Förderkürzungen der OPEC+ werden überlaufende Lagerkapazitäten kaum verhindern - Commerzbank Kolumne

Die OECD-Lagerbestände werden, trotz der geplanten Kürzungen, bereits im April das bisherige Rekordniveau von 2016 deutlich übertreffen und die Lagerkapazitäten damit weitgehend ausgeschöpft. Bild und Copyright: tcly / shutterstock.com.

Die OECD-Lagerbestände werden, trotz der geplanten Kürzungen, bereits im April das bisherige Rekordniveau von 2016 deutlich übertreffen und die Lagerkapazitäten damit weitgehend ausgeschöpft. Bild und Copyright: tcly / shutterstock.com.

14.04.2020 10:22 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Nach zähem Ringen hat sich die OPEC+ auf Förderkürzungen von 9,7 Mio. Fass/Tag für Mai und Juni verständigt. Für das 2. Halbjahr betragen die beabsichtigten Kürzungen 7,6 Mio. Fass/Tag und für 2021 bis April 2022 dann 5,6 Mio. Fass/Tag. Die USA, Kanada und Brasilien beteiligen sich mit 3,7 Mio. Fass/Tag an den Produktionskürzungen. Das sind die Schlagzeilen, die einen weiteren Ölpreiskollaps und ein überlaufen der Lagerkapazitäten aber wohl kaum verhindern: 1. Die tatsächlichen Kürzungen der OPEC+ betragen nur 8,6 Mio. Fass/Tag, wenn man die Produktion im 1. Quartal 2020 zugrunde legt und nicht das Niveau vom Oktober 2018. 2. Mexiko konnte eine geringere Reduktion aushandeln, was die Compliance der anderen Staaten umso mehr in Frage stellt. 3. Die Beteiligungen der USA, Brasilien und Kanada sind wohl keine freiwilligen Kürzungen, sondern durch den Preisverfall und ausgeschöpfte Lagerkapazitäten erzwungene. 4. Alleine im April dürfte der Angebotsüberschuss 20 - 30 Mio. Fass/Tag betragen und im zweiten Quartal im Durchschnitt mindestens 15-20 Mio. Fass/Tag. Fazit: Die OECD-Lagerbestände werden, trotz der geplanten Kürzungen, bereits im April das bisherige Rekordniveau von 2016 deutlich übertreffen und die Lagerkapazitäten damit weitgehend ausgeschöpft. Da die Lagerkapazitäten aber lokal unterschiedlich verteilt sind, trifft es einige ölproduzierenden Regionen früher und andere später. Die Konsequenzen werden kurzfristig wohl nochmals stark fallende Preise sein, aber wegen ausgeschöpfter Lagerkapazitäten auch Zwangsstilllegungen von Produktion. Im 2. Halbjahr dürfte dadurch das Angebot deutlicher zurückgehen als die avisierten Kürzungen und sich gleichzeitig die Nachfrage erholen. Somit sollte ein Lagerabbau einsetzen. Die Preise erhalten dadurch Erholungsspielraum, was am Terminmarkt im Übrigen bereits eingepreist ist. Allerdings werden die hohen Lagerbestände dafür sorgen, dass das Preisniveau niedrig bleibt.

Anleihen


China: Importe (März), 3:00 Uhr

Um den Verfall des Ölpreises entgegen zu wirken, haben die OPEC+ Staaten (also die OPEC Staaten plus Russland) gestern eine Kürzung der täglichen Fördermenge um knapp 10 Mio. Barrel beschlossen. Der Ölpreis reagierte jedoch nur vorrübergehend positiv. Die Eurogruppe hat sich – nach sehr zäh verlaufenden Verhandlungen – in der Nacht zum Freitag auf ein Maßnahmenpaket geeinigt, um insbesondere die von der Corona-Pandemie am stärksten betroffenen Staaten zu unterstützen. Das Paket umfasst 500 Mrd. Euro, beinhaltet aber keine Eurobonds. Als Instrument für die Verteilung der Gelder dient unter anderem der ESM-Rettungsschirm. Von der Nationalakademie Leopoldina beauftragte Wissenschaftler sprechen sich für schrittweise Lockerungsmaßnahmen aus. Die Kanzlerin hatte gesagt, das Wort der Wissenschaftler werde bei ihren Entscheidungen Gewicht haben. In den USA sind einige Gouverneure der Ansicht, in der Coronakrise sei das Schlimmste überstanden und möchten die Quarantänebeschränkungen lockern. US-Präsident Trump sieht in dem abgestimmten Vorgehen der Gouverneure ein Eingriff auf seine Autorität. In der Woche zum 4. April ist in den USA die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosengeld mit 6,6 Mio. nur wenig niedriger gewesen als in der Vorwoche. Damit wächst die Arbeitslosigkeit weiter mit hohen Raten Die EZB hat, wie angekündigt, ihre Anleihekäufe massiv ausgeweitet und allein in der vergangenen Woche Anleihen im Volumen von 40 Mrd. Euro gekauft. Dabei ist sie von dem üblichen Kapitalschlüssel abgewichen und hat z.B. verstärkt italienische Staatsanleihen gekauft. In der letzten Woche entfielen dabei rund drei Viertel der Käufe auf das neue Pandemie-Notfallkaufprogramm (PEPP), das seit Ende März zum Einsatz kommt.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Die europäischen Aktienmärkte konnten am Donnerstag vor Ostern noch einmal deutlich zulegen. Es wurden teilweise neue Nachkrisenhöchststände erreicht. Verantwortlich für den anhaltenden Optimismus der Anleger waren vor allem die neuen billionenschweren Konjunkturhilfen der US-Zentralbank zur Bekämpfung der immensen negativen Folgen der Coronavirus-Krise. US-Notenbankchef Jerome Powell sagte, dass man alles dafür tun werde, um die US-Wirtschaft so lange wie nötig über Wasser zu halten. Die Investoren klammern sich zudem weiter an die Hoffnung einer möglichst raschen Eindämmung der Pandemie, die als Grundvoraussetzung für ein schrittweises Wiederhochfahren der Wirtschaft und des sozialen Lebens gilt. Diesbezüglich dürfte es in dieser Woche nicht nur aus Deutschland (am Mittwoch) Neuigkeiten geben, die die Aktienmärkte beeinflussen könnten. Der Nikkei 225-Index startete am Montag hingegen mit Verlusten von 2,3% in die neue Woche. Der japanische Leitindex konnte somit nicht von der am Ostersonntag erfolgten Einigung hinsichtlich der Kürzung der Erdölfördermenge der großen Ölproduzenten profitieren. Die Sorge um die Ausbreitung der Covid19-Pandemie behielt die Oberhand, nachdem auch in der Türkei am Wochenende kurzfristig eine zweitägige Ausgangssperre beschlossen wurde und die Zahl der Toten im US-Bundesstaat New York die Marke von 10.000 Einwohnern überschritt. Der Dow Jones-Index büßte gestern 1,4% ein (Nasdaq Composite: +0,5%). Auf Sektorenebene waren v.a. Gebrauchsgüterwerte gefragt (+1,1%). Immobilienaktien büßten als Tagesverlierer im Schnitt 4,6% ein. In Asien drehte der Wind derweil schon wieder. Der Nikkei 225-Index holte seine Verluste vom Montag wieder auf und schloss 3,1% fester. Kurstreibend wirkten u.a. positive Konjunkturdaten aus China, wo die Exporte im März (-3,5% J/J) weniger stark als befürchtet einbrachen.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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