „Tapering à la BoE“ verändert also das Stimulierungsvolumen nicht, sondern streckt es nur. Insofern sind ein Tapering von der BoC (im April erfolgt) und der Fed (Ankündigung im Juni denkbar) von höherer Brisanz.

Diese Entscheidung fiel nicht ganz einstimmig aus: Der bald scheidende Chief Economist Andy Haldane plädierte für eine Reduzierung von QE um 50 Mrd. GBP auf 825 Mrd. GBP.

Die Notenbanker in London betonten, dass die QE-Streckung keine Neuausrichtung der Geldpolitik bedeute. Unseres Erachtens ist die Maßnahme aber durchaus eine moderate Adjustierung.

Der Tenor im BoE-Statement fiel optimistischer als bisher aus. Die Wachstumsprognose für 2021 wurde deutlich von 5% auf 7,25% erhöht. Die Inflation werde bis 2024 unterhalb von 2% bleiben. Zinsanhebungen würden erst anstehen, wenn es zu einer nachhaltigen konjunkturellen Stabilisierung komme. Mit einer Zinserhöhung rechnen wir frühestens im Jahr 2023.

Der deutliche Anstieg der Gilt-Renditen von Jahresbeginn bis zu über 0,90% geriet zuletzt etwas ins Stocken, die heutigen Reaktionen fielen moderat aus. Das zwischenzeitlich deutlich stärkere Pfund, was auch im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Impferfolgen beiderseits des Ärmelkanals zu sehen war, hat zuletzt wieder etwas abgewertet. Heutige Kursreaktion: Marginal!

Fazit: Die Bank of England hat heute erwartungsgemäß die Bank Rate bei 0,1% belassen. Während das Gesamtvolumen des Aufkaufprogramms bei 895 Mrd. GBP unangetastet blieb, wurden aber die wöchentlich getätigten Käufe von 4,4 Mrd. GBP auf 3,4 Mrd. GBP reduziert, wodurch es zu einer in diesem Rahmen auch erwarteten Streckung des Programms bis Ende des Jahres kommt. Selbst wenn die Notenbanker betonen, somit keine Neuausrichtung der Geldpolitik vorgenommen zu haben, ist es unseres Erachtens durchaus eine moderate Adjustierung. Immerhin wird bei QE einen Gang heruntergeschaltet! Und das völlig zu Recht: Wie die Notenbanker auch konstatieren, haben die Impferfolge Lockerungen beim Lockdown ermöglicht, was zu einer konjunkturellen Beschleunigung führen werde. So rechnet sie mit BIP-Wachstum von 7,25% in 2021. Da die Inflation von ihr aber bis 2024 bei unter 2% gesehen wird, dürfte frühestens in 2023 eine erste Zinsanhebung anstehen. Gilts und Pfund reagierten nur mit temporären Ausschlägen nach oben und unten.

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