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Frische Impulse für die Aktienmärkte von den Unternehmen - Börse München Kolumne

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Auch wenn die US-Präsidentschaftswahl entschieden ist, ruhiger muss es an den deutschen Aktienbörsen in der aktuellen Woche nicht unbedingt werden.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Auch wenn die US-Präsidentschaftswahl entschieden ist, ruhiger muss es an den deutschen Aktienbörsen in der aktuellen Woche nicht unbedingt werden.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

09.11.2020 10:21 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter auf Twitter 

Anleger trotzen der Unsicherheit: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche kräftige Zuwächse verzeichnet. Entgegen den Befürchtungen von Marktteilnehmern sorgte die Hängepartie bei der US-Präsidentschaftswahl nicht für Zurückhaltung, die Anleger griffen im Gegenteil kräftig bei den Dividendentiteln zu. Der positive Trend hielt dabei beinahe die ganze Handelswoche an, lediglich am Freitag realisierten Investoren vor dem Wochenende Gewinne. Als eine Erklärung zogen Analysten die Annahme heran, dass eine mögliche parteipolitische Spaltung des US-Kongresses radikale wirtschaftspolitische Entscheidungen verhindern werde, egal unter welchem Präsidenten. Möglicherweise spielte auch der Umstand eine Rolle, dass angesichts der Berichterstattung über die US-Wahl das Thema Corona in den Hintergrund rückte und steigende Infektionszahlen so weniger stark auf die Stimmung drückten. Die Berichtssaison lieferte unterschiedliche Impulse, hier gab es sowohl positive als auch negative Überraschungen.

Der deutsche Aktienindex (Dax) kletterte im Wochenvergleich um 8,0 Prozent auf 12.480,02 Punkte. An der Spitze der Wochengewinner-Liste stand einmal mehr der Coronakrisengewinner Delivery Hero, dicht gefolgt von Linde – die Anleger honorierten die Neun-Monats-Zahlen sowie die Anhebung der Jahresziele des Industriegase-Konzerns. Der MDax stieg im Wochenvergleich um 6,3 Prozent auf 27.346,29 Zähler. Hier stach ein Kurssprung um über 19 Prozent auf Wochensicht beim Indexwert ProSieben SAT.1 heraus. Dank einer Erholung der Werbeerlöse gelang dem Medienkonzern die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der TecDax gewann im Wochenvergleich 7,1 Prozent auf 3.014,11 Punkte. Der m:access All-Share rückte um 0,8 Prozent auf 2.742,45 Zähler vor. Gegen den allgemeinen Trend verzeichnete hier der Kurs des Ferienimmobilien-Anbieters Homes & Holiday einen drastischen Einbruch.

Die Kurse an deutschen Anleihemärkten haben sich in der vergangenen Woche nur wenig verändert. Trotz der unklaren politischen Lage nach der US-Präsidentschaftswahl bewegten sich die Notierungen nach der als sicher geltenden Bundespapieren in engen Grenzen, die Anleger hielten sich zurück. Für Druck sorgten zudem einige positiv aufgenommene Konjunkturdaten. Im Wochenvergleich rückte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,63 auf -0,62 Prozent vor. Die Umlaufrendite reduzierte sich dagegen von -0,63 auf -0,64 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben sich in der vergangenen Woche ähnlich entwickelt wie ihre deutschen Pendants. Auch hier konnte ein minimaler Rückgang am Freitag eine starke Wochenbilanz nicht verderben, wobei die Rücksetzer geringer ausfielen als hierzulande, robuste US-Arbeitsmarktzahlen stützten. Der Dow-Jones-Index legte im Wochenvergleich um 6,9 Prozent auf 28.323,40 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index verbesserte sich um 7,3 Prozent auf 3.509,44 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100 sprang um 9,4 Prozent auf 12.091,35 Punkte.

Ausblick

Auch wenn die US-Präsidentschaftswahl entschieden ist, ruhiger muss es an den deutschen Aktienbörsen in der aktuellen Woche nicht unbedingt werden. Ein Unsicherheitsfaktor ist dabei der amtierende US-Präsident Donald Trump, der seine Wahlniederlage bislang nicht eingestanden hat und nach Ansicht von Beobachtern noch für Unruhe sorgen könnte, auch wenn gerichtlichen Bemühungen von Experten wenige Chance eingeräumt werden. Zudem ist die Senatswahl noch nicht abgeschlossen. Von den politischen Verhältnissen in den USA abgesehen bleibt die Corona-Pandemie Belastungsfaktor, zumal die Infiziertenzahlen stetig steigen. Zwar versuchen die meisten Staaten, die Wirtschaft bei den Gegenmaßnahmen zu schonen, wie weit und wie lange das gelingen wird, ist aber unklar. Und dann rückt der Brexit zunehmend näher, ohne dass es bislang ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU gibt – hier dürften die Anleger genau auf etwaige Signale achten.

Neben diesen potenziell belastenden Faktoren gibt es aber auch unterstützende. So rechnen zunehmend mehr Marktteilnehmer mit weiteren Maßnahmen der großen westlichen Notenbanken, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bekämpfen. Zudem könnte ein weiteres Konjunkturpaket in den USA wahrscheinlicher werden. Und schließlich sind seriöse Alternativen zu Aktien bei noch lange anhaltenden Niedrigstzinsen weiterhin Mangelware. Insofern könnte die gute Stimmung an den Märkten anhalten.

Während die geschilderte allgemeine Gemengelage überwiegend seit geraumer Zeit bekannt ist, gibt es in den kommenden Tagen von Unternehmensseite eine Reihe frischer Impulse, allen voran durch die Fortsetzung der Berichtssaison. Dabei legt wieder eine ganze Reihe von Dax-Unternehmen Zahlen vor, darunter Adidas, Deutsche Telekom, Deutsche Wohnen, Merck und Siemens. Daneben kommen etliche Daten aus der zweiten und dritten Börsenreihe.

Und auch Konjunkturdaten könnten für Impulse sorgen. Aus Deutschland und der Eurozone werden dabei unter anderem Bruttoinlandsprodukt und Handelsbilanz sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen veröffentlicht. In den USA stehen das Verbrauchervertrauen und Inflationszahlen auf der Agenda, zudem sprechen Mitglieder der US-Notenbank.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag. 09.11.: Handelsbilanz Deutschlands
Dienstag, 10.11.: ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Verbraucherpreise in China
Donnerstag, 12.11.: Verbraucherpreise in Deutschland; Industrieproduktion in der Eurozone; Verbraucherpreise in den USA
Freitag, 13.11.: Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Handelsbilanz der Eurozone; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Erzeugerpreise in den USA

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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