4investors > Börsen-News > Nachrichten und Analysen > Britisches Pfund - Währung

UK: Covid-19 und der Brexit führen zu Belastungen der Wirtschaft - Nord LB Kolumne

Bild und Copyright: PHOTOCREO Michal Bednare / shutterstock.com.

Der „Last-Minute-Deal“ mit der EU verhindert zwar zumindest unnötige Belastungen durch den Brexit, dennoch existiert nun eine neue Zollgrenze, die zweifellos zu mehr Bürokratie führt. Bild und Copyright: PHOTOCREO Michal Bednare / shutterstock.com.

11.01.2021 15:27 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Das Vereinigte Königreich leidet aktuell sehr stark unter der Coronavirus-Krise. Das Gesundheitssystem des Landes stößt an seine Grenzen. Entsprechend wurde für England inzwischen ein sehr harter Lockdown verhängt, der das tägliche Leben deutlich beeinflusst und die Wirtschaft des Landes daher auch weiter belasten sollte.

Die extrem schwierige Covid-19-Lage im Vereinigten Königreich, die scharfe Maßnahmen im Kampf gegen das Virus erforderlich gemacht hat, dürfte unserer Auffassung nach ein wichtiger Faktor gewesen sein, der die britische Politik im Dezember bei der Findung einer Brexit-Lösung unter Handlungsdruck gesetzt hat. Mit einem noch größeren No-Deal-Chaos zum Start des Jahres wäre sonst die grundsätzlich weiterhin zu erwartende Gegenbewegung bei der Wirtschaftsaktivität im Vereinigten Königreich sicherlich komplett ausgeblieben. Insofern stand man unter einem gewissen Zwang, der EU bei den Fischereirechten stärker entgegenzukommen, als mancher Politiker in London wohl eigentlich gewollt hatte. Durch den Deal konnten immerhin zusätzliche Belastungen durch Zölle und Mengenbegrenzungen im Handel mit der EU vermieden werden. Großbritannien hat aber zum 31.12.2020 den gemeinsamen Binnenmarkt verlassen und es existiert damit seit dem 1.1.2021 eine neue Zollgrenze. Insofern sind – auch wenn es prinzipiell keine Zölle für Waren gibt – Zoll- und Zertifikatskontrollen nötig geworden. Zollfrei sind dabei jedoch nur jene Güter, die den jeweiligen Ursprungsregeln genügen. Die damit nun grundsätzlich notwendigen Zollformalitäten im Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU führen ohne jeden Zweifel zu einem erhöhten Aufwand – und damit auch zu Kosten für die an der Lieferung der Waren beteiligten Unternehmen. Mit Blick auf die Ursprungsregeln steckt der Teufel zudem durchaus im Detail. Weiterhin werden dort Zölle fällig, wo Güter zunächst importiert und dann sofort wieder exportiert werden sollen. Zudem sind Spielregeln vereinbart worden, die gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherstellen sollen, was es London beispielsweise erlaubt, eigene Standards in Fragen des Arbeitsrechts einzuführen. Ein Schiedsgericht kann beiden Seiten aber spezifische Zölle als Ausgleich zur Sicherstellung des fairen Wettbewerbs erlauben. Daher existieren nun neue bürokratische Prozesse, auf die sich die Wirtschaft erst einstellen muss.

Weiterhin gibt es mit dem Nordirland-Protokoll eine Sonderregelung, die eine „harte“ Grenze mit der Republik Irland verhindert hat. Auch diese Regelung schafft aber Probleme, da inländische Lieferungen in diesen Teil des Vereinigten Königreiches nun anders behandelt werden müssen als beispielsweise der Warenverkehr zwischen England und Wales oder England und Schottland. In vielen britischen Firmen ist man sich aktuell noch nicht sicher, wie mit den neuen Formalitäten umgegangen werden soll. Insofern verwundern die Presseberichte über Lieferengpässe in nordirischen Supermärkten eigentlich nicht. Auch wenn es sich hierbei wohl zunächst vor allem um ein „Ruckeln“ beim Start in eine neue und veränderte Zukunft handelt, wird der Aufwand für die britischen Firmen auch perspektivisch erhöht bleiben. Insofern ist die Forderung nordirischer Wirtschaftsverbände nach weiteren Gesprächen zwischen London und Brüssel und nach mehr Klarheit durch die britischen Behörden keine Überraschung.

