Ifo Geschäftsklima: Sorgen vor zweitem Lockdown trüben Stimmung - Nord LB Kolumne

Nord LB zum Ifo Geschäftsklima: „Die erneute Stimmungseintrübung fällt zusammen mit einer inzwischen auch in Deutschland um sich greifenden zweiten Welle in der Coronavirus-Krise”. Bild und Copyright: Uwe Aranas / shutterstock.com.

Nord LB zum Ifo Geschäftsklima: „Die erneute Stimmungseintrübung fällt zusammen mit einer inzwischen auch in Deutschland um sich greifenden zweiten Welle in der Coronavirus-Krise”. Bild und Copyright: Uwe Aranas / shutterstock.com.

26.10.2020 11:33 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner Umfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen veröffentlicht. Im Berichtsmonat Oktober hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft erstmals seit dem April wieder verschlechtert. Das Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft sank im laufenden Monat auf 92,7 Punkte, notiert damit aber weiter nur rund drei Punkte unterhalb des Vorkrisenniveaus. Dies entspricht weitgehend den Erwartungen der zuvor befragten Analysten und Volkswirte. Am Aktienmarkt ging es mit Veröffentlichung der Daten zumindest nicht noch weiter abwärts. Der DAX hatte in den vergangenen Tagen bereits deutlich Federn lassen müssen und startete in die Woche nur leicht oberhalb der Marke von 12.300 Punkten.

Der heute gemeldete Rückgang ist auf deutlich eingetrübte Zukunftsaussichten der Unternehmen zurückzuführen. Die auf die Entwicklung in sechs Monaten gerichteten Geschäftserwartungen verschlechterten sich deutlich von 97,7 auf 95,0 Punkte. Parallel hierzu wurde aber die gegenwärtige wirtschaftliche Situation nochmals besser als im Vormonat bewertet. Der entsprechende Teilindex stieg auf 90,3 Punkte, verharrt damit aber noch immer unter dem Wert vom März.

Die erneute Stimmungseintrübung fällt zusammen mit einer inzwischen auch in Deutschland um sich greifenden zweiten Welle in der Coronavirus-Krise. Die Unternehmenslenker blicken zunehmend besorgt in die nähere Zukunft angesichts des massiven Anstiegs der (entdeckten) Infektionsfälle. Von der Coronakrise geht weiterhin mit Abstand die größte konjunkturelle Gefahr aus. In immer mehr europäischen Staaten wurden bereits wieder lockdownähnliche Maßnahmen eingeführt.

Deutschland hat durchaus noch die Möglichkeit, den Anstieg der Infektionszahlen zu durchbrechen, ohne Wirtschaft und Gesellschaft in einen harten Lockdown schicken zu müssen. Das Augenmerk muss auf Maßnahmen gerichtet werden, die zielgenau das Infektionsgeschehen eindämmen und zugleich wirtschaftliche Aktivität weiter ermöglichen. Anderenfalls wären fatale Auswirkungen für den deutschen Mittelstand zu befürchten, besonders einige Zweige des Dienstleistungssektors würden hart getroffen. Dies spiegelt sich bereits in den Stimmungsindikatoren wider. So signalisiert der Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen mit 48,9 Punkten, dass die Erholung in dem Sektor bereits wieder zum Erliegen gekommen ist. Auch in der ifo-Umfrage sank das Geschäftsklima der Dienstleister, während es sich im verarbeitenden Gewerbe noch einmal leicht verbessern konnte.

In dieser Woche stehen einige Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung an, unter anderem die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal. Nach dem tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Frühjahr ist der Sommer von einer kräftigen Gegenbewegung gekennzeichnet gewesen. Doch auch ein Rekordwachstum von voraussichtlich rund 7% Q/Q ist erst ein erster Schritt auf dem Weg zur konjunkturellen Erholung. Der restliche Weg droht steiniger und schwerer zu werden als manch ein Optimist gehofft hatte. Je nach Ausmaß der zweiten Welle ergeben sich mehr oder weniger ausgeprägte Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten im Jahr 2021.

Fazit: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex sank leicht auf 92,7 Punkte. Deutlicher abwärts ging es für die in die Zukunft gerichteten Geschäftserwartungen. Hierin spiegeln sich die wachsenden Sorgen angesichts der grassierenden zweiten Infektionswelle wider. Vor allem im Dienstleistungssektor nehmen die Sorgenfalten wieder zu. Die Coronakrise bleibt mit Abstand das größte Konjunkturrisiko. Umso wichtiger sind effiziente Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung, die wirtschaftliche Aktivität weiter ermöglichen oder aber zumindest so wenig wie möglich beeinträchtigen. Im Sommerquartal sorgten Aufholeffekte für ein Rekordwachstum, der weitere Weg der konjunkturellen Erholung wird aber steinig und schwer.

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