EZB verlängert die Anleihekäufe und schließt weitere Zinssenkungen nicht aus - Commerzbank Kolumne

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Die EZB zielt mit den Erweiterungen ihrer Instrumente darauf ab, dass die Finanzierungsbedingungen im Euroraum günstig bleiben. Bild und Copyright: nitpicker / shutterstock.com.

11.12.2020 09:07 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Wie in der letzten Ratssitzung avisiert, kündigte die EZB ein weiteres umfangreiches Lockerungspaket an. Als Grund dafür führte EZB-Chefin Lagarde an, dass die Corona-Belastungen für Wirtschaft und Inflation größer seien, als bisher erwartet. Die Risiken für die Wirtschaft blieben abwärtsgerichtet. Die EZB geht nur noch von einem Wachstum von 3,9% im nächsten Jahr aus, bisher waren es noch 5,0%. In ihren neuen Projektionen senkt die EZB auch ihre Inflationsprojektionen leicht. Zugleich zeigte sich Lagarde aber zuversichtlich, dass bis Ende 2021 durch Impfungen eine Herdenimmunität erreicht sei.

Die EZB zielt mit den Erweiterungen ihrer Instrumente darauf ab, dass die Finanzierungsbedingungen im Euroraum günstig bleiben. Wie erwartet, erhöhte sie das Volumen der Anleihekäufe des Corona-Hilfsprogramms „PEPP“ um 500 Mrd. Euro auf jetzt 1,85 Bio. Euro. Die Laufzeit wird dafür um neun Monate bis März 2022 verlängert. Die ausgelaufenen Anleihen sollen bis mindestens Ende 2023 vollständig reinvestiert werden. Seit Ausbruch der Pandemie entsprechen die Nettokäufe an Staatsanleihen durch die EZB in etwa den Netto-Anleiheemissionen der Euro-Staaten. Mit anderen Worten: Die EZB hat quasi die gesamten Haushaltsdefizite finanziert. Sie wird ihre monatlichen Käufe aber nicht erhöhen, sondern nur verlängern. Nächstes Jahr werden zudem die Konditionen der zielgerichteten Langfristtender (TLTROs) verbessert und bis Juni 2022 verlängert. Die EZB versorgt Geschäftsbanken mit weiteren besonders günstigen Langfristkrediten (PELTROs).

Die Märkte reagierten verschnupft auf die Maßnahmen. So stiegen die Bundrenditen etwas an, der Dax brach zwischenzeitlich ein und der Euro wertete auf. Der Euro wird von der EZB sehr genau beobachtet und war gestern kein großes Thema. Die EZB sei auch bereit, die Instrumente, falls nötig, anzupassen. Eine Zinssenkung bleibt eine mögliche Option.

Anleihen


Italien: Industrieproduktion (Okt.), 10:00 Uhr
USA: Erzeugerpreise (Nov.), 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen Michigan (Dez.), 16:00 Uhr

