USA: Nur marginaler – nicht blitzsauberer – Rebound der Industrieproduktion!

Bild und Copyright: gary yim / shutterstock.com.

Bild und Copyright: gary yim / shutterstock.com.

16.06.2020 17:18 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben sind von der Federal Reserve aktuelle Daten zur Industrieproduktion der USA veröffentlicht worden. Die Zahlen für den Monat Mai standen erneut im Fokus der Marktteilnehmer, da es nach dem Einbruch der Industrieproduktion im April zu beobachten galt, wie stark die Erholung im Mai ausgefallen ist. Die Prognosen der monatlichen Veränderungsrate gingen jedenfalls nach zwei Monaten in Folge im negativen Bereich nun für Mai wieder von einem (leichten) Zuwachs aus.

So kam es dann auch: Im Monat Mai verzeichnete die Industrieproduktion einen Anstieg um 1,4% M/M. Das ist erfreulich, aber dennoch leicht enttäuschend: Dem größten Einbruch seit dem Jahr 1919 (im April) und dem stärksten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg (im März) folgte nun ein vergleichsweise nur sehr moderates Plus! Zudem wurde auch noch der April-Wert leicht nach unten revidiert. Das ist nicht überzeugend – letztlich immerhin aber eine Art von Bodenbildung!

Einen etwas deutlicheren Anstieg um 3,8% M/M wies die Produktion exklusive der volatileren Komponenten Bergbau und Kraftwerke auf, die um 2,3% M/M bzw. 6,8% M/M fielen. Die Kapazitätsauslastung stieg entsprechend auf 64,8%. Allein der Fahrzeugbau sprang mit 120,8% M/M (nach

-72% M/M und -30% M/M) wieder massiv wieder in die Höhe, wohingegen Maschinenbau (-1,2% M/M) und Elektronik (-0,3% M/M) nachgaben. Ernüchternd bleibt die Jahresrate mit -15%.

Besonders im Blick stehen auch die Ausrüstungsinvestitionen, die zwar nur knapp 1/10 der gesamten Produktion ausmachen, aber oftmals als guter Indikator für den entsprechenden Wachstumsbeitrag in der BIP-Berechnung herangezogen werden. Mit dem Anstieg um nur 5,8% M/M (nach

-23% und -7,8%) bleiben starke Einbußen der Ausrüstungen für das BIP im II. Quartal einzuplanen.

Die Produktionsdaten deuten – im Gegensatz zu den zuvor veröffentlichten blitzsauberen Einzelhandelsumsätzen – noch nicht ganz so eindeutig ein Ende der katastrophalen Situation an. Heil ist die Welt noch nicht! Bei der Produktion ist nur eine Bodenbildung feststellbar, die aber, vergleichen mit düsteren Prognosen im April und Mai, sicherlich früher eingetreten ist als von einigen Marktteilnehmern befürchtet. Immerhin könnte jedoch mit einer nochmaligen leichten Verbesserung im Juni das II. Quartal bereits ein Stückchen weniger dramatisch ausgefallen sein – als bisher befürchtet.

Erst langsam wird ein Wiederhochfahren der Produktion erfolgen können, will man nicht eine zweite Ausbreitungswelle riskieren. Auch innerhalb der Betriebe bleibt eine Verunsicherung bestehen. Der Tiefpunkt dürfte aber Im April bereits erreicht worden sein: Die gestern veröffentlichen Juni-Daten zum New Yorker Empire State Survey lassen mit einem „Rebound“ von April bis Juni um über 75 Punkten (-78,2 auf -0,3 Punkte) erkennen, dass die Stabilisierung bereits erfolgt ist. Mehr aber auch noch nicht! Es dürfte ein mühsames „hochkrabbeln“ aus den Tiefen der Rezession werden.

Fazit: Im Mai verzeichnete die US-Industrieproduktion einen marginalen – aber keinen blitzsauberen – „Rebound“ um 1,4% M/M (nach Rückgängen von zuvor -12,5% und -4,6%). Nach dem stärksten Monatseinbruch seit 100 Jahren sieht es damit zunächst nur nach einem Tropfen auf dem heißen Stein aus. Immerhin ist aber eine Bodenbildung erfolgt – und das bereits im Mai. Das ist besser als einige Pessimisten zwischenzeitlich erwartet hatten. Doch der Weg aus dem Tal der Tränen wird nun langsam erfolgen können: Die globalen Lieferketten scheinen fragil, die Angst vor einer zweiten Welle bleibt, solange dürften auch Konsumenten gewisse Freuden genommen werden. Erst ein Medikament könnte Perspektiven für eine richtige Besserung schaffen. Dennoch mehren sich mittlerweile die Silberstreifen am Horizont: Sowohl eine äußerst expansive Geld- als auch Fiskalpolitik dürften zudem im 2. Halbjahr für signifikanten Rückenwind sorgen, welche – wenn es nicht zu einer erneuten Ausbreitungswelle des Virus kommt – zu einer ordentlichen Erholung führen könnte.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!


