USA: Rettungspaket hat in dieser Form wenig Chancen auf Erfolg - VP Bank Kolumne


15.01.2021 09:46 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Es geht um viel Geld – sehr viel sogar. Joe Biden präsentierte sein grossvolumiges Rettungspaket für die US-Wirtschaft. Es geht um insgesamt USD 1.9 Billionen. Unter anderem geht es um:

  • USD 1400 Direktzahlungen an US-Privathaushalte
  • Die zusätzliche Arbeitslosenversicherung soll von derzeit USD 300 auf USD 400 Dollar pro Woche erhöht und obendrein bis September verlängert werden.
  • USD 415 Mrd. sollen für den Kampf gegen das Virus und für die Impfkampagne mobilisiert werden
  • USD 440 Mrd. sollen an kleinere Unternehmen und Kommunen fliessen, die besonders von der Pandemie betroffen sind
  • Der Mindestlohn soll auf USD15 steigen


Joe Biden erkennt, dass die US-Bevölkerung unter der Pandemie leidet. Während in Europa grossflächig Kurzarbeitergeld gezahlt wird, sind solche Massnahmen in den USA unbekannt. Die liberale Arbeitsmarktgesetzgebung führt dazu, dass die USA derzeit ein riesiges Heer an Arbeitslosen ausweist. Ausserhalb des Landwirtschaftssektors sind seit Ausbruch der Pandemie noch immer knapp 10 Millionen Stellen weniger zu verbuchen.

Dass das Rettungspaket in der vorgestellten Grösse umgesetzt wird, ist aber unwahrscheinlich. Zwar verfügt Joe Biden mit seinen Demokraten über eine Mehrheit im Kongress, doch diese ist nicht immer ausreichend. Vor allem im Senat ist die Ausgangssituation keine einfache.

Bei einigen Gesetzen braucht es eine Mehrheit von 60 von 100 Senatssitzen. Dies wäre auch teilweise bei den von Joe Biden geplanten Massnahmen der Fall. Zwar könnten die Demokraten den Weg der sogenannten „reconciliation“ wählen. Dabei verabschieden Senat und Repräsentantenhaus eine gemeinsame Resolution mit einfacher Mehrheit. Allerdings nimmt dies mehr Zeit in Anspruch und fraglich ist, ob dieser Prozess tatsächlich auf alle Teilvorhaben des Hilfsplans anwendbar ist. Vor allem die Hilfen auf lokaler Ebene oder auch auf Ebene der Bundesstaaten dürften wohl weiterhin 60 Senatsstimmen erforderlich machen. Die erweiterten Zahlungen für Arbeitslose oder auch die Erhöhung des Mindestlohns dürfte hingegen mit einfacher Mehrheit im US-Kongress machbar sein.

Es sollte auch berücksichtigt werden, dass einige demokratische Senatoren über die Parteigrenzen hinaus um eine Konsensbildung mit den Republikanern bemüht sind. Es ist also in Anbetracht der Grösse des Programms alles andere alles sicher, dass Joe Biden überhaupt sämtliche demokratische Senatoren hinter sich scharen kann. Vermutlich wird es zu weiteren Hilfen kommen, aber nicht in diesem Ausmass. Es ist also unwahrscheinlich, dass der Biden-Rettungsplan exakt so wie präsentiert auch verabschiedet wird.

Die nur mangelnde Aussicht auf Erfolg dürfte auch der Grund sein, warum man die Pläne von Joe Biden an den Finanzmärkten nüchtern aufnimmt. Darüber hinaus dürfte auch ein anderer Punkt an den Finanzmärkten skeptisch beäugt werden. Die Hilfszahlungen fokussieren sich bislang auf die konsumtive Seite. Aus Sicht der Finanzmärkte ist aber die Seite der Investitionen die interessantere. Joe Biden wird auch hier schon bald seine konkreten Pläne vorstellen. Die Beurteilung der Investitionspläne wird dann wohl grössere Kursreaktionen nach sich ziehen.
Daten zum Wertpapier: Konjunktur

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der VP Bank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
(Werbung)
Günstig Aktien handeln!
4investors auf: Twitter | YouTube | Google News | Facebook

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Konjunktur

05.03.2021 - Deutschland: Auftragseingänge sorgen für Zuversicht - VP Bank
02.03.2021 - Einzelhandelsumsätze Deutschland: Zurück auf Los - DWS
02.03.2021 - Deutschland: Arbeitsmarkt schlägt sich weiterhin wacker - VP Bank
01.03.2021 - China: Stimmung der Unternehmen (wohl nur) durch Neujahrsfest belastet! - Nord LB
24.02.2021 - Covid-19 Pandemie: Eindämmungsmassnahmen belasten privaten Konsum massiv - VP Bank
24.02.2021 - Brasilien das neue Venezuela? - Commerzbank Kolumne
23.02.2021 - Am Morgen: Continental, SAF Holland und Kühne+Nagel im Fokus - Nord LB Kolumne
22.02.2021 - ifo Geschäftsklima: Deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz Lockdown robust - Nord LB
22.02.2021 - ifo-Geschäftsklimaindex: Trotz Verbesserung in der Grauzone - VP Bank
18.02.2021 - MSCI Brasilien-Index weist im Januar 2021 eine Underperformance aus - Commerzbank Kolumne
17.02.2021 - US-Einzelhandelsumsätze: Eine Bevölkerung im Konsumrausch! - Nord LB
16.02.2021 - ZEW-Konjunkturerwartungen: Optimismus der Finanzexperten ungebrochen - Nord LB
12.02.2021 - Rally beim Platinpreis - Commerzbank Kolumne
09.02.2021 - Gute Auftragslage: Produzierendes Gewerbe in Deutschland bleibt Stütze der Konjunktur - Commerzbank Kolumne
09.02.2021 - Deutschland: Exporte setzen ihre Positivserie fort - VP Bank
07.02.2021 - Wachstumsstrategien für Unternehmen – Wettbewerbsfähigkeit in disruptiven Zeiten sichern
05.02.2021 - Deutschland: Auftragseingänge beenden ihre positive Serie - VP Bank
05.02.2021 - Aktienmarkt Türkei: Leichte Gewinnmitnahmen nach sehr starkem Dezember - Commerzbank
01.02.2021 - Deutschland: Einzelhandelsumsätze ziehen im Gesamtjahr 2020 deutlich an - VP Bank Kolumne
30.01.2021 - Bruttoinlandsprodukt Deutschland viertes Quartal: robuster als erwartet - DWS

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.