Ölpreis im freien Fall - Commerzbank Kolumne

An den Terminbörsen für Öl spielen sich angesichts fehlender Lagerkapazitäten derzeit regelrechte Dramen ab - bis hin zu negativen (!) Preisen für das Barrel Öl. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

An den Terminbörsen für Öl spielen sich angesichts fehlender Lagerkapazitäten derzeit regelrechte Dramen ab - bis hin zu negativen (!) Preisen für das Barrel Öl. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

21.04.2020 09:04 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Der Preis für WTI fiel gestern im Tief auf -40 $/Fass (MaiKontrakt). Auch wenn er sich heute Morgen auf 1 $/Fass erholen kann, so heißt das nicht, dass dies ein einmaliger Ausrutscher war. Denn erst heute wird der Mai-Kontrakt fällig und die Lagerkapazitäten in Cushing sind nahezu ausgeschöpft. Kann jemand den Kontrakt nicht verkaufen, dann bekommt er das Öl und er steht wegen fehlender Lagermöglichkeiten vor einem Dilemma. Das Problem ist wohl auch deswegen eskaliert, da am Terminmarkt ein hoher Kaufüberhang bei WTI besteht. Bei Brent, der europäischen Benchmarksorte, ist der Verfalltermin erst am 30. April. Ob es auch hier zu einem ähnlichen Preisrutsch kommt, bleibt abzuwarten. Der Kaufüberhang ist aber viel niedriger.

Anleihen


Großbritannien: Arbeitsmarktbericht (März), 08:00 Uhr
Deutschland: ZEW-Index (April), 11:00 Uhr
USA: Verkäufe bestehender Häuser (März), 16:00 Uhr

Gestern stieg die Risikoaversion an den Märkten wieder etwas an. Der Future-Preis für amerikanisches Rohöl (WTI) fiel gestern erstmals seit Aufnahme des Future-Handels 1983 in den negativen Bereich. Es ist eine Folge des Nachfragerückgangs wegen der Coronakrise und bedingt durch den heute verfallenden Mai-Terminkontrakt. Als Folge der Ölschwemme drohen die Lagerkapazitäten knapp zu werden. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ging ebenfalls zurück, aber deutlich weniger. Die Turbulenzen an den Ölmärkten haben gestern wieder die Risikoaversion erhöht. Trotzdem stiegen die Renditen von Bundesanleihen leicht an. Die Spreads im Euroraum haben sich wieder deutlich ausgeweitet. Bei 10-jährigen italienischen Staatsanleihen stiegen sie um bis zu 15 Bp. ggü. entsprechenden Bundesanleihen. Am Donnerstag findet das nächste Eurogruppentreffen statt, bei der eine Erhöhung der Ausgaben für die Zeit nach der Coronakrise zur Debatte steht. Im Gespräch bleibt weiterhin die Einführung von Coronabonds, die Italien fordert, Deutschland aber ablehnt. Mitglieder des EZB-Rats plädiert außerdem für die Einrichtung einer Bank für faule Kredite (Bad Bank). Trotz erster Lockerungsmaßnahmen in der Coronakrise, rechnet die deutsche Bundesbank nicht mit einer schnellen wirtschaftlichen Erholung in Deutschland. Substanzielle Restriktionen müssten bestehen bleiben, bis eine medizinische Lösung verfügbar sei, schrieb sie in ihrem Monatsbericht. Auch Kanzlerin Merkel betonte gestern, dass man noch nicht über dem Berg sei. Die spanische Notenbank geht von einer Schrumpfung des BIP in Spanien um 9,5% aus. Schlimmstenfalls kann es bis 12,4% zurückgehen, bestenfalls 6,8%, was immer noch mehr wäre als in der Finanzkrise 2008/2009.

Aktien


Europa: SAP, Reckitt Benckiser, Q1/2020
USA: Coca Cola, Lockheed Martin, Netflix, Texas Instruments Q1/2020

Der Wochenauftakt gestaltete sich an den Aktienmärkten in Europa ruhig allerdings auch orientierungslos. Nach leichten Gewinnen zu Handelsbeginn bröckelten die Kurse im Verlauf ab, festigten sich dann mit einem zunächst eingegrenzten Minus an der Wall Street wieder. Der DAX ging schließlich mit einem kleinen Plus von 0,5% aus dem Handel. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 legte 0,7% zu. Europaweit waren Gesundheit (+1,9%) und Gebrauchsgüter (+1,7%) die besten Branchen, Versorger (-0,6%) lagen am Ende. Starke Auftragszahlen bei Philips (+6%) ließen Medizintechnikhersteller profitieren. Siemens Healthineers (+2,9%), Sartorius Vz. (+6,5%) sowie Drägerwerk (+4,1%) legten deutlich zu. Ansonsten lagen im DAX eher defensive Titel aus den Bereichen Versicherung wie Münchener Rück (+2,5%) und Gesundheit wie FMC (+3,9) oder Merck (+2,5%) vorne. An der Wall Street drückte ein völlig erratisches Geschehen am US-Ölmarkt die Aktienkurse im Verlauf um ca. 2%. Nur noch bis heute Nachmittag sind die Mai-Kontrakte für WTI handelbar, was angesichts fehlender Lagermöglichkeiten für Öl zu extremen Verwerfungen führte. Teils gab es negative (!) Preise für Öl, das allerdings im Mai auch physisch abgenommen werden muss! Der Preis der Juni-Kontrakte für WTI lag bei gut 20 USD je Fass. Der Dow Jones gab 2,4% ab. Geringer waren die Verluste im S&P 500 (-1,8%) und an der Nasdaq (-1,2%). Mit IBM (+0,5%) und Cisco (+0,2%) gab es nur 2 Gewinner im Dow Jones, klar im Minus mit dem Ölpreisverfall die Ölwerte Exxon (-4,3%) und Chevron (-4%). Nur Boeing (-6,7%) und Dow (-5,5%) verloren noch stärker. In Asien geben die Märkte heute zwischen 1% in Japan und gut 2% in China ab. Dies steckt den Rahmen auch für Europa.
Daten zum Wertpapier: Öl - Rohstoffe
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Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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