EZB weitet Anleihekaufprogramm überraschend stark aus - Commerzbank Kolumne

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05.06.2020 09:16 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die EZB hat das Anleihe-Kaufprogramm PEPP um 600 Mrd. auf 1.350 Mrd. Euro aufgestockt. Bisher lag das Volumen bei 750 Mrd. Euro. Würde die EZB die Geschwindigkeit der Anleihekäufe beibehalten, wäre das Volumen im Oktober ausgeschöpft. Es zeichnete sich daher bereits eine Ausweitung schon ab, die aber höher ausfiel als erwartet (500 Mrd. Euro). Außerdem hat die EZB beschlossen, die Fälligkeiten des Kaufprogramms PEPP bis mindestens Ende 2022 vollständig zu reinvestieren. Für den Kauf von sogenannten „Fallen Angels“, also Anleihen deren Rating vom Investment Grade auf Junk Bond Status gesenkt wurden, konnte sich der EZB-Rat nicht durchringen.

EZB-Chefin Christine Lagarde rechnet im 2. Quartal mit einer beispiellosen Schrumpfung der Wirtschaft im Euroraum. Allerdings zeige die Wirtschaft eine Bodenbildung. Die Wachstumsprognosen wurden kräftig nach unten genommen. So rechnet die Notenbank für dieses Jahr mit einem BIP-Rückgang um 8,7% und im nächsten Jahr mit einem Wachstumsanstieg auf +5,2%. Auch die Inflationsprojektionen wurden stark gesenkt. Für dieses Jahr wird mit einem Inflationsanstieg von 0,3% (vorher 1,1%), im nächsten von 0,8% (bisher 1,4%) und 2021 von 1,3% (vorher 1,6%) gerechnet. Im Konflikt mit dem Bundesverfassungsgericht zeigte sich Lagarde zuversichtlich, dass eine gute Lösung gefunden werde.

Die Marktbewegungen bei Euro-Staatsanleihen waren sehr euphorisch. So setzte während der Pressekonferenz eine starke Spreadeinengung ein. Die Spreads bei 10-jährigen italienischen Staatsanleihen gingen um 20 Bp., bei griechischen um 15 Bp. und bei spanischen um 10 Bp. zurück. Der Euro setzte seine Erholung fort und stieg auf über 1,1350 US-Dollar. Die Beschlüsse der EZB haben wieder einmal positiv überrascht und lassen erwarten, dass weitere Lockerungen möglich sind.

Anleihen


Deutschland: Auftragseingänge Industrie (Apr), 8 Uhr
USA: Arbeitsmarktbericht (Mai), 14:30 Uhr

Das am Mittwoch beschlossene Konjunkturpaket, mit dem die Regierung der deutschen Wirtschaft aus der Krise helfen will, wurde gestern von Analysten und Ökonomen überwiegend positiv beurteilt. Es enthält zahlreiche sinnvolle Maßnahmen: So dürfte die befristete Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent zu Vorzieheffekten führen und quasi als Starthilfe wirken. Das Finanzpaket für die Kommunen wirkt der Gefahr entgegen, dass dringend nötige Investitionen u.a. in Schulen als Folge der Pandemie aufgeschoben werden. Der einmalige Zuschuss von 300 Euro pro Kind hilft den besonders belasteten Familien. Und die Deckelung der EEG-Umlage verhindert einen Anstieg der Stromkosten. Die Popularität der Kanzlerin dürfte weiter zunehmen. Erfreulich ist, dass jetzt Geld- und Fiskalpolitik an einem Strang ziehen, um möglichst schnell aus der Rezession herauszukommen. In Hinblick auf die Inflationsgefahren wirkt es aber so, als fahre man gemeinsam mit Vollgas in eine Nebelwand. Das kann gut ausgehen – man bedenke aber, dass das über die Fiskalpolitik verteilte Geld viel direkter auf die Nachfrage und damit auf den Preisauftrieb wirkt als bislang die Milliarden der Geldpolitik. Apropos Milliarden – die Europäische Zentralbank hat ihr Anleihekaufprogramm um 600 Mrd. Euro aufgestockt und mindestens bis Juni 2021 verlängert. Fälligkeiten sollen bis Ende 2022 reinvestiert werden (vgl. „Im Blickpunkt“). Für einen ersten konjunkturellen Lichtblick sorgt die Autobranche in Deutschland: Wurden im April praktisch keine Autos produziert, so waren es im Mai schon etwa 40% des normalen Niveaus. Die Auftragseingänge im April fielen dagegen noch schwächer aus als befürchtet. Gegenüber März gingen die Orders noch einmal um 25,8% zurück und liegen nun etwa 37% unter dem Niveau zum Jahreswechsel.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nach dem bisher fulminanten Kursverlauf in dieser Woche legten die europäischen Aktienbörsen gestern eine leichte Verschnaufpause ein. Weder das Konjunkturpaket der deutschen Regierung noch die unerwartet starke Aufstockung des Corona-Krisen-Notfallkaufprogramms durch die Europäische Zentralbank konnten dauerhaft für weitere Kauflaune sorgen. Allerdings hielten sich die Abschläge deutlich in Grenzen. Verkaufsdruck kam angesichts der Enttäuschung darüber, dass sich die deutsche Regierung gegen Kaufprämien für Verbrennungsmotoren entschieden hat, lediglich bei der Automobilbranche (-1,6%) auf. Im Dax 30 nahmen neben den Titeln von Vonovia (+3,9%) die Aktien von HeidelbergCement (+3,4%) am Tag der Hauptversammlung des Baustoffkonzerns die Spitzenposition ein. Deutlichere Abschläge verbuchten hingegen nach den starken Kursanstiegen der bisherigen Woche die Anteilscheine von Continental (-4,1%) und MTU (-3,0%). Stärkste Sektoren im Euroraum waren Medien (+1,5%), Banken und Immobilien (jeweils +1,1%). Auch die Wall Street startete verhalten in den neuen Handelstag, allerdings konnte der Dow Jones letztendlich noch ein kleines Plus verbuchen. Klarer Favorit im marktbreiten S&P 500 war die Aktie von American Airlines (+41,1%). Die Fluglinie hatte verkündet, dass sie ab Juli wieder den Betrieb aufnehmen wird. In ihrem Sog konnten auch United Airlines (+16,2%) und Delta Airlines (+13,7%) deutlich zulegen. Im Dow Jones standen die Aktien von Boeing (+6,4%) an der Indexspitze, die damit ihren Vortagesgewinn ausbauten. Während die meisten Branchen schwächer tendierten, konnten neben der Industrie (+1,1%) vor allem Banken (+2,0%) zulegen. Die asiatischen Börsen entwickeln sich heute Morgen uneinheitlich.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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