Fazit: Die britische Wirtschaft leidet derzeit stark unter dem neuen Coronavirus. Der „Last-Minute-Deal“ mit der EU verhindert zwar zumindest unnötige Belastungen durch den Brexit, dennoch existiert nun eine neue Zollgrenze, die zweifellos zu mehr Bürokratie führt. Auch dies ist ein Problem für die britische Wirtschaft. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Revision unserer UK-Wachstumsprognose nach unten.

Daten zum Wertpapier: Britisches Pfund - Währung
Chartanalyse-Tools: hier klicken!
Ticker-Symbol: EURGBP
WKN: 965308
ISIN: EU0009653088

Britisches Pfund - Währung - Jetzt traden auf: flatexflatex - Scalable CapitalScalable Capital - SmartbrokerSmartbroker - Trade RepublicTrade Republic
Tipp: Besser traden und investieren mit TradingView-Charts
4investors auf: Twitter | YouTube | Google News | Facebook
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Britisches Pfund - Währung

04.02.2021 - BoE: Negativzinsen oder nicht? Vielleicht später – wahrscheinlich besser nicht! - Nord LB
06.01.2021 - Harter Brexit vermieden: Freihandelsabkommen in letzter Minute - Commerzbank Kolumne
28.12.2020 - Brexit: EU und Grossbritannien einigen sich auf ein Folgeabkommen - VP Bank Kolumne
10.12.2020 - Brexit: Einigen? Warum denn jetzt schon! - VB Bank Kolumne
05.11.2020 - Bank of England: Die Notenbank stemmt sich mit QE gegen die Krise - Nord LB Kolumne
01.10.2020 - EU kontert dem britischen Binnenmarktgesetz: Pfund unter Druck - VP Bank Kolumne
17.09.2020 - No-Deal-Brexit = Negativzinsen in 2021? - Nord LB Kolumne
19.03.2020 - Bank of England senkt nochmal die Zinsen und weitet Ankäufe aus - Nord LB Kolumne
11.03.2020 - Notenbanken eilen zu Hilfe: Jetzt auch die Bank von England - VP Bank Kolumne
11.03.2020 - BoE senkt als Notfallmaßnahme den Leitzins und stemmt sich gegen Corona - Nord LB Kolumne
02.02.2020 - Brexit: Die eigentliche Arbeit steht erst noch bevor - Vontobel-Kolumne
29.01.2020 - Brexit - Großbritannien: Time to say goodbye - VP Bank Kolumne
13.12.2019 - Johnson gewinnt Unterhauswahl, Großbritannien stimmt ein zweites Mal für den Brexit - Nord LB Kolumne
19.11.2019 - EUR/GBP im Sinkflug: Brexit weiterhin ungeklärt - Donner & Reuschel Kolumne
29.10.2019 - Brexit: Briten werden erneut zur Urne gerufen - VP Bank Kolumne
21.10.2019 - Britisches Parlament verschiebt Brexit-Showdown - VP Bank Kolumne
19.09.2019 - Bank of England wartet weiter ab und warnt erneut vor Brexit Folgen - Nord LB Kolumne
09.09.2019 - Britisches Pfund - BREXIT-Chaos: Boris Johnson pokert hoch - Donner & Reuschel Kolumne
04.09.2019 - Pfund reagiert positiv auf mögliche Brexit-Verschiebung - VP Bank Kolumne
29.08.2019 - Brexit: Johnson schickt Parlament in Zwangspause - VP Bank Kolumne

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.