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik als Reaktion auf die zweite Infektionswelle angepasst. Mit der zweiten Welle hat sich der konjunkturelle Ausblick gegenüber den ursprünglichen Projektionen eingetrübt. Um die Wirtschaft stärker zu unterstützen, wird die EZB u.a. neue Langfristtender auflegen und noch mehr und noch länger Anleihen am Rentenmarkt aufkaufen (vgl. „Im Blickpunkt“). Frau Lagarde hat schon seit Monaten eine „Rekalibrierung“ der Geldpolitik im Rahmen der Dezembersitzung angekündigt. Die Entscheidung ist jedoch eher eine Feinadjustierung und weniger eine „Neuausrichtung“. Am Rentenmarkt waren die Renditen von Bundesanleihen gestern Vormittag noch rückläufig – stiegen aber nach Bekanntgabe der Entscheidung wieder an. Die Maßnahmen der EZB waren so auch weitgehend erwartet wurden, der leichte Renditeanstieg deutet an, dass mancher etwas mehr erwartet hatte. Seit Ausbruch der Pandemie entsprechen die Nettokäufe an Staatsanleihen durch die EZB den Netto-Anleiheemissionen der Euro-Staaten. Mit anderen Worten: Die EZB hat faktisch die gesamten Haushaltsdefizite finanziert. In Brüssel wurde in den Verhandlungen ein Kompromiss mit Polen und Ungarn erreicht, der den Weg frei macht für den 750 Mrd. schweren Wiederaufbaufonds. In den USA ist der Preisdruck zwar weiterhin niedrig. Der monatliche Anstieg der Gesamtrate – aber auch der Kernrate – war mit +0,2% höher als im Vormonat (+0,0%) und höher als erwartet (+0,1%). Der wöchentliche Arbeitsmarktbericht zeigte einen Anstieg der Bezieher von Arbeitslosengeld. Die Zahl der Neuanträge war in der Woche zum 5. Dezember mit 853.000 höher als in der Vorwoche (716.000). Das Tempo, mit dem Stellen geschaffen werden, nimmt daher weiter ab.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Aktienmärkte tendierten am gestrigen Handelstag uneinheitlich, wobei sich die Indexveränderungen zumeist in engen Grenzen hielten. Die ruhigere Gangart an den Märkten verwundert nicht; schließlich war der November 2020 der historisch beste Monat für die globalen Aktienmärkte gewesen! Der Dax gab gestern um 0,3% nach. Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank brachten keine neuen Impulse für die Aktienmärkte. Die Ausweitung der expansiven Geldpolitik hatten die Börsen bereits weitgehend eingepreist. Zudem drückt eine unverändert hohe Anzahl an Covid19-Neuinfektionen auf die Stimmung der Börsianer. Mögliche weitere Lockdowns mit entsprechend negativen Folgen für die Konjunktur könnten die Folge sein. Nicht zuletzt schwelt weiterhin der Streit über den Brexit. Im deutschen Leitindex setzten gestern die Aktien von Covestro und BASF ihren jüngsten Höhenflug fort. Tagesgewinner war die Aktie von Delivery Hero (+3%). Automobilwerte standen hingegen etwas unter Abgabedruck. Auf europäischer Sektorenebene waren gestern vor allem Energiewerte gefragt, die im Schnitt um 1,5% stiegen. Bankwerte hielten dagegen mit durchschnittlichen Verlusten von 2,1% die rote Laterne. Die Börsen in den USA tendierten uneinheitlich. Während der Dow Jones-Index um 0,2% nachgab, stieg der Nasdaq CompositeIndex um 0,5%. Die Hoffnung auf ein weiteres Konjunkturpaket stützte die Kurse. Die Aktie von AirBnB stieg bei ihrem Börsendebüt um mehr als 100% und ist damit mehr als 100 Mrd. USD wert. Wie in Europa waren auf Sektorenebene insbesondere Energiewerte gefragt, die im Schnitt um 2,9% kletterten. Industrieaktien gaben als Tagesverlierer um durchschnittlich 0,9% nach. Die Börsen in Asien tendierten uneinheitlich, es gab insgesamt wenig neue Impulse. Wir wünschen Ihnen ein schönes drittes Adventswochenende. Bleiben Sie bitte gesund.
Daten zum Wertpapier: EZB

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Die Bauwirtschaft trotzt weiter der Corona-Krise: In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,4%. Auch die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 1,5%. Das Dt. Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wird zuversichtlicher: Das BIP werde 2021 dank steigender Exporte und Konsumausgaben um 5,3% (bisher: +4,1%) wachsen, so die Prognose. Das Wachstum soll sich 2022 auf 2,6% halbieren. Für das laufende Jahr rechnet das DIW nur noch mit einem Einbruch von 5,1 (bislang: -6,0%). Aber: Sollte die Corona-Krise länger andauern und eine Erholung im Frühjahr ausbleiben, könne das Wachstum auch um 1,5% niedriger ausfallen, hieß es. Der Geldregen wird noch stärker: Die EZB hat auf ihrer Sitzung wie erwartet ein neues Maßnahmenbündel beschlossen. Mit der zeitlichen und volumenmäßigen Ausweitung des PEPP, der Neukalibrierung der TLTROs und weiteren ergänzenden Maßnahmen werden die erprobten Krisenmaßnahmen ... diese News weiterlesen!

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