EZB beschließt Maßnahmenpaket: Corona-Kriseninstrumente deutlich verlängert - Nord LB Kolumne

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10.12.2020 18:39 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Europäische Zentralbank hat heute die geldpolitische Ausrichtung weiter gelockert und ein breites Maßnahmenbündel beschlossen, das im Großen und Ganzen den Erwartungen entspricht. Dies gilt insbesondere für die Parameter des Anleihekaufprogramms Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). So hat die EZB das Ankaufvolumen um weitere EUR 500 Mrd. auf EUR 1.850 Mrd. erhöht. Zugleich wurde die Mindestlaufzeit des PEPP um weitere neun Monate bis Ende März 2022 verlängert.

Diese zeitliche Ausdehnung ist sicher ein Kompromiss zwischen den zuvor diskutierten Varianten einer Verlängerung um sechs bis zwölf Monate. Allerdings ermöglicht dies dem EZB-Rat auch, eine etwaige weitere explizite Verlängerung im Spätsommer auf Grundlage der bis dahin erzielten Fortschritte der bevorstehenden Impfkampagnen zu diskutieren. Eine weitere Verlängerung ist somit nicht ausgemacht, worauf auch der Hinweis der EZB hindeutet, dass das Gesamtvolumen nicht zwingend ausgeschöpft werden muss. Allerdings hält sich der Rat auch die Möglichkeit einer weiteren Ausweitung explizit offen.

Die Tilgungsbeträge bei Fälligkeit von im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere sollen zudem mindestens bis Ende 2023 wieder angelegt werden und auch danach soll durch die Portfolioentwicklung eine Beeinträchtigung des angestrebten geldpolitischen Kurses vermieden werden. Letztlich bestätigt die EZB damit nur, was inzwischen von vielen Analysten erwartet wird. Das PEPP-Portfolio wird auch lange Zeit nach dem Ende der Pandemie nicht nennenswert reduziert werden, sondern als Krisenfolge langfristig auf der Notenbankbilanz verbleiben.

Zur Verbesserung der Finanzierungsbedingungen, gerade nach den durchwachsenen Signalen vom Bank Lending Survey, hat die EZB zudem wie erwartet die Parameter der TLTROs angepasst. Insbesondere die Neuauflage von drei TLTRO-Geschäften von Juni bis Dezember 2021 und die Verlängerung der außerordentlich günstigen Konditionen um weitere zwölf Monate sollen die Anreize für eine auskömmliche Kreditvergabe verstärken. Auch wurde der Höchstbetrag leicht nach oben angepasst.

Ergänzt wird das heute beschlossene Maßnahmenpaket durch eine Verlängerung der lockereren Sicherheitenanforderungen, vier neue PELTROs und eine Verlängerung von Swap- und Repo-Linien mit anderen Zentralbanken. Änderungen für das APP wurden auf der heutigen Sitzung hingegen nicht beschlossen und auch die Leitzinsen blieben unverändert. Der Hauptrefinanzierungssatz verharrt somit bei 0,00% und der Satz der Einlagefazilität bei -0,50%. Die jüngste Aufwertung des Euro hatte vereinzelt Spekulationen über eine mögliche Leitzinssenkung aufkommen lassen. Dass dieses Instrument für 2021 nicht völlig vom Tisch ist, belegt die offensive Adressierung der Wirkung des Wechselkurses auf die Inflationsentwicklung im Statement. Dies verstärkt den ohnehin in der Forward Guidance formulierten Easing Bias für die Leitzinsen. Gleichwohl dürfte die EZB dieses Instrument nur im Notfall anwenden.

Die Krisenmaßnahmen der EZB bleiben deutlich länger aktiv, was angesichts der Belastungen durch die zweite Infektionswelle als angemessen erscheint. Die heute veröffentlichten Wachstums- und Inflationsprojektionen wurden entsprechend angepasst. Eine Beschleunigung des expansiven Kurses stellen die heutigen Beschlüsse hingegen kaum dar. Die EZB bleibt sich treu und unternimmt, was zur Krisenbewältigung notwendig ist. Ein expansives Feuerwerk stellen die Beschlüsse aber nicht dar.

Fazit: Die EZB hat auf ihrer heutigen Sitzung wie erwartet ein neues Maßnahmenbündel beschlossen. Mit der zeitlichen und volumenmäßigen Ausweitung des PEPP, der Neukalibrierung der TLTROs und weiteren ergänzenden Maßnahmen werden die erprobten Krisenmaßnahmen zeitlich deutlich verlängert. Damit begegnet sie den Belastungen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung infolge der zweiten Infektionswelle. Die EZB stemmt sich gegen die Krise und signalisiert, dass sich hieran während der Pandemie auch nichts ändern wird. Eine Beschleunigung des expansiven Kurses erachten die Währungshüter aber offenbar auch nicht als geboten. Die Marktreaktionen hielten sich dementsprechend in Grenzen.

Daten zum Wertpapier: EZB

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