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Ein Mix an Sorgen für die Märkte - Börse München Kolumne

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Daneben dürfte sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Berichtssaison richten, die hierzulande in Fahrt kommt. Allein aus dem Dax legt rund ein Drittel der Indexwerte Zahlen vorn.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

Robert Ertl, Chef der Börse München: „Daneben dürfte sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Berichtssaison richten, die hierzulande in Fahrt kommt. Allein aus dem Dax legt rund ein Drittel der Indexwerte Zahlen vorn.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

27.10.2020 13:46 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter auf Twitter 

Sorgen überwiegen erneut: Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche ihre Abwärtsbewegung der Vorwoche fortgesetzt und trotz einer Gegenbewegung am Freitag spürbar nachgegeben. Wie zuvor zeigten sich die Anleger von den unverändert steigenden Corona-Infektionszahlen verunsichert, was sich vor allem auf befürchtete Gegenmaßnahmen bis hin zum Lockdown zurückführen ließ. Diese würde die Wirtschaft wieder hart treffen, hieß es. Auch der Umstand, dass es in den USA keinen Durchbruch bei den Verhandlungen über ein weiteres Konjunkturpaket, mit dem die Folgen der Pandemie gelindert werden sollen, gegeben hat, drückte auf die Stimmung. Die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl sorgte ebenfalls für Unsicherheit. Die Zahlen im Rahmen der Berichtssaison fielen gemischt aus, so dass von dieser Seite keine klaren Impulse kamen. Konjunkturdaten unterstützten dagegen teilweise.

Der deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 12.645,75 Punkte. Gegen den Trend zulegen konnte dagegen der Indexwert Deutsche Bank. Die Papiere profitierten unter anderem von den als robust eingeschätzten Zahlen der britischen Bank Barclays. Der MDax gab im Wochenvergleich 1,7 Prozent ab auf 27.279,59 Zähler. Hier trotzte der Kurs der Lufthansa mit einem Wochenplus von über 10 Prozent dem Negativtrend. Einige Eckdaten der Fluggesellschaft zum dritten Quartal fielen besser als erwartet aus, zudem gab es zeitweilig eine generelle Erholung bei den von der Corona-Krise stark getroffenen Titel aus der Luftfahrt. Der TecDax sackte im Wochenvergleich um 4,2 Prozent auf 3.028,89 Punkte ab.

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche nachgegeben. Belastet wurden die Bundespapiere von gut aufgenommenen Konjunkturdaten aus den USA und von Hoffnungen – von solchen auf eine Einigung auf ein Corona-Hilfspaket in den USA sowie von solchen, dass es doch noch zu einem Abkommen zwischen der EU und Großbritannien für die Zeit nach dem Brexit kommen wird. Im Wochenvergleich legte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,63 auf -0,57 Prozent zu. Die Umlaufrendite stieg von -0,62 auf -0,58 Prozent.

Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche schwächer tendiert. Hier stand der Streit um ein weiteres Corona-Hilfspaket im Fokus der Anleger, die trotz einiger Signale in die andere Richtung unverändert auf ein solches noch vor der Präsidentschaftswahl hoffen. Der Dow-Jones-Index gab im Wochenvergleich um 0,9 Prozent auf 28.335,57 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index reduzierte sich um 0,5 Prozent auf 3.465,39 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100 sank um 1,3 Prozent auf 11.692,57 Punkte.

Ausblick

Die Unsicherheit der Anleger und die damit einhergehende Schwankungsanfälligkeit der deutschen Aktienbörsen dürften auch in der aktuellen Woche anhalten. Mit den steigenden Corona-Infektionszahlen und den folgenden Gegenmaßnahmen, der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in den USA und dem näher rückenden Brexit bleibt der Mix an Sorgen für die Märkte. Hinzu kommen des ausbleibende Hilfspaket in den USA sowie der Umstand, dass etliche Konjunkturdaten zuletzt nicht mehr die Erholungsdynamik wie noch vor einigen Wochen gezeigt hatten.

Inwieweit sich Letzteres fortsetzt, darauf werden die Marktteilnehmer in den kommenden Tagen achten, wenn eine Reihe von hochkarätigen Wirtschaftsdaten ansteht. Aus Deutschland sind dabei vor allem das Ifo-Geschäftsklima, die Arbeitsmarktzahlen, die Einzelhandelsumsätze sowie das Bruttoinlandsprodukt zu nennen. Aus der Eurozone kommen ebenfalls Arbeitslosenzahlen und Bruttoinlandsprodukt, zudem steht das Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Dabei rechnen aber nur die wenigsten Beobachter mit neuen Schritten, vielmehr dürfte die EZB ihre Bereitschaft bestätigen, solche zu ergreifen, wenn die Corona-Krise dies nötig mache. In den USA werden unter anderem das Bruttoinlandsprodukt und Daten zu persönlichen Einkommen und Ausgaben sowie Verbrauchervertrauen und Indizes lokaler Notenbanken veröffentlicht.

Daneben dürfte sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die Berichtssaison richten, die hierzulande in Fahrt kommt. Allein aus dem Dax legt rund ein Drittel der Indexwerte Zahlen vor, darunter BASF, Beiersdorf, Delivery Hero, Fresenius, MTU und Volkswagen. Hinzu kommen etliche Zahlen aus der zweiten und dritten Börsenreihe. In den USA geben unter anderem die Tech-Größen Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft Einblicke in ihre Bücher.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Dienstag, 27.10.: Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex (USA); US-Verbrauchervertrauen
Mittwoch, 28.10.: Warenhandelsbilanz der USA; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Canada
Donnerstag, 29.10.: Arbeitsmarktdaten für Deutschland; Verbraucherpreise in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Geschäftsklima in der Eurozone, Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der USA; Persönliche Konsumausgaben in den USA; Schwebende Hausverkäufe in den USA; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Japan
Freitag, 30.10.: Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Einzelhandelsumsätze in Deutschland; Importpreise in Deutschland; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Verbraucherpreise in der Eurozone; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA; Chicagoer Einkaufsmanagerindex (USA); Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA)

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Daten zum Wertpapier: Börse München

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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