Wirecard: Die Banklizenz scheint in Gefahr - Aktie rauscht wieder in den Keller

Die Turbulenzen rund um die Bilanzen von Wirecard bedrohen die wichtigsten Geschäftsgrundlagen des Konzerns - unter anderem die Banklizenz und die Finanzierung. Bild und Copyright: Wirecard.

Die Turbulenzen rund um die Bilanzen von Wirecard bedrohen die wichtigsten Geschäftsgrundlagen des Konzerns - unter anderem die Banklizenz und die Finanzierung. Bild und Copyright: Wirecard.

24.06.2020 11:45 Uhr - Autor: Michael Barck  Michael Barck auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die schlechten Nachrichten für Wirecard reißen nicht ab. Dass sich die Kunden des Aschheimer Payment-Dienstleisters das Geschehen rund um Wirecards Bilanzskandal nicht gelassen anschauen werden, war zu erwarten. Erste größere Kunden wenden sich nun ab. Wie „Bloomberg” berichtet, wird der Uber-Konkurrent Grab Holding aus Singapur im Rahmen der Wirecard-Partnerschaft erst einmal keine Integrationsarbeiten vornehmen. Der französische Telekom-Konzern Orange soll bereits kurz vor der Vereinbarung einer neuen Partnerschaft mit einem Wirecard-Konkurrenten stehen, womit die Aschheimer auch hier außen vor wären. Andere Kunden wie die Aldi-Gruppe sind ebenfalls nervös und stehen in Gesprächen mit dem krisengeschüttelten DAX-Konzern, dessen Banklizenz (Wirecard Bank) aktuell alles andere als ungefährdet erscheint.

Dass die BaFin nun die Strafanzeige gegen Wirecard um den Verdacht der Marktmanipulation erweitert hat, verschlechtert die Lage des Payment-Dienstleisters massiv. Damit reagiert die Behörde auf jüngste Meldungen von Wirecard zum Bilanzskandal: Wirecard hatte in einer Ad-Hoc-Mitteilung vom 22. Juni eingeräumt, dass „die bisher zugunsten von Wirecard ausgewiesenen Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insg. 1,9 Mrd. Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen”. Auch beim seit Jahren umstrittenen Drittpartnergeschäft weicht Wirecard von seiner bisherigen Verteidigungsposition ab und räumt ein, dass „die bisherigen Beschreibungen des sog. Drittpartnergeschäfts (Third Party Aquiring) durch die Gesellschaft unzutreffend sind”. Man untersuche, „ob, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang dieses Geschäft tatsächlich zugunsten der Gesellschaft geführt wurde”, so Wirecard - im Klartext: Um welchen Betrag die bisherigen Zahlen zu hoch ausgewiesen wurden.

Entzieht die BaFin Wirecard die Erlaubnis für Bankgeschäfte?

Das Schicksal des noch im DAX notierten Fintech-Konzerns hängt damit weiter am seidenen Faden: Kurzfristig wird entscheidend sein, ob die Wirecard-finanzierenden Banken das Unternehmen weiter finanziell stützen oder ihre Kredite doch fällig stellen - was möglich wäre, nachdem Wirecard gegen Kreditnebenvereinbarungen, sogenannte Covenants, verstoßen hat. Passiert dies, gerät Wirecard in Insolvenzgefahr. Darüber hinaus wird entscheidend sein, ob die BaFin dem Konzern die Banklizenz entzieht, oder diese belässt - bisher hat sich die Aufsichtsbehörde trotz der laufenden Ermittlungen hierzu nicht geäußert.

Die Verhandlungen Wirecards mit den Banken und auch das Verhalten der Anleger, die bei Wirecard Bankeinlagen von - laut Neunmonatsbilanz 2019 - mehr als 1,7 Milliarden Euro unterhalten, könnten hier das Zünglein an der Waage spielen. Gerät der Konzern durch starken Abzug von Einlagen durch Privatkunden oder eine Kreditkündigung in Geldnot, ist die Banklizenz und damit Wirecards Geschäftsgrundlage endgültig auf das Höchste gefährdet.

Nach der jüngsten Erholungsbewegung der Wirecard Aktie vom Crash-Tief bei 12,995 Euro auf heute zwischenzeitlich erreichte 19,80 Euro sinkt Wirecards Aktienkurs im Tagesverlauf am Mittwoch wieder in den Keller. Das bisherige Tagestief notiert bei 13,332 Euro.


