Wirecard-Pleite: boon-Kunden mit Problemen, auch bei Apple-Pay - Bank nimmt Stellung

Wirecards boon-Angebot kommt angesichts der Insolvenz des Mutterkonzerns in operative Probleme. Bild und Copyright: Wirecard.

Wirecards boon-Angebot kommt angesichts der Insolvenz des Mutterkonzerns in operative Probleme. Bild und Copyright: Wirecard.

26.06.2020 18:33 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Wirecards Pleite ist bei den Aktionären mit dem drastischen Kurs-Crash der Aktie des Aschheimer Konzerns längst angekommen. Nun merken auch mehr und mehr die Kunden von Wirecards Sparte „boon.” die Folgen der Insolvenz. So berichten mehr und mehr User auf dem Kurznachrichtendienst, dass ihre „boon.”-Card bei Bezahlvorgängen nicht mehr akzeptiert wird. Auch bei der Nutzung von Apple Pay mit boon wurden die Zahlung abgelehnt.

Grund ist das heutige Eingreifen der britischen Financial Conduct Authority - kurz FCA, zusammen mit einem Teil der Bank of England die Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde im United Kingdom. Die FCA hat der Wirecard-Tochtergesellschaft Wirecard Card Solutions Limited, die ihren Sitz in Großbritannien hat, verboten, weiterhin regulierte Tätigkeiten auszuüben. Zudem wurde unter anderem verfügt, dass die Wirecard Card Solutions Limited keine Vermögenswerte oder Gelder veräußern dürfe. Die Behörde will so den Abfluss von Liquidität zur insolventen Konzernmutter Wirecard unterbinden. Das DAX-notierte Unternehmen hatte gestern Insolvenz angemeldet und angekündigt, auch für die Tochtergesellschaften solche Anträge zu prüfen.

Bisher gibt es für die Tochtergesellschaften zwar keine solche Anträge, aber offenbar reichlich Unruhe bei Geschäfts- und Privatkunden des Unternehmens. So weist die Wirecard Bank heute noch einmal in einem Statement darauf hin, „dass die Wirecard Bank AG nicht Teil des Insolvenzverfahrens der Wirecard AG ist”.

„Die BaFin hat für die Wirecard Bank AG bereits einen Sonderbeauftragten eingesetzt. Die Freigabeprozesse für alle Zahlungen der Bank liegen seitdem ausschließlich innerhalb der Bank und nicht mehr auf Gruppenebene. Mittelabflüsse an die insolvente Wirecard AG und Tochtergesellschaften sind unterbunden”, heißt es weiter von der wichtigsten Tochtergesellschaft des DAX-Konzerns, bei dem auch die Banklizenz der BaFin sowie die Lizenzen der beiden wichtigsten Kooperationspartner des Konzerns, den Kreditkarten-Unternehmen Mastercard und Visa, liegen. „Wir erwarten keinen Ausfall unserer operativen Prozesse bei der Zahlungsabwicklung für unsere Handelspartner. Mit unseren Partnern wie Visa und Mastercard stehen wir im intensiven Informationsaustausch”, so das Unternehmen.

Wichtig für boon-Kunden: Während „boon.” durch Wirecard Card Solutions Limited herausgegeben wird, steht die Wirecard Bank AG hinter dem Angebot „boon.planet”. Auch dies scheint aktuell für zusätzliche Verwirrung zu sorgen.

Die Wirecard Bank weist zudem auf die Sicherung der Einlagen hin. Das Unternehmen ist der gesetzlichen Einlagensicherung angeschlossen, die Guthaben von Privatpersonen bis zu 100.000 Euro pro Kunde absichert. Darüber hinaus ist die Wirecard Bank AG Mitglied im Einlagensicherungsfonds (ESF) des Bundesverbandes deutscher Banken e.V. (BdB) als freiwillige Einlagensicherung. Insgesamt seien Einlagen je Kunde damit in Höhe von bis zu 19,7 Millionen Euro abgesichert, heißt es.


Lesen Sie mehr zum Thema Wirecard im Bericht vom 26.06.2020

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Mit einem gestrigen Tradegate-Schlusskurs der Wirecard Aktie bei 3,00 Euro bringt es der insolvente DAX-Konzern nach wie vor auf eine Marktkapitalisierung von 371 Millionen Euro. Schaut man sich andere Insolvenzwerte an der Börse an, die nur noch wenige Millionen Euro „wert” sind, falls überhaupt, dann wird klar: Der Weg nach unten ist für den Aktienkurs, der im September 2018 rund um die DAX-Aufnahme bei 199 Euro sein Allzeithoch verzeichnete, noch sehr weit.

Es ist nicht unüblich bei Insolvenzfällen von Unternehmen mit „Fanclub”, dass wild über mögliche Rettungsversuche, versteckte riesige Bilanzwerte, von unmittelbar bevorstehenden Übernahmeangeboten und ähnlichen Dingen spekuliert wird. Was dabei meist übersehen wird: Seit dem Insolvenzantrag sind die Aktionäre nicht mehr die Gruppe, um die es geht, sondern die Gläubiger, deren Forderungen möglichst umfassend bedient werden sollen. Es ist ein Irrtum, dass am Ende solcher Prozesse noch irgendwas von ... diese News weiterlesen!

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