Impfstoff-News könnten die Risikoneigung der Anleger erneut beflügeln - Börse München Kolumne

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Hoffnung gibt es auch weiterhin in Hinblick auf eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU auf ein Abkommen für die Zeit nach dem Brexit.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Hoffnung gibt es auch weiterhin in Hinblick auf eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU auf ein Abkommen für die Zeit nach dem Brexit.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

30.11.2020 09:13 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Risikofreude an einem Tag, Vorsicht an anderen: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche erneut zugelegt. Dabei zeigten sich die Anleger vor allem am Dienstag recht risikofreudig, während die übrige Handelswoche in weiten Teilen von Zurückhaltung geprägt war. Für Auftrieb sorgten einige besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA und Deutschland sowie gute Vorgaben von den US-Aktienmärkten. Deren feiertagsbedingte Schließung am Donnerstag war wiederum einer der Gründe für den lustlosen Handel an diesem Tag hierzulande. Daneben drückte aber auch das Thema Corona immer wieder auf die Stimmung. Denn obwohl zunehmend positive Nachrichten hinsichtlich der Impfstoff-Entwicklung und -zulassung kommen, die Sorgen vor den Folgen der weiter hohen Infektionszahlen beziehungsweise den möglichen Auswirkungen der Gegenmaßnahmen auf die Wirtschaft hielten an.

Der deutsche Aktienindex (Dax) stieg im Wochenvergleich um 1,5 Prozent auf 13.335,68 Punkte. Größte Wochengewinner im Index waren die Titel von Infineon, der Halbleiterhersteller profitierte unter anderem von der allgemeinen Beliebtheit von Technologietiteln. Der MDax legte um 1,3 Prozent auf 29.374,63 Zähler zu. Der Indexwert Airbus weitetet sein Kursplus aus der Vorwoche aus und markierte im Wochenverlauf sogar seinen höchsten Stand seit März dieses Jahres. Der TecDax gewann im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 3.128,52 Punkte. Der m:access All-Share verbesserte sich dagegen nur minimal um 0,1 Prozent auf 2.749,17 Zähler.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche in engen Grenzen geschwankt und sich letztlich kaum verändert. Während die zeitweilig gestiegene Risikoneigung der Anleger die Bundespapiere belastete, sorgten einige schwächer ausgefallene Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum für Auftrieb. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe lag zu Ende der Handelswoche gegenüber ihrem Vorwochenschlussstand unverändert bei -0,59 Prozent. Die Umlaufrendite reduzierte sich leicht von -0,58 auf -0,59 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen, aufgrund von Thanksgiving verkürzten Handelswoche Gewinne verzeichnet. Dabei stieg der Dow-Jones-Index am Dienstag erstmal in seiner Geschichte über die Marke von 30.000 Punkten, konnte diesen Stand aber nicht bis zu Ende des Handelswoche halten. Im Wochenvergleich verbesserte sich der Index nichtsdestotrotz um 2,2 Prozent auf 29.910,37 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 2,3 Prozent auf 3.638,35 Punkte. Der technologielastige Nasdaq-100 gewann 3,0 Prozent auf 12.258,21 Zähler.

Ausblick

Die Prognosen für die aktuelle Woche an den deutschen Aktienbörsen sind uneinheitlich. Auf der einen Seite haben die Kurse zuletzt stark angezogen, einige Beobachter sprechen auch angesichts der aktuellen Corona-Lage und den kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten dabei von Überhitzungen. Folgerichtig kommen von dieser Seite Warnungen vor möglichen Kursrücksetzern oder Rückschlägen auf breiter Front, zumindest aber Gewinnmitnahmen seien wahrscheinlich, heißt es. Auf der anderen Seite könnten die Hoffnung auf Impfstoffe gegen Corona sowie Neuigkeiten zu diesem Thema weiter für Optimismus an den Märkten sorgen, so wie dies im Laufe des Novembers der Fall war. Dies könnte die Risikoneigung der Anleger erneut beflügeln. Hoffnung gibt es auch weiterhin in Hinblick auf eine Einigung zwischen Großbritannien und der EU auf ein Abkommen für die Zeit nach dem Brexit. Bei beiden Themen wird es von der jeweiligen Nachrichtlage abhängen, in welche Richtung die Stimmung an den Märkten ausschlägt.

Genauer terminierbar als die eventuellen allgemeinen oder politischen Einflüsse sind die Konjunkturdaten, die in den kommenden Tagen für marktbewegende Impulse sorgen könnten. Hier stehen aus den USA vor allem die Arbeitsmarktdaten im Fokus – am Freitag wird der offizielle US-Arbeitsmarktbericht vorgelegt, bereits am Mittwoch kommen die Zahlen vom privaten Arbeitsvermittler ADP. Zudem werden die ISM-Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht und US-Notenbank-Chef Jerome Powell hat seine halbjährliche Anhörung vor dem US-Kongress. Aus Deutschland und der Eurozone gibt es unter anderem Einkaufsmanagerindizes, Einzelhandelsumsätze und Werksaufträge, und aus China ebenfalls Einkaufsmanagerindizes.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag. 30.11.: Verbraucherpreise in Deutschland; Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Schwebende Hausverkäufe in den USA; Dallas Fed Herstellungsindex (USA); Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe in China; Einkaufsmanagerindex für das nicht-verarbeitende Gewerbe in China
Dienstag, 01.12.: Arbeitsmarktdaten für Deutschland; Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Verbraucherpreise in der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Anhörung des US-Notenbankchefs Jerome Powell vor dem US-Kongress; US-Konstruktionsausgaben; Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA
Mittwoch, 02.12.: Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Erzeugerpreise in der Eurozone; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); Beige Book der US-Notenbank
Donnerstag, 03.12.: Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; ISM-Dienstleistungsindex (USA)
Freitag, 04.12.: Werksaufträge in Deutschland; US-Arbeitsmarktbericht; Werksaufträge in den USA; Handelsbilanz der USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

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