Ifo Geschäftsklima: Deutsche Wirtschaft kämpft sich schrittweise aus der Krise - Nord LB Kolumne

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli ein weiteres Mal deutlich verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 90,5 Punkte. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli ein weiteres Mal deutlich verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 90,5 Punkte. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

27.07.2020 11:53 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner Umfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen veröffentlicht. Im Berichtsmonat Juli hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ein weiteres Mal spürbar aufgehellt. Das Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft kletterte im laufenden Monat auf 90,5 Punkte und notiert damit nur noch rund fünf Punkte unterhalb des Vorkrisenniveaus. Damit wurden sogar unsere durchaus optimistischen Erwartungen noch leicht übertroffen. Die heutigen Zahlen gaben daher dem Aktienmarkt einen positiven Impuls und bugsierten den DAX nach einem durchwachsenen Handelsstart zumindest kurzzeitig wieder über die Marke von 12.900 Punkten.

Der Anstieg geht erneut auf beide Teilkomponenten zurück. Vor allem die auf die Entwicklung in sechs Monaten gerichteten Geschäftserwartungen verbesserten sich nochmals deutlich von 91,4 auf 97,0 Punkte – immerhin der höchste Wert seit November 2018. Die Stimmungsaufhellung fiel praktisch in allen Sektoren kräftig aus. Die Unternehmenslenker zeigen sich somit immer zuversichtlicher, dass sich die Konjunktur recht zügig von dem Einbruch im Frühjahr infolge des Coronaschocks erholen wird.

In den aktuellen Geschäftszahlen für den Monat Juli findet diese optimistische Einschätzung jedoch noch keine starke Unterfütterung. Zwar wurde die aktuelle Geschäftslage mit 84,5 Punkten ebenfalls wieder etwas besser beurteilt als im Vormonat. Gegenüber dem Krisentiefpunkt legte der Subindex somit bereits gut fünf Punkte zu, bis zum Vorkrisenniveau bleibt jedoch noch eine Strecke von rund 15 Punkten.

In dieser Woche stehen einige Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung an, die noch einmal das ganze Ausmaß des Coronaschocks verdeutlichen werden, so z.B. der Arbeitsmarktbericht für den Juli. Der Arbeitsmarkt blieb sicher auch im abgelaufenen Monat sehr angespannt. Selbst trotz des massiven Einsatzes des Instruments Kurzarbeit hat die Krise in wenigen Monaten einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,0% auf rund 6,5% verursacht, womit die Verbesserungen über die letzten fünf Jahre in kurzer Zeit verloren wurden.

Zudem wird das Statistische Bundesamt am Donnerstag eine erste Schätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal bekanntgeben. Auch wenn der Tiefpunkt der gesamtwirtschaftlichen Aktivität bereits im zweiten Quartal durchschritten wurde, ist für das zweite Quartal ein historischer Einbruch des realen Bruttoinlandsprodukts praktisch sicher, der Rückgang wird jedenfalls erheblich stärker ausfallen als im ersten Quartal. Aufgrund der Tiefe des Schocks ist ein erster zügiger Aufholprozess natürlich, dies spiegelt sich auch in den heutigen Stimmungsdaten wider. Der Pandemieverlauf bleibt aber entscheidend, denn durch eine ausgeprägte zweite Welle könnten sich die aktuell durchaus berechtigten Hoffnungen leider auch sehr schnell wieder zerschlagen.

Fazit: Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli ein weiteres Mal deutlich verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 90,5 Punkte. Erneut sind es vor allem die Geschäftserwartungen, die den Anstieg bewirkten. Die Einschätzung der aktuellen Lage hellt sich nur langsam auf. Durch die geringen Fallzahlen ist inzwischen wieder ein Großteil der wirtschaftlichen Aktivität möglich, die Programme von Geld- und Fiskalpolitik stabilisieren zudem die Erwartungen der Unternehmen. Nach dem historischen Einbruch im Frühjahr macht die deutsche Wirtschaft aktuell recht zügig wieder Boden gut. Der Pandemieverlauf bleibt aber entscheidend für Ausmaß und Tempo der konjunkturellen Erholung. Eine zweite Welle zu verhindern muss auch aus ökonomischer Sicht oberstes Ziel bleiben.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


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