Unwillkommene Signale und der Bedarf nach einem grünen Aufschwung - AXA IM Kolumne


26.11.2020 10:37 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments, analysiert, ob die jüngsten Corona-Maßnahmen das Vertrauen in einen Aufschwung beeinträchtigen. Er sieht eine mögliche Abkehr der Federal Reserve von den Interventionen an den Primär- und Sekundärkreditmärkten, und für den langfristigen Umgang mit den gegenwärtigen Schuldenständen braucht es seiner Meinung nach ein deutliches Wirtschaftswachstum, bei dem ein „grüner“ Aufschwung im Mittelpunkt steht:

Lockdown statt zyklischer Hoffnung

„Es scheint, als würden die Märkte gerne weiterhin zyklischen Hoffnungsschimmern folgen, wie nach der US-Wahl und den ersten Meldungen über Impfstoffe. Nun müssen sie aber erneut in abwartender Haltung verharren. Die westlichen Volkswirtschaften werden erneut durch die einzige Maßnahme eingeschränkt, die es auf die momentan hohen COVID-19-Infektionen gibt – Lockdowns. Zwar glauben die Marktteilnehmer nach wie vor an einen Aufschwung, abseits der Märkte leidet die Gesellschaft jedoch unter den vergangenen zehn Monaten. Investoren müssen daher weiterhin darauf vertrauen, dass die Politik der Wirtschaft Rückhalt bietet und dass Wissenschaft und Technologie den Weg in eine gesündere und effizientere Zukunft ebnen.“

Unwillkommenes Signal des US-Finanzministeriums

„Zwar überwiegen mit Blick auf die Schuldenstände weiterhin die Vorteile einer unterstützenden Fiskalpolitik, es könnte jedoch der Punkt kommen, an dem die Schulden tatsächlich zu einem Problem werden. Entweder dämmen die Zentralbanken weiterhin Zinsen und Volatilität aktiv ein – in diesem Fall blieben die Zinsen niedrig, könnten aber gerade noch positiv sein – oder es kommt zu einer Verschiebung hin zu einer allmählichen Umkehrung der Geldpolitik. In diesem Fall könnten die Zinsen negativ werden. Die Sorgen davor betreffen nicht nur die Inhaber von Staatsanleihen. Investoren könnten daher die jüngste Ankündigung des US-Finanzministeriums, einige der Notfallkreditfazilitäten zu beenden, mit Besorgnis beobachten. Zwar dürfte dies insgesamt nur ein kleines Minus für die US-Kreditvergabe mit sich bringen, die Antwort der Fed an das Finanzministerium deutet jedoch darauf hin, dass die Zentralbank dies als ein unwillkommenes Signal ansieht.“

Langfristig braucht es einen grünen Aufschwung

„Langfristig braucht es Wirtschaftswachstum, um mit den Schuldenständen umzugehen. Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels ist es von wesentlicher Bedeutung, dass ein Teil dieses Wachstums aus Investitionen in die Energiewende und die Eindämmung der klimabedingten Risiken und Kosten resultiert. Öffentliche Gelder müssen hier privaten Investitionen zur Seite gestellt werden, um die Übergangskosten zu subventionieren. Obwohl die aktuell verkündeten Nachhaltigkeitspläne Großbritanniens dahingehend noch überschaubar sind, könnten sie gemeinsam mit einer grüneren Agenda in den USA, in Europa und in China zu einer globalen Beschleunigung des Energiewandels beitragen. Die beschleunigte Abkehr von fossilen Brennstoffen und ein globaler Ansatz für die Verwendung von Kohlenstoffpreisen würde erneuerbare Energien und alternative Energiequellen aus wirtschaftlicher Sicht attraktiver machen. Auch in Branchen wie Fern, Luft- und Seeverkehr sowie bei bestimmten industriellen Prozessen wie der Stahlerzeugung würden Kohlenstoffreduktionen dadurch realistischer. Die Folge könnten zahlreiche Investitionsmöglichkeiten sein, bei denen Europa eine führende Rolle einnehmen könnte. Viele Unternehmen, die etwa grüne Wasserstofftechnologien entwickeln, entstammen dem europäischen Werkstoff- und Industriesektor. Für die längerfristige Performance europäischer und allgemein zyklischer Aktien wird die grüne Revolution von entscheidender Bedeutung sein.“

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