Kann der Finanzsektor auch Biodiversität? - DWS Kolumne

Bild und Copyright: Bart Sadowski / shutterstock.com.

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04.10.2020 10:39 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Nach Klimaneutralität könnte Biodiversität das nächste Thema sein, bei dem Zentralbanken und Regulierer den Finanzsektor als Erfüllungsgehilfen nutzen. 65 Staatsoberhäupter zu einer Einigung zu bewegen, ist bemerkenswert. Und wenn es bei dieser Einigung um „sinnvolle Maßnahmen” im Bereich der biologischen Vielfalt geht, ist das noch bemerkenswerter (1). Diese Woche veranstaltete die UNO einen virtuellen Biodiversitäts-Gipfel (2) mit dem Ziel, eine neue Vereinbarung zu erreichen, wenn die UN-Konvention über biologische Vielfalt im Mai 2021 in China tagt.

Warme Worte zu diesem Thema gibt es genug, aber vielleicht folgen diesmal echte Taten, zumal die Menschheit seit 1970 bereits 68 Prozent aller Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien ausgerottet hat (3). Dieser Verlust an biologischer Vielfalt wird durch den Klimawandel beschleunigt und verschärft ihn noch, während die Zerstörung der Wälder und der Handel mit Wildtierarten Pandemien wie die jetzige wahrscheinlicher gemacht hat. Covid-19, Zika, Aids, SARS und Ebola stammen alle aus Tierpopulationen, deren natürliches Habitat durch menschliche Eingriffe stark gelitten hat (4).

Wie zuvor das Klima, könnte nun auch Biodiversität Bedeutung für Finanzinstitutionen erlangen: Das Versprechen der Staats- und Regierungschefs zielt darauf ab, die biologische Vielfalt in alle relevanten Politikbereiche und internationalen Vereinbarungen einzubeziehen. Dem Finanzsektor sollen national und international Anreize gegeben werden, den Wert der Natur und der biologischen Vielfalt zu berücksichtigen, Kapital zu mobilisieren und die Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der Natur bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen sowie beim Risikomanagement zu fördern.

Geldmenge vs. Inflation

Murray Birt, Senior ESG-Strategist der DWS: „In den vergangenen fünf Jahren haben die Zentralbanken eine Schlüsselrolle bei der Verschärfung des Klimaschutzes gespielt. Diese Erfahrung muss für Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Finanzinstitutionen und die Realwirtschaft wiederholt und beschleunigt werden, wenn es um den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt geht.”



Diese Ziele sollten ohnehin Selbstläufer sein, doch könnte es die Finanzindustrie zusätzlich motivieren, dass Biodiversität wachstumsfördernd wirken kann: Der WWF (5) analysierte sechs „Ökosystemleistungen”, die die Natur erbringt: Wasserversorgung für die Landwirtschaft, Holzversorgung, Meeresfischerei, Bestäubung von Nutzpflanzen, Schutz vor Überschwemmungen, Sturmfluten und Erosion sowie Kohlenstoffspeicherung. Unser "Chart der Woche" zeigt, dass das globale Wachstums des Bruttoinlandsprodukts (BIPs) durch mangelnde Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt gefährdet ist. Bei „unverändertem Handeln” könnte es bis 2050 zu einem Rückgang des jährlichen BIP-Wachstums um 0,67 Prozent führen (das entspräche einem Rückgang von 10 Billionen Dollar). In einem „Globalen Erhaltungsszenario” könnte sich das BIP-Wachstum bis 2050 um 0,02 Prozent beschleunigen (Zuwachs von 11 Milliarden Dollar). Wobei diese Zahlen wahrscheinlich noch zu konservativ sind.

Wie wichtig Biodiversität für Regulierungsbehörden und Investoren ist, zeigen dann andere Zahlen: 69 Finanzregulatoren und Zentralbanken sind Mitglieder des „Network for Greening the Financial Sector” (NGFS). Die niederländische Zentralbank (6) stellte fest, dass niederländische Institutionen 36 Prozent ihrer Portfolios in Unternehmen mit hoher oder sehr hoher Abhängigkeit von Ökosystemdienstleistungen investiert haben. Wir erwarten, dass diese Erkenntnis den Handlungsdruck erhöhen und noch mehr Zentralbanken dazu veranlassen wird, sich dem NGFS anzuschließen. Aktuell befinden sich 39 Mitglieder des NGFS in Ländern mit hohem oder hohem mittlerem Einkommen, aber der WWF kommt zu dem Schluss, dass Länder mit niedrigem Einkommen am stärksten von BIP-Verlusten durch die Zerstörung der biologischen Vielfalt bedroht sind, aber auch am meisten davon profitieren können, wenn sie sich für den Naturschutz entscheiden. Ein Großteil der Ressourcenausbeutung und der Zerstörung der biologischen Vielfalt geht jedoch auf Länder mit höherem Einkommen, Unternehmen und Einzelpersonen zurück, die Produkte herstellen und kaufen.

„In den vergangenen fünf Jahren haben die Zentralbanken eine Schlüsselrolle bei der Verschärfung des Klimaschutzes gespielt. Diese Erfahrung muss für Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Finanzinstitutionen und die Realwirtschaft wiederholt und beschleunigt werden, wenn es um den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt geht”, meint dazu Murray Birt, Senior ESG-Strategist der DWS.

1) https://www.leaderspledgefornature.org/
2) https://www.un.org/pga/74/united-nations-summit-on-biodiversity/
3) WWF and Zoological Society of London Living planet report 2020: https://livingplanet.panda.org/
4) Heads of UN biodiversity convention, World Health Organisation and WWF International - Guardian June 2020: https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/jun/17/coronavirus-warning-broken-relationship-nature
5) WWF February 2020: https://www.wwf.org.uk/globalfutures
6) DNB June 2020: https://www.dnb.nl/en/news/news-and-archive/dnbulletin-2020/dnb389169.jsp

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der DWS. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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