Lesen Sie mehr zum Thema S&P 500 im Bericht vom 16.06.2020

US-Einzelhandelsumsätze: Hinweise auf das Ende einer „Blitz-Rezession“? - Nord LB Kolumne

Vor einigen Minuten sind in den USA aktuelle Daten zur Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im Berichtsmonat Mai über die Nachrichtenticker gelaufen. Aufgrund der ausgeprägten Schwäche im Vormonat und der im Mai in vielen Bundesstaaten eingeleiteten Öffnung der Wirtschaft nach dem „Lockdown“ war grundsätzlich mit erfreulichen Zahlen zum Konsumverhalten in den USA zu rechnen gewesen. Der nun gemeldete Anstieg der Headline-Zeitreihe um sehr beachtliche 17,7% M/M stellt aber trotz der bereits ambitionierten Erwartungshaltung der interessierten Beobachter eine extrem positive Überraschung dar – zumal die Daten für April nach oben revidiert worden sind (von -16,4% M/M auf nun -14,7% M/M). Der US-Konsument scheint somit wieder eine verlässliche tragende Säule des Aufschwungs in den Vereinigten Staaten werden zu können. Dies sind auch gute Nachrichten für die Weltwirtschaft. Die Details der Zahlen offenbaren ebenfalls einige sehr erfreuliche Fakten. So zogen die Umsätze ... diese News weiterlesen!

Auf einem Blick - Chart und News: S&P 500

4investors-Newsletter

Exklusive Interviews und Analysen für Sie aus der 4investors-Redaktion!

Der Newsletter ist kostenlos. Sie können den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Wir speichern Ihre Mailadresse ausschließlich zum Versand des Newsletters und geben diese nicht weiter! Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

4investors-News - S&P 500

29.09.2020 - S&P 500 bleibt angeschlagen - UBS-Kolumne
22.09.2020 - S&P500: Abprall am Fibonacci-Fächer hat Folgen - UBS-Kolumne
15.09.2020 - S&P500: 10er-EMA kurzfristig entscheidend - UBS-Kolumne
08.09.2020 - S&P500: Neuer Kursanstieg? - UBS-Kolumne
05.09.2020 - Für ein paar Dollar mehr - Weberbank-Kolumne
01.09.2020 - S&P 500: Fibonacci-Fächer im Fokus - UBS-Kolumne
25.08.2020 - S&P 500: Neues Allzeithoch - UBS-Kolumne
11.08.2020 - S&P500: Kurz unterm Allzeithoch - UBS-Kolumne
04.08.2020 - S&P500: Widerstand um 3’300 Punkte erreicht - UBS-Kolumne
30.07.2020 - USA: Historischer BIP-Einbruch markiert eine „Once-in-a-Lifetime-Recession“! - Nord LB Kolumne
28.07.2020 - S&P500: Abwärtskorrektur beendet? - UBS-Kolumne
21.07.2020 - S&P 500: Auf zu neuen Hochs - UBS-Kolumne
14.07.2020 - S&P500: Aufwärtstrend weiter intakt - UBS-Kolumne
13.07.2020 - Aktienmarkt: Der frühe Vogel fängt den Wurm? - Weberbank-Kolumne
07.07.2020 - S&P 500: Hochlauf zur oberen Trendkanalbegrenzung? - UBS-Kolumne
30.06.2020 - S&P500: Unterstützung bei 3’000 Punkten im Fokus - UBS-Kolumne
29.06.2020 - Aktienmarkt: „Big Techs“ führen den fröhlichen Autokorso an - Weberbank-Kolumne
23.06.2020 - S&P500: In der Seitwärtsbewegung - UBS-Kolumne
22.06.2020 - Liquidität macht abhängig, Investoren steht ein heißer Sommer bevor - Weberbank-Kolumne
12.06.2020 - US-Zinskurve wird steiler, hat das was zu bedeuten? - DWS Kolumne

DGAP-News dieses Unternehmens

Stammdaten dieses Wertpapiers: WKN/ISIN, Börse etc.