MSCI Brasilien-Index trotz kräftiger Erholung weiterhin mit deutlicher Underperformance - Commerzbank Kolumne


01.07.2020 09:41 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Covid-19-Pandemie setzte die Kapitalmärkte und die Konjunktur in Brasilien im ersten Halbjahr 2020 noch stärker unter Druck als in vielen anderen Ländern. Das zeigen die Performancezahlen für die MSCI-Indizes für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres. Der MSCI Brasilien-Index verlor im Berichtszeitraum satte 38% (!) an Wert. Damit ergibt sich gegenüber dem MSCI-Welt und gegenüber dem MSCI EM-Index eine kräftige Underperformance. Diese resultiert vor allem aus der zeitweise starken Abwertung des brasilianischen Real ggü. dem US-Dollar (-26% seit Jahresanfang, per 1. Juli 2020) und dem Preiseinbruch bei vielen Rohstoffen, was Brasilien überproportional stark belastet. Von der sehr kräftigen Erholungsbewegung der globalen Aktienmärkte im April/Mai/Juni 2020 konnte der MSCI Brasilien-Index nur unterproportional profitieren. Das lag zum einen an der raschen Ausbreitung von Covid-19-Fällen in Brasilien (bislang mehr als 1.000.000 Infizierte und mehr als 50.000 Tote, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte) und den damit verbundenen verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus, die sich wiederum negativ auf das Wachstum und auf die Verschuldung auswirken dürften. Die späte Reaktion Brasiliens auf den Ausbruch von Covid-19 im Land und die augenblicklich relativ angespannte politische Situation mit der Entlassung bzw. dem Rücktritt von Ministern untergräbt das ohnehin schon stark angeschlagene Investorenvertrauen noch mehr. Brasilien dürfte 2020 in eine schwere Rezession schlittern (BIP-Prognose 2020E: -6,4% J/J). Für das kommende Jahr erwarten wir bislang nur eine zögerliche Erholung (BIP 2021e: +2,3% J/J). Aufgrund der stark negativen Effekte der Covid-19-Pandemie auf Brasilien (Konjunktur, Währung, Rohstoffpreise etc.) und der politischen Unruhen bleiben wir weiterhin vorsichtig für die brasilianische Börse gestimmt und empfehlen innerhalb unserer Regionenallokation (Aktien) unverändert eine Untergewichtung.

Anleihen


Japan: Geschäftsklima, Tankan (Q2), 01:50 Uhr
Deutschland: Arbeitslose (Juni), 09:55 Uhr
Euroraum: Einkaufsmanagerindex (Juni), 10:00 Uhr
USA: ADP-Arbeitsmarktbericht (Juni), 14:15 Uhr
USA: ISM-Index, verarb. Gewerbe (Juni), 16:00 Uhr

Ein kräftiger Anstieg des Verbrauchervertrauens in den USA, sorgte gestern für wachsende, konjunkturelle Zuversicht. Im Euroraum bremst die Rezession den Preisauftrieb – die Kernrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) fiel im Jahresvergleich von 0,9% im Mai auf 0,8% im Juni. Zwar kommt es bei einzelnen Gütern zu Versorgungsengpässen, insgesamt drückt aber der – aus der Unsicherheit resultierende – Nachfragerückgang auf die Verbraucherpreise. Daran dürfte sich zunächst auch in den kommenden Monaten wenig ändern. Da die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland z.T. an die Verbraucher weitergegeben werden dürfte, wird die Inflation im Euroraum insgesamt weiter – um etwa 0,2 Prozentpunkte – sinken. In China setzt sich die Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität fort: Der amtliche Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe lag mit 50,9 Punkten auch im Juni – wie schon im März, April und Mai – im expansiven Bereich. Auch der von dem Medienunternehmen Caixin berechnete Index bestätigte heute Morgen mit 51,2 Zählern das insgesamt positive Bild. Regionale LookdownMaßnahmen, um eine zweite Welle zu verhindern, konnten das Gesamtbild nicht trüben. Besonders kräftig ist die Erholung im Dienstleistungsbereich. In Japan verschärft sich dagegen die Rezession. Der TankanIndex rutschte im zweiten Quartal auf -34 Punkte – nach -8 Punkten im ersten Quartal. Dies ist der tiefste Stand seit Juni 2009. Monatlich erhobene Stimmungsdaten bestätigen die konjunkturellen Probleme. Dabei war Japan gemessen an den Infektionszahlen deutlich weniger von der Coronapandemie betroffen als andere Industrieländer.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Börsen wollten gestern nicht richtig in Schwung kommen. Nach den kräftigen Kursgewinnen seit Mitte März 2020 herrscht auf dem erreichten Kursniveau weiterhin eine abwartende Haltung vieler Investoren vor, zumal die Sorge vor einem Rückschlag, der unter anderem durch eine zweite Corona-Welle ausgelöst werden könnte, immer noch nicht verebbt ist. Zudem sind die Bewertungen vielerorts alles andere als günstig. Die europäischen Leitindizes verbuchten gestern mit Ausnahme des Dax (+0,6%) allesamt Verluste von bis zu 0,9% (England). Für den deutschen Leitindex war der Juni 2020 ein guter Monat; er stieg um 6,2%. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres steht aber unter dem Strich immer noch ein Minus von 7,1%. Vor dem Hintergrund der schweren Rezession und des überaus guten Vorjahres ist dies allerdings verkraftbar. Die Kurskapriolen bei Wirecard (+75%; -95% seit Jahresbeginn) setzten sich gestern in einem hochvolatilen Handel weiter fort. Die größten Verluste wies die Aktie von Bayer auf (-1,7%), die damit in sechs Handelstagen 11% verloren hat, nachdem sie seit Mitte März 2020 recht kräftig gestiegen war. In der zweiten Reihe büßte die Aktie von Tui 1,2% ein; die Aktie hat damit seit dem 27. Mai 2020 rd. 42% an Wert verloren. Auf europäischer Sektorenebene wies der Bereich Technologie (+1,6%) die größten Gewinne aus. Tagesverlierer war der Bereich Öl & Gas (-1,4%). Die Börsen in den USA beendeten ihr stärkstes Quartal seit 1998 auch dank eines besser als erwartet ausgefallenen US-Verbrauchervertrauens mit weiteren Zugewinnen. Auf Sektorenebene waren insbesondere Energieaktien gesucht (+2,2). Am Performanceende rangierten Versorgerwerte (+0,4%). Die Börsen in Asien tendierten zur Wochenmitte uneinheitlich. Während in Japan (Nikkei 225-Index: -0,8%) der Tankan-Report die Kurse belastete, profitierte Chinas Börse von guten Makrodaten.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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