DVFA Mitglieder erwarten höheren Inflationspfad und erste EZB-Zinserhöhung frühestens 2024

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Inflation-Messung: Mit 79 % spricht sich die große Mehrheit der Investment Professionals für eine Erweiterung des Warenkorbs aus. Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com.

15.04.2021 10:01 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

DVFA - der Berufsverband der Investment Professionals - hat seine Mitglieder zur Entwicklung der Inflationsrate und zur Zinsentwicklung im Euro-Raum und in den USA befragt. Denn die derzeitigen Markteingriffe der internationalen Regierungen und Zentralbanken sind präzedenzlos und die damit einhergehende Verschuldung und die zuletzt exponentiell steigenden Geldmengenaggregate führen aktuell zu höheren Inflationserwartungen. Wie stark kann die Inflationsrate steigen und wie werden die Zentralbanken darauf reagieren?

Erwartete Inflation für die nächsten 5 Jahre bis zu 4 %

Auf die Frage, welche durchschnittliche Inflationsrate sie für die nächsten zwei Jahre erwarten, antwortete die Mehrheit von 55 Prozent einen Anstieg auf 2 bis 4 %. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) erwartet eine Inflationsrate von 0 bis 2 %. Von einem Anstieg der Inflationsrate von mehr als 4 % gehen dagegen nur 4 Prozent der Befragten aus.

Und wie sehen die Investment Professionals die Entwicklung der Inflationsrate auf längere Sicht? Für einen Zeithorizont von fünf Jahren erwartet ebenfalls eine Mehrheit der Befragten (52 %) eine Inflationsrate von 2 bis 4 %. 37 Prozent der Befragten geben 0 bis 2 % an. Nur 8 Prozent gehen von einem Anstieg auf mehr als 4 % aus.

In den Kommentaren wurden auch Gründe genannt, warum die Befragten mit steigender Inflation rechnen. Sie verwiesen neben der Geldmengenausweitung und den Anleihekäufen der EZB auf preistreibende Effekte etwa durch stärkere ESG-Investitionen, einem Rückgang der preisdämpfenden Globalisierung und einen nachlassenden Effekt von Lohnstückkostensenkungen bei Produktion in China.

Erwartungen an die Entwicklung der Inflationsrate. Grafik: DVFA.

Erwartungen an die Entwicklung der Inflationsrate. Grafik: DVFA.

Der aktuelle Warenkorb als Bemessungsgrundlage muss erweitert werden

Der DVFA fragte seine Mitglieder auch, ob der zugrundeliegende Warenkorb für die Messung der Konsumentenpreise erweitert respektive verbreitert werden sollte.

Mit 79 % spricht sich die große Mehrheit der Investment Professionals für eine Erweiterung des Warenkorbs aus. Ausreichend finden ihn 11 % und 10 % geben dazu keine Meinung ab. Die vielen Kommentare der Teilnehmer zeigen, dass Mieten deutlich unterrepräsentiert sind und nach ihrer Auffassung stärker in die Messung der Konsumentenpreise einbezogen werden müssten. Dieses Meinungsbild spiegeln sehr deutlich auch die Kommentare wider, die alle für eine Änderung oder gar eine komplette Überarbeitung des Warenkorbes argumentieren.

Höhere Inflationstoleranz der Zentralbanken

Nach der Reaktionsfunktion der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Notenbank befragt, meinte die überwiegende Mehrheit von 78 %, dass die beiden Zentralbanken gegenwärtig eine höhere Inflationstoleranz als in der Vergangenheit haben. 17 % glauben dies nicht.

Ein Viertel der Mitglieder sieht (überhaupt) keine EZB-Zinserhöhungen mehr!

Auf die Frage, wann die US-Zentralbank die Leitzinsen erhöhen werde, antworteten 52 % der DVFA Investment Professionals, sie rechneten mit einer Zinserhöhung bereits im nahen Zeitfenster in den Jahren 2022/2023. Mehr als ein Drittel erwartet eine Erhöhung dagegen erst in den Jahren 2024/2025. 11 % der Befragten geben keine Einschätzung.

Für den Euro-Raum rechnet eine Mehrheit von 53 % damit, dass die EZB erst 2024/2025 die Zinsen anheben wird, also zwei Jahre nach den Vereinigten Staaten. Lediglich 11 % erwarten eine Erhöhung bereits in den Jahren 2022/2023. Überhaupt keine Erhöhungsperspektive für den Euroraum sehen 26 % der Befragten. Auch bei dieser Frage geben 11 % keine Einschätzung ab.

In den Kommentaren wird mehrfach darauf verwiesen, die EZB müsse Rücksicht auf einige hoch verschuldete Länder im Euro-Raum nehmen und wisse um das Risiko der Verteuerung der Refinanzierungsbasis für die wirtschaftlich schwächeren Länder. Im Vergleich zum Euro-Raum könnten die Vereinigten Staaten dagegen steigende Zinsen besser verkraften.

„Unsere Mitglieder erwarten mehrheitlich in den nächsten 5 Jahren einen höheren Inflationspfad. Gleichzeitig wird die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst darauf aber nicht reagieren, sondern ihre Leitzinsen frühestens 2024 erhöhen. Bemerkenswert - möglicherweise erschreckend - reichlich ein Viertel der Befragten (26%) sieht überhaupt keine EZB-Zinserhöhungen mehr voraus!“, sagt Ingo R. Mainert, stv. Vorstandsvorsitzender des DVFA

Die DVFA Monatsfrage wendet sich an die 1.400 Mitglieder des Verbandes und widmet sich Themen, die in der Finanzbranche diskutiert werden. Die Ergebnisse der Umfrage werden regelmäßig an jedem zweiten Dienstag im Monat veröffentlicht.
Daten zum Wertpapier: EZB

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der DVFA e.V.. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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