Grenke muss sich Kritik von den Sonderprüfern gefallen lassen - Aktie zunächst stark im Plus, dann unter Druck

Grenkes Firmenzentrale in Baden-Baden: Sonderprüfer stellen sich im Konflikt des Unternehmens mit Viceroy nur zum Teil auf die Seite der Gesellschaft und üben zugleich Kritik. Bild und Copyright: Grenke.

Grenkes Firmenzentrale in Baden-Baden: Sonderprüfer stellen sich im Konflikt des Unternehmens mit Viceroy nur zum Teil auf die Seite der Gesellschaft und üben zugleich Kritik. Bild und Copyright: Grenke.

16.12.2020 16:10 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter auf Twitter 

Nach einigen turbulenten Wochen mit Enthüllungen und Vorwürfen von Viceroy Research gegen Grenke war es zuletzt deutlich ruhiger um das Unternehmen aus Baden-Baden geworden. Doch ausgeräumt sind einige der Viceroy-Vorwürfe bis heute nicht, insbesondere was die Aktivitäten im Franchisegeschäft der Leasing-Sparte angeht. Hier wurde dem Unternehmen und dessen Gründer, Großaktionär und langjährigen Vorstandschef Wolfgang Grenke Vorteilsnahme zulasten der Aktionäre vorgeworfen.

Ergebnisse einer Untersuchung der eigens vom Unternehmen beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) können die Vorwürfe - wir berichteten in den letzten Monaten ausführlich - nun zum Teil entkräften, wie eine heute von Grenke veröffentlichte Mitteilung zeigt. So sei WKGT zu dem abschließenden Ergebnis gekommen, „dass die bisherigen 17 Franchise-Übernahmen gesamthaft für die GRENKE AG als positiv bezeichnet werden können”, heißt es. Grenke weiter: „Zusammengefasst liegen laut WKGT die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft betrachteten Renditen zu den Franchise-Übernahmen im Rahmen von Ergebniserwartungen, die eine Investition in Beteiligungen rechtfertigen”.

Allerdings gibt es neben diversen den Konzern entlastenden Ergebnissen auch unschöne Auffälligkeiten. So sind den Prüfern im Franchise-Bereich kaufpreiserhöhende Abweichungen von der ursprünglich vereinbarten grundsätzlichen Bewertungsmethodik in Höhe von 15,1 Millionen Euro aufgefallen. Mit 9,2 Millionen Euro macht hier ein Portugal-Deal den Löwenanteil aus. Grenke begründet dies mit damals getroffenen strategischen Überlegungen und Expansionsabsichten nach Brasilien - ob das plausibel war, ist offen. WGKT bezeichnet die Abweichungen als nicht unerheblich, zugleich sollen diese aber im Rahmen üblicher Unschärfen bei der Bewertung von Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase liegen, wie das Unternehmen mitteilt. Zudem sei der Konzern bei einzelnen Transaktionen von den sonst im M&A-Bereich üblichen Praktiken abgewichen.


Auch bei der Zusammenarbeit von Grenke mit der umstrittenen CTP Handels- und Beteiligungs GmbH stellen sich die Prüfer nicht komplett auf die Seite des MDAX-notierten Leasing-Konzerns. Es sei nur zum Teil nachvollziehbar, weshalb Grenke ausschließlich mit CTP zusammengearbeitet habe, so das Fazit der Prüfer. Pikant: Die Rolle der CTP und deren personelle Verflechtungen waren zentralen Punkte bei den Vorwürfen der Vorteilsnahme zu Lasten der Grenke-Aktionäre.

Andere Fragen bleiben bisher ungeklärt: „Nach Abschluss der Prüfungshandlungen zur Vorteilhaftigkeit und Marktüblichkeit setzt WKGT jetzt die Recherche zu personellen und gesellschaftsrechtlichen Beziehungen in Bezug auf die Eigentümerstrukturen der erworbenen Gesellschaften fort. Der Vorstand beauftragte WKGT zudem mit der Bewertung der zum Erwerb anstehenden Franchisegesellschaften”, so Grenke.


Ähnlich zeigt sich das Bild bisheriger Zwischenergebnisse von KPMG, die ebenfalls von Grenke mit der Prüfung diverser Vorwürfe beauftragt wurde. Zu einer Reihe von Viceroy-Aussagen haben die Prüfer bisher keine Bestätigungen gefunden - so zum Beispiel dem Leasiggeschäft: „KPMG konnte im Rahmen ihrer Überprüfungen bisher keine Anhaltspunkte feststellen, die vermuten lassen, dass das Leasinggeschäft nicht existiert”, meldet Grenke. Zudem habe KPMG „über keine Anhaltspunkte berichtet, die darauf schließen lassen, dass Vertriebspartner bzw. Fachhandelspartner, mit denen Grenke im Leasing zusammenarbeitet, nicht existieren”.

Auch für den geäußerten Geldwäsche-Vorwurf sieht KPMG bisher keine Belege. Allerdings haben die Prüfer den Angaben zufolge wesentliche Beanstandungen in Zusammenhang mit der Angemessenheit der organisatorischen Geldwäscheprävention formuliert. Hier gibt es bisher offenbar Schwachstellen, die Grenke nun beseitigen will.

Derweil dauern die Sonderprüfungen Grenkes nach § 44 KWG sowie des Konzernabschlusses 2019 durch die BaFin weiter an. Auch personelle Verflechtungen Wolfgang Grenkes in dem Themenkomplex sind weiter ein Thema und werden von den Prüfern untersucht. Beendet ist der Konflik nicht, geschweige denn grenke völlig entlastet.

Interessant: Nach einer zunächst sehr positiven Reaktion der Börse auf die Nachrichten, Grenkes Aktienkurs sprang auf 40,92 Euro, notiert der MDAX-Wert mittlerweile nur noch bei 39,02 Euro und der Kursgewinn ist auf 3,23 Prozent zusammen geschmolzen. Damit notiert das Papier weiter deutlich unter den Kursen, die zu sehen waren, bevor Viceroy Research den ersten Report zu Grenke veröffentlichte.
Daten zum Wertpapier: Grenke AG
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WKN: A161N3
ISIN: DE000A161N30

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DGAP-Adhoc: GRENKE AG: GRENKE informiert über die gutachtliche Stellungnahme durch Warth & Klein Grant Thornton und den aktuellen Kenntnisstand der GRENKE AG aus der gesonderten Prüfung durch KPMG




DGAP-Ad-hoc: GRENKE AG / Schlagwort(e): Sonstiges

GRENKE AG: GRENKE informiert über die gutachtliche Stellungnahme durch Warth & Klein Grant Thornton und den aktuellen Kenntnisstand der GRENKE AG aus der gesonderten Prüfung durch KPMG
16.12.2020 / 15:22 CET/CEST

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