Rückkehr in die Steinzeit? Ein Impulsbeitrag - Commerzbank Kolumne

Folgen der Corona-Pandemie: Groß gegen Klein und ein Profiteur, der der Krise gar nicht bedurft hätte, steht schon vorher fest: Der Online-Handel!. Bild und Copyright: A. and I. Kruk / shutterstock.com.

Folgen der Corona-Pandemie: Groß gegen Klein und ein Profiteur, der der Krise gar nicht bedurft hätte, steht schon vorher fest: Der Online-Handel!. Bild und Copyright: A. and I. Kruk / shutterstock.com.

27.03.2020 09:02 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Kampf um eine Packung Toilettenpapier weder bisher noch in Zukunft einer körperlichen Auseinandersetzung ausgesetzt waren oder werden. Auch wenn wir in dieser Zeit eine breite Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft erleben, die aktuell gefühlte! Versorgungslage lässt bei einigen Mitmenschen die Ur-Instinkte erwachen. Mit exzessiven Hamsterkäufen wird aber gerade das provoziert, was eigentlich nicht nötig wäre: die sich selbst erfüllende Prophezeiung, die uns über die sozialen Netzwerke in Form lustiger Kurzfilmchen tagtäglich begegnet und für die sich kaum ein Thema so gut eignet wie - Toilettenpapier.

Für Lebensmittelgeschäfte/Supermärkte ist die Corona-Epidemie die große Verantwortung, die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Mit Zusatzaufwand (baulich/organisatorisch/personell) und teilweise Sicherheitspersonal wird die Chance „erkauft“, von der Krise möglicherweise nicht existenziell bedroht zu werden. Das sieht im restlichen Einzelhandel teilweise anders aus, denn zahlreiche Händler für nicht lebensnotwendige Gebrauchsgüter dürften die zwangsweisen Schließungen an den Rand des Ruins oder darüber hinaus führen. Wie die Welt danach aussieht, lässt sich schwer abschätzen. Aber die Tendenz dürfte sein: Groß gegen Klein und ein Profiteur, der der Krise gar nicht bedurft hätte, steht schon vorher fest: Der Online-Handel!

Anleihen


Italien: Geschaftsklima INSAE (März), 10:00 Uhr
USA: Persönl. Einnahmen/Ausgaben (Feb), 13:30 Uhr

Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen fiel gestern um 10 Bp. auf minus 0,38%. Noch stärker ermäßigten sich die Renditen im übrigen Euroraum. Der Start des neuen Anleihekaufprogramms der EZB (PEPP) sorgte für kräftige Kursgewinne. Am Mittwoch gab die EZB außerdem bekannt, dass sie eine wichtige Grenze außer Kraft setzt: Die bisherige Regel, dass die EZB maximal ein Drittel einer Anleihe oder ein Drittel des Volumens eines Eurolandes kaufen möchte, gilt nicht für die neuen Käufe. Im 10-Jahresbereich gingen die Spreads der Anleihen Griechenlands um gut 70 Bp., Italiens um 20 Bp., Portugals um 20 Bp. und Spaniens um 20 Bp. am kräftigsten zurück. Einer Pressemitteilung zufolge ist mehr als die Hälfte des EZB-Rates dafür, das OMT-Programm wieder zu aktivieren, das in der Euro-Krise ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen des OMT-Programms kann die EZB unbegrenzt Staatsanleihen eines Lands kaufen, wenn es an einem Hilfsprogramm teilnimmt, indem der ESM (Euroland-Rettungsschirm) dem Land Hilfskredite gewährt. Der Euro stärkte sich um anderthalb Cent auf 1,1050 US-Dollar. Gestern haben sich auch die G20-Staaten in einem Statement dazu verpflichtet, alles zu tun, was nötig sei und alle verfügbaren politischen Instrumente zu nutzen, um den wirtschaftlichen und sozialen Schaden durch die Pandemie zu minimieren. Die Konjunkturdaten haben gestern enttäuscht. Das französische Geschäftsklima (INSEE) sank im März stärker als erwartet um 10 auf 95 Punkte. Vergleichsweise gut steckten die Kapitalmärkte eine Hiobsbotschaft aus den USA weg: dort stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von 282.000 auf ein Rekordhoch von 3,282 Mio. Das ist eine Verzehnfachung innerhalb einer Woche. Der höchste Wert lag bisher bei 695.000 im Oktober 1982. Die Erstanträge liefern beinahe ein Echtzeitbild der Lage am US-Arbeitsmarkt.

Aktien


Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Nach den rekordhohen Gewinnen der Vortage gingen die Aktienmärkte in Europa zunächst einmal wieder in Deckung, bevor die Kurse mit einer festen Eröffnung an der Wallstreet wieder deutlich anzogen. Die relevanten Leitindizes gewannen in der Spitze um bis zu 2,5% (Frankreich). Anleger müssen nach der extremen Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage erst einmal ein wenig verschnaufen. Mit den mittlerweile vorgelegten Programmen seitens der Notenbanken und Regierungen wird nun versucht zu errechnen, wie stark die Kontraktion der Volkswirtschaften auf Länderebene sein könnte. Dabei ist die entscheidende Variable – die Dauer des „Shutdown“ infolge der Coronavirus-Pandemie in den jeweiligen Ländern - weiterhin mit einer großen Unsicherheit behaftet. Dennoch sorgen die Versprechungen und Beteuerungen der Verantwortlichen aus der Geld- und Fiskalpolitik zumindest kurzfristig für eine gewisse Beruhigung an den Kapitalmärkten. Grundannahme der meisten Analysen bleibt, dass sich die globale Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder spürbar erholen dürfte. Hilfreich dürfte auch sein, dass auf den zum Teil „ausgebombten“ Aktienkursniveaus langfristig orientierte strategische Investoren möglicherweise Pakete zusammenkaufen, um Übernahmen zu tätigen oder um sich Mehrheitsbeteiligungen zu verschaffen. In der zweiten Reihe gewann die Aktie von TUI 14,6%; hier half die Nachricht eines milliardenschweren Hilfspakets. Auf europäischer Sektorenebene hatten Werte aus dem Bereich Reise & Freizeit die Nase vorn (+7,5%). Der Dow Jones gewann 6,4%; er stieg damit seit dem Jahrestief vom Montag um 23,8%! Ein neuer Bullenmarkt! Yeah! Der Aktienkurs von Boeing (+13,8%) verdoppelte sich dank der Staatshilfen nahezu innerhalb von vier Handelstagen. Auf Sektorenebene waren v.a. Versorgeraktien gefragt (+8,4%). Die Börsen in Asien tendierten überwiegend freundlich. Der Nikkei 225-Index gewann 3,9%.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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