Wirecard: Wie viel „Fake” steckt in diesem Konzern? - Druck auf die Aktie wächst

Wirecard entpuppt sich immer mehr als milliardenschweres Duo aus Marketing-Gag und Betrugsfall. Bild und Copyright: Wirecard.

Wirecard entpuppt sich immer mehr als milliardenschweres Duo aus Marketing-Gag und Betrugsfall. Bild und Copyright: Wirecard.

16.07.2020 08:22 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Zwei Dinge gab es bei Wirecard zuhauf. Zum einen Stimmrechtsmitteilungen, deren Bedeutung für die tatsächliche Aktionärsstruktur in der Regel völlig überschätzt wurde - auch heute noch. Zum anderen Meldungen über Kooperationen. Immer wieder meldete Wirecard solche neuen Partnerschaften. Meist gab es viele Worte, aber wenig konkrete Details dazu. In Berichten hierzu haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass die finanziellen Auswirkungen der einzelnen Kooperationen auf Wirecard kaum abschätzbar sein.

Nun wird klar: Nicht nur Teile des Drittpartnergeschäfts von Wirecard scheinen „Fake” gewesen zu sein, nicht nur 1,9 Milliarden Euro vermeintlich vorhandene Liquidität, sondern auch Teile dieser Kooperationen. Das Wall Street Journal (Bericht hinter Paywall) hat nun herausgefunden, dass Wirecard es wohl auch bei den Kooperationen mit der Wahrheit nicht so genau nahm. Rund 300 Fälle haben die Reporter unter die Lupe genommen und haben heraus gefunden, dass viele dieser Kooperationen substanzlos seien oder die Öffentlichkeit über den Inhalt der Zusammenarbeit falsch informiert worden sei.

Als prominentestes Beispiel wird SAP genannt. Noch m Februar 2020 „gab Wirecard eine offizielle Entwicklungspartnerschaft mit SAPbekannt ” und erwischte den DAX-notierten Softwareriesen aus Walldorf damit wohl auf den falschen Fuß. Nun heißt es von SAP hierzu, dass diese Partnerschaft nie unterschrieben oder zur Veröffentlichung freigegeben worden sei. Bei SAP sah man wohl keinen Anlass, gegen das Treiben von Wirecard vorzugehen - rückblickend wohl die falsche Entscheidung.


Dass Wirecard auch bei den Kooperationen gepfuscht hat, ist auch ein weiterer Rückschlag für die Insolvenzverwaltung und die Gläubiger des Unternehmens. Der Verkaufsprozess für die Assets von Wirecard ist gestartet, die angeblich vielen Interessenten werden auf Schnäppchen aus sein. Was am Ende als Verkaufserlöse rein kommen könnte, wird wohl nicht einmal ansatzweise ausreichen, um die Gläubiger zu befriedigen, wie Experten glauben. Dass für die Wirecards Aktionäre irgendwas übrig bleibt, ist eh frommer Wunsch statt realistische Chance.

Derweil wächst nach einer Seitwärtsbewegung der Druck auf die Wirecard Aktie wieder. Gestern fiel der Aktienkurs aus der jüngsten Tradingspanne oberhalb von 2,30 Euro nach unten heraus und rutschte bis auf 2,20 Euro ab. Aktuelle Indikationen am Donnerstagmorgen notieren bei 2,16/2,20 Euro. Der Börsenwert ist auf 267 Millionen Euro zusammen geschmolzen. Für einen Insolvenztitel, der sich mehr und mehr als milliardenschweres Duo aus Marketing-Gag und Betrugsfall heraus kristallisiert, ist das immer noch verdammt viel.

Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard

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