STEMMER IMAGING: „Wir sind die Gewinner von Back-shoring“

STEMMER IMAGING: CEO Arne Dehn im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de: „Bildverarbeitung ist und bleibt ein Enabler für die Digitalisierung und es gibt weiterhin interessante Wachstumssegmente.“ Bild und Copyright: STEMMER IMAGING.

STEMMER IMAGING: CEO Arne Dehn im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de: „Bildverarbeitung ist und bleibt ein Enabler für die Digitalisierung und es gibt weiterhin interessante Wachstumssegmente.“ Bild und Copyright: STEMMER IMAGING.

23.04.2020 07:40 Uhr - Autor: Robin Lohwe  Robin Lohwe auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die STEMMER IMAGING AG hat das Rumpfgeschäftsjahr 2019 trotz eines rückläufigen Branchenumfelds mit einem leichten organischen Wachstum und einem deutlicheren Plus beim Auftragseingang abgeschlossen. Ergebnisseitig belasteten Vorzieheffekte, wie CEO Arne Dehn im Gespräch mit der Redaktion von www.4investors.de erläutert: „Wir haben entschieden, zukünftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Erwerb der ELVITEC S.A.S. und weitere organisatorische Anpassungen in das geplante Rumpfgeschäftsjahr vorzuziehen, mit dem Ziel, künftig nicht-bereinigte Ergebnisse auszuweisen.“ Er sieht STEMMER IMAGING als Gewinner von Back-shoring und dem Trend hin zu mehr Regionalität. Besondere Wachstumspotenziale bieten dem Spezialisten für industrielle Bildverarbeitung u. a. die Bereiche Medizin und Gaming wie auch Sportapplikationen. Die mittelfristigen Ziele stehen.


www.4investors.de: Herr Dehn, STEMMER IMAGING hat im Rumpfgeschäftsjahr 2019 seine Umsatzguidance erreicht. Wie haben Sie es in einem deutlich rückläufigen Branchenumfeld geschafft, organisch um 0,4 Prozent zu wachsen?

Dehn:
Die Branche der industriellen Bildverarbeitung hat in 2019 laut VDMA tatsächlich ein rückläufiges Marktvolumen von minus 8 Prozent ausgewiesen. STEMMER IMAGING konnte sich erneut deutlich über dem Marktniveau entwickeln, wobei uns hierbei unsere breite Aufstellung, sowohl was unsere Präsenz in allen europäischen Ländern als auch unsere Abdeckung vieler Endmärkte betrifft, zugutekommt. Diese Stärke haben wir in den vergangenen Jahren aufbauen können und wir werden sicherlich auch in Zukunft davon profitieren. Bildverarbeitung ist und bleibt ein Enabler für die Digitalisierung und es gibt weiterhin interessante Wachstumssegmente. Denken Sie beispielsweise nur aktuell an die Lebensmittelverpackungen, die durch die Corona-Hygienevorschriften Vortrieb erhalten. Diese Wachstumschancen zu erkennen und nutzen, bleibt unser Ansporn.

www.4investors.de: Inwiefern war der Anstieg des Auftragseingangs auf 62,9 Millionen Euro auch eine Folge der Optimierung Ihrer Vertriebsstrategie?

Dehn:
Unser Vertrieb ist vor allem lokal aufgestellt und wir schaffen es durch eine effiziente Struktur, unsere geballte Bildverarbeitungskompetenz bis vor Ort zum Kunden zu bringen. Letztendlich gewinnen wir Kunden dadurch, dass wir Ihnen komplexe Technologie passgenau für ihre Anwendung und mit hohem Einsatznutzen und damit schnellem Return on Investment zugänglich machen. Dies erreichen wir durch die hohe Beratungskompetenz unseres Vertriebes, ergänzt durch Mehrwertdienste und passgenaue Lösungen bis hin zur Umsetzung und Materiallieferung. Wir sehen aktuell, dass Kunden gerade auf diese Kompetenzen in kritischen Marktphasen Wert legen und auf uns als starken Partner setzen.

www.4investors.de: Sie sprechen davon, dass das Schlussquartal ergebnisseitig durch „erhöhte operative Kosten belastet“ war. Könnten Sie dies bitte näher erläutern? Waren dies im Wesentlichen Einmalfaktoren?

