USA: Historischer BIP-Einbruch markiert eine „Once-in-a-Lifetime-Recession“! - Nord LB Kolumne

Bild und Copyright: gary yim / shutterstock.com.

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30.07.2020 15:41 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben wurde endlich die spannende Frage beantwortet, wie stark im II. Quartal die Ausbreitung des Coronavirus das BIP in den USA hat schrumpfen lassen. Nach der ersten vorläufigen Bekanntgabe des Bureau of Economic Analysis kam es im Frühlingsquartal zu dem befürchteten Einbruch der Wirtschaftsaktivität. Der annualisierte Rückgang des realen BIPs liegt bei -32,9% – nahe der Prognosen. Die Jahresrate rutschte auf -9,7%! Das ist die quasi „Once-in-a-Lifetime-Recession“!

Beim Blick auf die Details der Veröffentlichung fällt auf, dass im Grunde nur zwei Bereiche der Volkswirtschaft positive Wachstumsbeträge lieferten: Dazu gehörten ganz knapp der Außenbeitrag (weil die Exporte nominal etwas weniger stark zurückgingen als die Importe zulegten) und natürlich der Öffentliche Konsum (weil die Fiskalpolitik den zwanzigsten Gang einlegte). Alle anderen Sektoren brachen ein: Drei Viertel des gesamtwirtschaftlichen Quartalsrückgangs ging auf das Konto des Privaten Konsums. Die Kauflaune der US-Bürger kam zwischenzeitlich im April zum Erliegen. Der Konsum als wichtigste Stütze der Konjunktur war weggebrochen. Hinzu kamen bremsende Effekte von den Investitionen (gewerblicher Bau, Wohnbau, Ausrüstungen) – wenngleich nicht ganz so dramatisch – und von den Vorräten.

Die heutigen Zahlen spiegeln die katastrophalen Auswirkungen der Pandemie wieder, die sich vor allem im April (und bereits März) zu einem regelrechten Kahlschlag der wirtschaftlichen Leistung entwickelte. Immerhin kam es dann wieder im Mai und Juni zu recht erfreulichen Gegenbewegungen nach oben, die sogar stärker ausfielen als von vielen Beobachtern noch im April erwartet.

Allerdings muss angesichts der seit knapp fünf Wochen wieder ansteigender Infektionszahlen und erneuter Lockdown-Maßnahmen davon ausgegangen werden, dass die Konjunktur im Juli etwas ins Stocken geraten wird. Die derzeit stark im Fokus stehenden sogenannten Real-Time-Tracker beispielsweise zur Mobilität, Restaurantbesuchen, Kartenzahlungen usw. deuten auch darauf hin. Der Start ins III. Quartal verläuft jedenfalls nicht mehr wie geplant und erhofft, obwohl ja bisher noch kaum Makro-Daten für das III. Quartal vorliegen. Mittlerweile muss im Sommerquartal von einer etwas weniger schwunghaften Erholung als bisher erwartet ausgegangen werden. Wir veranschlagen derzeit hierfür mal einen (leicht nach unten genommenen) Anstieg von um die 16% Q/Q (ann.).

Neben dem Verlauf der Infektionszahlen, die die Möglichkeiten für Lockerungen determinieren, werden die Entscheidungen auf dem Capitol Hill zu einer Verlängerung der Ausgabenprogramme die Wachstumsaussichten bestimmen: Blieben die derzeit fast 30 Mio. Nicht-Beschäftigten ab Morgen ohne finanzielle Unterstützung, könnte das der Konjunktur einen weiteren Hieb versetzen.

Fazit: Die heute in den USA gemeldeten Wachstumszahlen haben für das II. Quartal 2020 einen Einbruch des BIP von 32,9% (annualisiert) geliefert, was nahe der Erwartungen liegt. Insbesondere der Private Konsum kollabierte. Zehn Jahre lang legte das BIP fast jedes Quartal im Durchschnitt um 2% zu – diese glückliche Phase ist vorbei! Es ist ein Kahlschlag der wirtschaftlichen Leistung und quasi die „Once-in-a-Lifetime-Recession“! Der Tiefpunkt lag im April, es folgten dann die Monate Mai und Juni mit erfreulichen Erholungstendenzen, die immerhin stärker als im April erwartet ausfielen. Die Infektionszahlen und die täglich verfügbaren sogenannten Real-Time-Tracker deuten nun aber darauf hin, dass dieser Aufhellungsprozess im Juli ins Stocken geraten ist. Der Start ins III. Quartal dürfte von daher misslingen, so dass im Sommerquartal von einer etwas weniger schwunghaften Erholung als bisher erwartet auszugehen ist. Diese Einschätzung müsste sogar noch weitaus pessimistischer ausfallen, wenn es den Politikern in Washington in den kommenden Tagen oder Wochen nicht gelingen sollte, eine Einigung für die Ausgabenprogramme der derzeit knapp 30 Mio. Nicht-Beschäftigten zu erzielen.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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