Ifo Geschäftsklima: Lockdown und Lieferprobleme bremsen Optimismus - Nord LB

Der Bausektor litt in den letzten Zeit unter Belastungen durch den Lockdown und die schlechten Witterungsbedingungen. Hinzu kam die Rückkehr zu den alten Umsatzsteuersätzen. Bild und Copyright: Oleg Totskyi / shutterstock.com.

Der Bausektor litt in den letzten Zeit unter Belastungen durch den Lockdown und die schlechten Witterungsbedingungen. Hinzu kam die Rückkehr zu den alten Umsatzsteuersätzen. Bild und Copyright: Oleg Totskyi / shutterstock.com.

26.04.2021 12:29 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Heute Vormittag hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner Umfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen veröffentlicht. Im Berichtsmonat April hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zwar etwas weiter aufgehellt. Der Anstieg des Geschäftsklimas für die gewerbliche Wirtschaft auf 96,8 Punkte fiel jedoch überraschend mager aus. Immerhin bleibt der wichtigste Indikator für die Stimmungslage in den Unternehmen auf dem höchsten Niveau seit Mitte 2019.

Eine erneute Verbesserung sehen die Unternehmen bei der aktuellen Geschäftssituation. Die ifo-Lagekomponente kletterte auf 94,1 Punkte. Dies ist nach dem durch Sonderfaktoren äußerst schlechten Start ins Jahr 2021 durchaus zu erwarten gewesen. Hierzu gehören die Belastungen durch den Lockdown, die schlechten Witterungsbedingungen – insbesondere für den Bausektor sowie branchenübergreifend durch die Rückkehr zu den normalen MWSt-Sätzen. Ende der Woche wird daher das Statistische Bundesamt ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung für Q1 melden.

Einen leichten Dämpfer für den Optimismus signalisieren hingegen die auf die Entwicklung in sechs Monaten gerichteten Geschäftserwartungen. Diese sanken von 100,3 auf 99,5 Punkte. Damit folgen die heutigen Zahlen des ifo-Instituts weitgehend den Vorgaben der ZEW-Konjunkturumfrage.

Der steile Anstieg aus dem März hat sich so also nicht fortgesetzt, immerhin konnte in der Zusammenschau aber das erreichte Niveau gehalten bzw. noch einmal minimal ausgebaut werden. Dennoch stellt sich die Frage nach den Gründen für die verhalteneren Erwartungen der Unternehmen im April. Es liegt auf der Hand, dass die neuerliche Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns und die hohen Infektionszahlen zumindest Teile der deutschen Wirtschaft kalt erwischt haben dürften. Während im März politisch vor allem die Rahmenbedingungen von Öffnungsschritten diskutiert wurden, sehen sich viele Dienstleister und Händler nun wieder zurückgeworfen und es stellt sich für die nächsten Wochen vielmehr wieder die Frage nach dem Ob als nach dem Wie.

Die Details bestätigen dieses Bild. Während sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe nochmals leicht verbesserte, kam es vor allem bei den Dienstleistungsunternehmen – aber auch im Bauhauptgewerbe – zu einem Rücksetzer gegenüber dem Märzwert. Im Handel bleibt die Stimmung trotz eines marginalen Anstiegs insgesamt schlecht. Zu allem Überfluss drohen Engpässe bei wichtigen Vorprodukten den Aufschwung in der Industrie auszubremsen, die Erwartungen gingen auch hier zurück. Fast jedes zweite Unternehmen beklagt Lieferprobleme bei Vorprodukten.

Insgesamt bestätigen die heutigen ifo-Zahlen das Bild einer zweigeteilten Wirtschaft. Während Dienstleister, Gastgewerbe und Handel weiter unter dem Lockdown leiden, ist die Auftragslage in der Industrie inzwischen wieder sehr gut. Allerdings droht durch angebotsseitige Restriktionen nun eine Drosselung des Wachstumstempos. Für die deutsche Wirtschaft insgesamt erwarten wir daher weiterhin ein BIP-Wachstum von etwas mehr als drei Prozent im laufenden Jahr. Dennoch wird die Mehrheit im EZB-Rat vorerst bei ihrer eher vorsichtigen Grundhaltung bleiben und auch in das zweite Halbjahr hinein einen zu starken Anstieg der Kapitalmarktrenditen zu vermeiden suchen.

Fazit: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April leicht aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex verbesserte sich auf 96,8 Punkte und notiert weiter über dem Vorkrisenniveau. Einer verbesserten Lageeinschätzung stehen jedoch etwas weniger optimistische Erwartungen gegenüber. Neben dem erneut verlängerten Lockdown belasten offenbar zunehmend auch angebotsseitige Restriktionen. Trotz sehr guter Auftragslage droht somit Sand ins Getriebe des Industrieaufschwungs zu gelangen. Nach dem BIP-Rückgang im ersten Quartal rechnen wir für das Gesamtjahr 2021 aber weiter mit einem Wachstum von mehr als 3%. Nicht nur wegen der sehr großen Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf wird die Mehrheit im EZB-Rat vorerst an ihrer vorsichtigen Ausrichtung festhalten wollen!

Daten zum Wertpapier: Konjunktur

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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