BoE: Negativzinsen oder nicht? Vielleicht später – wahrscheinlich besser nicht! - Nord LB

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Die Bank of England hat heute erwartungsgemäß weder Anpassungen an der Bank Rate noch am Quantitative Easing vorgenommen. Bild und Copyright: PHOTOCREO Michal Bednare / shutterstock.com.

04.02.2021 15:15 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Das Monetary Policy Committee der Bank of England hat heute getagt und (einstimmig) erwartungsgemäß beschlossen, die Bank Rate auf dem bisherigen Niveau von 0,10% zu belassen und das Quantitative Easing gemäß des im November angepassten Kaufplans fortzusetzen.

Die BoE hat sich trotz der coronabedingten sowohl konjunkturellen als auch medizinischen Katastrophe im Vereinigten Königreich gegen eine Zinssenkung entschieden. Die Notenbanker betonten aber erneut, dass sie bereit stünden erneut einzugreifen, falls sich die anhaltende ökonomische Krise nochmals verschlimmern würde. Aktuell seien aber die geldpolitischen Maßnahmen „angemessen“, die Aussichten allerdings „ungewöhnlich unsicher“. Die BIP-Wachstumsprognose für 2021 wurde von 7,25% auf 5,0% revidiert. Immerhin konnte das in letzter Minute noch erfolgreich abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ein wohl noch schlimmeres Chaos zu Beginn des neuen Jahres vermeiden helfen.

Die BoE werde sich dennoch unverändert auch in Zukunft mit aller Macht gegen die dämpfenden Effekte für die Konjunktur stemmen. Damit dürften Zinssenkungen perspektivisch also nicht grundsätzlich vom Tisch sein. Allerdings sind größere Bedenken gegen eine Umsetzung von Negativzinsen innerhalb der BoE bekannt. Das wurde erneut in einer unklaren Kommunikation sehr deutlich.

Mit großer Spannung wurde dabei eine Umfrage im Finanzsektor erwartet, welche Folgen Negativzinsen haben könnten. Für Governor Andrew Baileys ist es ein schwieriges Abwägen: Einerseits könnten niedrigere Zinsen der Konjunktur helfen, andererseits implizieren Negativzinsen einen erhöhten Stressfaktor für das Bankensystem. Letztlich wurde die (im Grunde zu erwartende) Quintessenz gezogen, dass Negativzinsen zwar im Fall einer sich weiter verdüsternden Konjunktur ein Mittel der Wahl sein könnten, sie aber für Banken belastend wären. Die BoE bedient sich dabei eines gewissen Bluffs, jederzeit noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben (ohne es aber eigentlich einsetzen zu wollen). Folglich bleiben Anpassungen der Aufkaufprogramme derzeit (und wohl auch in den nächsten sechs Monaten) praktisch die entscheidenden Mittel der Wahl.

Auf eine weitere wichtige Veröffentlichung wird in der kommenden Woche zu achten sein: Wie hat die britische Wirtschaft das Jahr 2020 beendet? Am kommenden Mittwoch sind alle Augen auf das BIP-Wachstum gerichtet. Nach einem Zick-Zack Kurs von -18,8% Q/Q und +16,0% Q/Q (nicht ann.!) im II. bzw. III. Quartal könnte im IV. Quartal erneut ein Rückgang zu beklagen sein. Die Impfkampagne gilt es zu beschleunigen. Immerhin ist bereits knapp 1/6 der Bevölkerung geimpft worden – bei knapp 4 Mio. Infizierten. Damit ist auf sukzessive Lockerungen beim Lockdown zu hoffen.

Fazit: Die Bank of England hat heute erwartungsgemäß weder Anpassungen an der Bank Rate noch am Quantitative Easing vorgenommen. Die Notenbank stünde aber bereit, erneut einzugreifen, falls sich die ökonomische Krise nochmals verschlimmern würde. Aktuell seien die geldpolitischen Maßnahmen „angemessen“, die Aussichten aber „ungewöhnlich unsicher“. Zu Negativzinsen ergab sich die (erwartete) Quintessenz, dass diese zwar im Fall einer sich weiter verdüsternden Konjunktur ein Mittel der Wahl sein könnten, sie aber für Banken eine Belastung darstellten und demnach nicht unmittelbar bevorstünden. Die BoE bedient sich dabei eines Bluffs, noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben (ohne es aber einsetzen zu wollen). Folglich bleiben die Anpassungen der Aufkaufprogramme derzeit in der Praxis die entscheidenden Mittel der Wahl. Ein zügiges Durchimpfen von bereits knapp 1/6 der Bevölkerung und ein (langsamer) Rückgang der Zahl der Neuinfizierten lassen Hoffnungen auf baldige Lockerungen beim Lockdown und eine konjunkturelle Stabilisierung aufkeimen. Motto: Aktuell ist alles schlimmer, ab dem II. Quartal alles besser!

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