Dehn:
Wir hatten zum 4. Quartal 2019 angekündigt, zukünftige Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Erwerb der ELVITEC S.A.S. und weitere organisatorische Anpassungen in das geplante Rumpfgeschäftsjahr vorzuziehen, mit dem Ziel, künftig nicht-bereinigte Ergebnisse auszuweisen. Darüber hinaus haben wir kurzfristige Abrufaufträge mit überdurchschnittlich ressourcenintensivem Projektgeschäft zum Jahresschluss gesehen, die so in unserer Prognose nicht berücksichtigt waren. Beide Effekte haben das Konzernergebnis belastet. In Summe sehen wir uns durch das Vorziehen von Kosten besser für die Realisierung unserer strategischen Ziele in der Zukunft aufgestellt.

www.4investors.de: Sie sprechen von einer Ergebnisbelastung durch das „überdurchschnittlich ressourcenintensive Projektgeschäft“. Welche Lehren haben Sie aus dieser nicht plangemäßen Entwicklung gezogen?

Dehn:
Agilität ist gerade in der jetzigen sehr volatilen Zeit eine Qualität, die es gilt in der Organisation fest zu verankern. Das betrifft Produktentwicklung wie auch operative Abteilungen gleichermaßen. Daher haben wir bereits im vergangenen Jahr in den operativen Einheiten auf die Einführung von Lean Management und auf Optimierung der operativen Prozesse gesetzt. Ein durchgängiges Supply Chain Management, angefangen vom Lieferantenmanagement bis hin zur Einsatzplanung in der Fertigung, wird uns dabei zukünftig helfen, noch flexibler Produkt- und Projektmixeffekte abzufedern.

www.4investors.de: Blicken wir auf das laufende Geschäftsjahr: Wie stark war bei Ihnen bereits das erste Quartal 2020 von der Corona-Krise geprägt und wie sieht es im laufenden zweiten Quartal aus?

Dehn:
Wir haben ab Mitte Februar sehr intensiv unsere Lieferketten aus Asien verfolgt, um Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen und zu managen. Natürlich haben wir im weiteren Verlauf des 1. Quartals zunehmend Maßnahmen zur Vermeidung von gesundheitlichen Risiken für Mitarbeiter und Geschäftspartner ergriffen. In den vergangenen Wochen haben wir uns mit Erfolg sehr eng mit unseren Kunden abgestimmt, um deren Belieferungssituation zu verstehen und bestmöglich zu bedienen. Möglicherweise sind dadurch im 1. Quartal 2020 Vorzieheffekte entstanden. Regional sind die Effekte der durch die Corona-Pandemie notwendigen Eindämmungsmaßnahmen sehr unterschiedlich. So sind Länder wie Frankreich, Spanien und UK derzeit stärker betroffen als die Schweiz, die Niederlande und Skandinavien. Unsere breite regionale Aufstellung macht uns hier nicht komplett abhängig von einem oder wenigen Einzelmärkten.

www.4investors.de: In welchem Maße erschwert die aktuelle Krise die Integration der zuletzt zugekauften Töchter, der französischen ELVITEC S.A.S., der Beteiligung an der österreichischen Perception Park und der spanischen Infaimon S.L.U.?

Dehn:
Dadurch, dass wir unsere Akquisitionen zeitnah erfolgreich integrieren konnten, haben wir hier keinerlei besondere Themen, die uns Kopfschmerzen bereiten. Im Gegenteil, wir haben bereits im vergangenen Jahr unsere Skaleneffekte gut umsetzen können, was man unter anderem an der Verbesserung unserer Rohertragsmarge auf 35,9 Prozent gegenüber 33,7 Prozent im Vorjahr gut ablesen kann.

www.4investors.de: Was bedeutet die aktuelle Situation für Ihre Positionierung als führender Anbieter im Bereich Artificial Vision und Ihre mittelfristigen Unternehmensziele?

Dehn:
Natürlich macht die derzeitige gesamtwirtschaftliche Lage Maßnahmen erforderlich, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern und um die Profitabilität des Unternehmens zu stützen. Aber unsere strategische Ausrichtung steht und die absehbaren Entwicklungen hin zu einem „New Normal“ bestätigen diese geradezu. Wir sehen doch aktuell, dass nicht-industrielle Anwendungen im Medizinbereich gepaart mit künstlicher Intelligenz viel schneller vorangetrieben werden. Ebenso sehen wir, dass Gaming und Sportapplikationen im Kontext von absehbar anhaltenden eingeschränkten Reisemöglichkeiten weiterhin Auftrieb erhalten. Alles Themen, die wir mit Artificial Vision bereits besetzen und die wir zum Ausbau unserer Marktposition nutzen wollen. Und wir sind die Gewinner von Back-shoring und von derzeit vielfach überdachten Supply Chain Strategien hin zu mehr Regionalität. An unserem mittelfristigen Ziel, auf ein Umsatzniveau von mehr als 200 Millionen Euro bei einer EBITDA-Umsatzrendite von 10 bis 12 Prozent zu wachsen, halten wir unverändert fest.

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