Bank of Japan: Mit QE gegen die Krise - Nord LB Kolumne

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27.04.2020 10:47 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Die japanischen Notenbanker wollten die Finanzmärkte heute offenkundig nicht wirklich überraschen. Die Zentralbanker in Tokio haben entsprechend keine konkreten Anpassungen an der Ausrichtung ihrer Zinspolitik vorgenommen. Der „traditionelle“ Leitzins und die Zielrendite für japanische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren verharren somit auch weiterhin auf unverändertem Niveau. An dieser Stelle konnte allerdings einmal mehr kein Konsens unter den Offiziellen der Bank of Japan erzielt werden; Goushi Kataoka stimmte gegen diese Entscheidung und sprach sich für zügige Zinssenkungen aus. Er betonte angesichts der aktuellen Krise zudem die Notwendigkeit einer engeren Koordinierung der Geld- und Fiskalpolitik in Japan.

Innerhalb der Notenbank scheint es beim Blick auf den Markt für japanische Staatsanleihen aktuell in der Tat gewisse Sorgen zu geben. Die heutigen Anmerkungen des Notenbankchefs Haruhiko Kuroda zeigen, dass die Bank of Japan zumindest zwischenzeitlich eine Verringerung der Liquidität des japanischen Staatsanleihemarktes diagnostiziert hat. Kuroda gab in diesem Kontext klar zu verstehen, dass man derzeit keinen Anstieg der Rendite von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren akzeptieren werde. Bei Bedarf zeigt sich die Notenbank in Tokio daher nun auch bereit, heimische Staatsanleihen auch in unlimitierten Umfang zu kaufen. Kuroda betonte zudem, dass es ohne jeden Zweifel notwendig sei, die Zinsstrukturkurve Japans stabil auf einem niedrigen Niveau zu verankern. Er sagte auch, dass es die Bank of Japan akzeptieren würde, wenn die 10J Rendite von Staatsanleihen leicht unter die Marke von 0% fiele.

Kuroda betonte zudem die Notwendigkeit, die Stabilität der japanischen Finanzmärkte zu erhalten. Ein zu flacher Verlauf der Zinsstrukturkurve wäre von der Zentralbank nicht gewünscht. Finanzintermediäre müssten ihre Rolle weiterhin wahrnehmen können. Die Bank of Japan macht sich aktuell offenkundig größere Sorgen um die Finanzierungsmöglichkeiten der japanischen Unternehmen. Der Notenbankchef gab gewisse Bedenken bezüglich der Stabilität des Marktes für japanische Unternehmensanleihen zu Protokoll. In diesen Kontext dürfte der Beschluss der Bank of Japan zu stellen sein, ihre Käufe von Corporate Bonds hochzufahren.

Mit Blick auf die Wirtschaft Japans betonte Kuroda die Belastungen, die sich durch die Coronavirus-Krise für die Ökonomie des Landes ergeben würden. Exporte und Produktion stünden unter Druck. Im 2. Halbjahr sollte sich die Lage aber wieder bessern. Das Inflationsziel der Notenbank könne in diesem Umfeld zunächst nicht erreicht werden, bleibe nach Aussage Kurodas aber perspektivisch im Fokus der Bank of Japan. Deflationsgefahren sehe er auch weiterhin nicht.

Fazit: Die japanische Notenbank hat erwartungsgemäß keine Veränderungen an ihrer Zinspolitik vorgenommen. Der Zentralbankchef betonte in diesem Kontext, dass Zinssenkungen eine der weiteren Optionen der Bank of Japan sein könnten, auf die aber erst bei Bedarf zurückgegriffen werden sollte. Noch setzt die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte der Notenbank offensichtlich darauf, sich mit „Quantitative Easing“ voll gegen die Coronavirus-Krise zu stemmen. Nur eine hochrangiger Zentralbanker votierte bereits am aktuellen Rand für Zinssenkungen.

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