Nervöse Börse vor Quartalszahlen von Bayer, Infineon und Co. - Börse München Kolumne

An der Börse bestimmen derzeit die Halbjahresbilanzen das Bild zu großen Teilen. Robert Ertl, Chef der Börse München: „Parallel dazu wird der Blick aller Marktteilnehmer aber auch auf die neuesten Corona-Zahlen gerichtet sein.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

An der Börse bestimmen derzeit die Halbjahresbilanzen das Bild zu großen Teilen. Robert Ertl, Chef der Börse München: „Parallel dazu wird der Blick aller Marktteilnehmer aber auch auf die neuesten Corona-Zahlen gerichtet sein.” Bild und Copyright: Bayerische Börse AG.

03.08.2020 07:53 Uhr - Autor: Robert Ertl  Robert Ertl auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche ihren bereits am Freitag zuvor begonnene Kurskorrektur fortgesetzt. Dabei sorgten vor allem die steigende Angst vor der zweiten Corona-Welle sowie die zur Wochenmitte bekannt gegebenen historisch schlechten Zahlen zur Entwicklung des BIP für Gewinnmitnahmen. Diese konnten auch nicht durch einige Hoffnung machende Konjunkturdaten, wie einen gestiegenen Ifo-Index, sowie gute Quartalszahlen einiger großen US-Tech-Werte aufgefangen werden.

Im Wochenvergleich rutschte der Dax um 4,0 Prozent auf 12.323,95 Punkte ab. Das war der tiefste Stand seit Anfang Juli. Zu den großen Verlierern zählten vor allem Automobilwerte – und hier besonders Volkswagen. Das Unternehmen hatte zur Wochenmitte einen deutlichen Verlust für das erste Halbjahr und eine Dividendenkürzung bekanntgegeben. Insgesamt gaben Volkswagen Vorzüge im Wochenverlauf um 12,4 Prozent auf 124,58 Euro nach. Daimler verloren im gleichen Zeitraum 6,3 Prozent auf 37,44 Euro, und BMW Stämme gingen am Freitag mit 54,29 Euro aus dem Handel. Dies bedeutete ein Minus von 10,1 Prozent gegenüber dem Freitag der Vorwoche. Deutlich besser als der Dax hielt sich der MDax der mittelgroßen Werte. Er verlor im Wochenvergleich 1,9 Prozent auf 26.149,35 Zähler. Der TecDax fiel sogar nur um 1,5 Prozent auf 3.002,29 Punkte. Noch etwas besser hielt sich der m:access All-Share. Er beendete die Handelswoche bei 2.772,45 Zählern. Dies bedeutete ein Minus von 0,6 Prozent.

Konträr zu den deutschen Aktienmärkten entwickelte sich der Anleihemarkt. Hier sorgten insbesondere die neuen Corona-Sorgen für insgesamt leicht steigende Kurse. Der drastische Einbruch der BIP in der Eurozone im zweiten Quartal bewegte die Notierungen dagegen kaum, da er überwiegend im Rahmen der Erwartungen lag. Insgesamt fiel die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenverlauf um 8 Basispunkte auf -0,53 Prozent. Die Umlaufrendite gab ebenfalls um 8 Hundertstel auf -0,57 Prozent nach.

Deutliche besser als die deutschen Aktienmärkte hielten sich die US-Aktienbörsen. Dies ist vor allem auf ein gute Kursentwicklung der drei Schwergewichte Amazon, Apple und Facebook zurückzuführen. Sie hatten jeweils überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt. Ihre Notierungen kletterten dadurch teilweise auf Rekordhochs. Der Dow-Jones-Index wiederum trat mit einem Wochenschluss-Stand von 26.431,71 Punkten – diese bedeutete ein Minus von 0,1 Prozent – nahezu auf der Stelle. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann dagegen 1,7 Prozent auf 3.271,33 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index sprang sogar um 4,0 Prozent auf 10.905,36 Punkte.

Ausblick

Nachdem in den vergangenen Wochen etliche Konjunkturindikatoren auf eine schrittweise Erholung der Weltwirtschaft hingedeutet haben, gehen inzwischen viele Marktteilnehmer zwar davon aus, dass die Wirtschaft das Schlimmste in Sachen Corona-Krise inzwischen hinter sich hat. Dies werden ihrer Meinung nach auch die für diese Woche anstehenden neuen Konjunkturindikatoren zeigen. So wird z. B. gleich zum Wochenauftakt der Einkaufsmanagerindex für Deutschland und die Eurozone veröffentlicht. Ihm dürfte ebenso viel Aufmerksamkeit zukommen, wie dem Dienstleistungsindex für Deutschland und die Eurozone, der am Mittwoch bekanntgegeben wird, und den Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland. Sie folgen am Donnerstag.

Parallel dazu wird der Blick aller Marktteilnehmer aber auch auf die neuesten Corona-Zahlen gerichtet sein. Denn weiter steigende Zahlen werden – so der Tenor der Analysten – die wirtschaftliche Erholung belasten, im Extremfall sogar komplett stoppen. Wie nervös die Märkte hier sind, zeigen etliche Warnungen von verschiedener Seite in den vergangenen Tagen, dass ein zweiter Shut-Down unter allen Umständen vermieden werden müsse, da er noch wesentlich gravierendere wirtschaftliche Folgen haben würde als der erste.

Folgerichtig geben sich die Auguren extrem vorsichtig bei der Beurteilung der Kursentwicklung an den Aktienmärkten in der aktuellen Woche. Unabhängig davon, billigen sie aber etlichen Einzelwerten zu, dass sich diese vom allgemeinen Markttrend abkoppeln könnten. Denn die Quartalsberichtssaison befindet sich in der Hochphase. So werden in dieser Woche allein zehn Dax-Unternehmen ihre Zwischenbilanzen vorlegen. Dazu zählen MTU am Montag, Bayer und Infineon am Dienstag, Allianz und BMW am Mittwoch sowie Siemens am Donnerstag. Insbesondere Siemens und der Tochter Siemens Healthineers dürfte allerdings bereits am Montag viel Aufmerksamkeit zukommen, nachdem Siemens Healthineers am Wochenende angekündigt haben, für 16,4 Milliarden Dollar das US-Medizintechnikunternehmen Varian übernehmen zu wollen.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag. 03.08.: Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA; Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA; Caixin-Einkaufsmanagerindex Produktion (China)
Dienstag, 04.08.: Handelsbilanz für Deutschland; Werkaufträge in den USA
Mittwoch, 05.08.: Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Einzelhandelsumsätze in der Eurozone; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); ISM-Dienstleistungsindex (USA); Markit PMI Gesamtindex (USA); Caixin-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (China)
Donnerstag, 06.08.: Industrieproduktion in Deutschland; Werksaufträge in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of England
Freitag, 07.08.: US-Arbeitsmarktbericht; Verbraucherkredite in den USA; Handelsbilanz Chinas

Autor: Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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