Lesen Sie mehr zum Thema Wirecard im Bericht vom 23.06.2020

Wirecard und die Übernahmegerüchte: Was ist dran? - Faktencheck

Der Crash der Wirecard Aktie ließ - wie so oft in vergleichbaren Fällen - ein neues Gerücht entstehen. Der Konzern könne jetzt vor einer Übernahme stehen, wo die Aktie im Vergleich doch so billig geworden sei. Im reinen Kurs-Vergleich ist sie das, zumindest oberflächlich betrachtet: Bei 199 Euro wurde im September 2018 kurz vor der Aufnahme der Wirecard Aktie in den DAX das Allzeithoch notiert. Gestern ging der immer noch im DAX befindliche Titel mit 14,44 Euro aus dem Handel, zuvor wurde ein neues Crash-Tief im XETRA-Handel bei 12,995 Euro notiert. Mehr als 90 Prozent an Wert gingen verloren. Doch das allein macht die Wirecard Aktie noch lange nicht tatsächlich günstig und den Konzern noch lange nicht zum Übernahmekandidaten - ein Faktencheck.

Wer könnte Wirecard übernehmen?
Theoretisch wäre Wirecard auf dem jetzigen Bewertungsniveau von nur noch rund 1,6 Milliarden Euro für die „Großen” der Branche nur ein kleiner Happen. ... diese News weiterlesen!

Auf einem Blick - Chart und News: Wirecard

Exklusiv-Berichte und Interviews aus der 4investors Redaktion:

Eyemaxx-Vorstand Michael Müller im Exklusiv-Interview mit der 4investors-Redaktion.Eyemaxx: „Ich sehe hier deutliches Aufholpotenzial“

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - Wirecard

10.07.2020 - Wirecard, Rendite mit Lego und neue Kurven fürs Parkett - Börse München Kolumne
10.07.2020 - Wirecard Aktie: Für Aktionäre gibt es hier nichts mehr zu holen
09.07.2020 - Wirecard Aktie: Wer jetzt einsteigt, kann immer noch 100 Prozent verlieren
08.07.2020 - Wirecard: Der nächste Großkunde ist weg
08.07.2020 - Wirecard Aktie - ein Irrsinn: 400 Millionen Euro Börsenwert - wofür eigentlich? - Kommentar
07.07.2020 - Wirecard Aktie: Was ist denn hier am Nachmittag plötzlich los?
07.07.2020 - Wirecard bleibt „einzigartig” in vieler Hinsicht: Öffnen sich die EY-Berichte auch für Aktionäre?
06.07.2020 - Wirecard: Der nächste Abschied
06.07.2020 - Wirecard: Ein weiterer Manager ist in Haft
06.07.2020 - Wirecard: Französischer Großaktionär zieht sich zurück
06.07.2020 - Wirecard Aktienkurs bricht ein - es wird immer deutlicher: Diese Spekulation geht nicht auf
06.07.2020 - Wirecard Aktie: Dem „Insolvenz-Zock” zieht es die Beine weg
04.07.2020 - Wirecard: Entwicklung hätte man früher erkennen können - DVFA Kolumne
03.07.2020 - Aufarbeitung der Wirecard-Pleite: Der Wochen-Rückblick - Börse München Kolumne
03.07.2020 - Wirecard: Amerikanische Investoren verringern ihr Engagement
03.07.2020 - Wirecard Aktie leicht im Plus: Gerüchte um die Deutsche Bank
02.07.2020 - Wirecard: Die nächsten Pleiten - Insolvenzgeld für drei Monate gesichert
02.07.2020 - Wirecard: Amerikanischer Fast-Ausstieg
02.07.2020 - Wirecard: Die großen Kunden laufen davon - Aktie bricht ein
02.07.2020 - Wirecard Aktie: Kehrt endlich Realität ein? Softbank will raus!

DGAP-News dieses Unternehmens

30.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Kündigung Anstellungsvertrag Dr. Markus Braun ...
27.06.2020 - DGAP-News: Die Wirecard AG informiert Kunden und Partner zum laufenden ...
25.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Antrag auf Eröffnung eines ...
25.06.2020 - DGAP-News: Wirecard AG: Unternehmensstatement zum ...
22.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Stellungnahme des Vorstands zur aktuellen Lage des ...
22.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Jan Marsalek als Vorstand abberufen, Anstellungsvertrag außerordentlich ...
19.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Markus Braun tritt mit sofortiger Wirkung als Vorstand zurück; James ...
19.06.2020 - DGAP-News: Wirecard AG ...
19.06.2020 - DGAP-News: Wirecard AG: Mandat zur Planung einer nachhaltigen ...
18.06.2020 - DGAP-Adhoc: Wirecard AG: Veröffentlichungstermin für Jahres- und Konzernabschluss 2019 verschoben ...

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.