USA: Federal Reserve wohltuend spektakulär unspektakulär - Nord LB Kolumne

Zum wiederholten Mal forderte Fed-Chef Jerome Powell den Kongress auf, in Zukunft jegliche Blockadepolitik zu unterlassen. Die Fiskalpolitik müsse die Geldpolitik flankieren, sonst falle die Erholung nur mäßig aus. Bild und Copyright: Paul Brady Photography / shutterstock.com.

Zum wiederholten Mal forderte Fed-Chef Jerome Powell den Kongress auf, in Zukunft jegliche Blockadepolitik zu unterlassen. Die Fiskalpolitik müsse die Geldpolitik flankieren, sonst falle die Erholung nur mäßig aus. Bild und Copyright: Paul Brady Photography / shutterstock.com.

06.11.2020 10:01 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Mitten in der weiterhin immer noch offenen Präsidentschaftswahl und der sich bereits abzeichnenden dritten Ausbreitungswelle des Coronavirus in den USA gelang es der Federal Reserve auf ihrer gestrigen Sitzung in ihrer bemerkenswert soliden Art und Weise unspektakulär aufzufallen. Diese Institution zeichnet sich jedenfalls nicht durch wilde Schreie und Vorwürfe aus, sondern versucht ihre Arbeit zum Wohle des Landes im Hintergrund zu erfüllen. Wie bei einem Fußballspiel der Schiedsrichter, der dann am besten ist, wenn sich die Zuschauer allein auf das Spiel konzentrieren können! Gut sein kann man manchmal auch, wenn man einfach mal (fast) nicht auffällt!

Und das war gestern der Fall: Die obere Bandbreite des Leitzinses verblieb erwartungsgemäß bei 0,25%. Der Boden für weitere expansive geldpolitische Schritte wurde aber durchaus bereitet. Natürlich gab es von der Federal Reserve überhaupt keinen Kommentar zu der noch offenen Präsidentschaftswahl, obwohl freilich die Weichenstellungen im Weißen Haus und im Kongress die Fiskalpolitik und damit auch die geldpolitischen Entscheidungen perspektivisch tangieren können.

Wie üblich gab es im Anschluss an die erste Sitzung eines Quartals keine neuen Projektionen. Insofern richtete sich der Fokus allein auf das Statement und auf die anschließende Pressekonferenz mit Jerome Powell.

Erwartungsgemäß hielten sich die Anpassungen im Statement in Grenzen, da zudem Konsequenzen aus dem Wahlausgang ja noch gar nicht gezogen werden konnten. Uns so fiel der Tenor fast so wie im Statement aus dem September aus: Der Leitzins werde bei 0,25% bleiben, so lange bis „maximale Beschäftigung“ erreicht sei sowie die Inflation „über 2% gestiegen ist und diese Marke moderat für eine gewisse Zeit übertroffen wird“. Zukünftig wird die Federal Reserve also viel Spielraum bei der Argumentation ihrer geldpolitischen Maßnahmen haben.

Angepasst wurden im Statement nur die Aussagen, dass sich erstens sowohl Aktivität als auch die Beschäftigungssituation zuletzt weiter aufgehellt hätten, aber noch unterhalb der Niveaus von vor der Coronakrise lägen. Zweitens sorge der niedrige Ölpreis für nur moderate Zuwächse bei den Verbraucherpreisen. Drittens blieben die Finanzkonditionen überwiegend konjunkturunterstützend.

Auf der anschließenden Pressekonferenz merkte Jerome Powell an, dass das FOMC zwar keine Anpassungen bei QE vornahm, die Mitglieder die Parameter – Umfang, Zusammensetzung, Duration – aber diskutiert hatten. An diesen Stellschrauben zu drehen seien durchaus Möglichkeiten zur weiteren geldpolitischen Unterstützung der Konjunktur. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass die Maßnahmen aktuell adäquat seien. Wir erkennen daraus, dass die Federal Reserve im Fall einer sich wieder verschlechternden Wirtschaftslage bereit ist, erneut einzugreifen.

Zum wiederholten Mal forderte Powell den Kongress auf, in Zukunft jegliche Blockadepolitik zu unterlassen. Die Fiskalpolitik müsse die Geldpolitik flankieren, sonst falle die Erholung nur mäßig aus. Bei einem geteilten Kongress ist dieses Problem aber bereits absehbar.

Fazit: Mitten in der immer noch offenen Präsidentschaftswahl und der sich bereits abzeichnenden dritten Ausbreitungswelle des Coronavirus in den USA gelang es der Federal Reserve auf ihrer gestrigen Sitzung in ihrer bemerkenswert soliden Art und Weise unspektakulär aufzufallen. Diese Institution zeichnet sich jedenfalls nicht durch wilde Schreie und Vorwürfe aus, sondern versucht ihre Arbeit zum Wohle des Landes im Hintergrund zu erfüllen. Die obere Bandbreite des Leitzinses verblieb erwartungsgemäß bei 0,25%. Der Boden für weitere expansive geldpolitische Schritte wurde aber durchaus bereitet: So merkte Powell an, dass zwar keine Anpassungen bei QE vorgenommen wurden, die Notenbanker die Parameter – Umfang, Zusammensetzung, Duration – aber diskutiert hätten. Wenn sich also der Rauch über der Präsidentschaftswahl gelegt hat und die Wirtschaft wieder Unterstützung brauchen sollte, dürfte die Fed vermutlich erneut als weißer Ritter auftauchen!

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