ifo-Geschäftsklimaindex: Scharfe Rezession nicht mehr zu vermeiden - Nord LB Kolumne

Bild und Copyright: anathomy / shutterstock.com.

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25.03.2020 11:49 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Soeben hat das Münchner ifo-Institut die endgültigen Ergebnisse seiner Umfrage unter rund 9.000 deutschen Unternehmen im Berichtsmonat März veröffentlicht. Die Zahlen sind demnach noch heftiger eingebrochen als die vorläufig gemeldeten Zahlen bereits angedeutet hatten. Das Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft ist demnach im März auf 86,1 Punkte abgestürzt. Regelrecht dramatisch ist der Absturz der Geschäftserwartungen: Von 93,1 Punkten im Februar ging es in nur einem Monat auf 79,7 Punkten rasant abwärts – die Aussichten sind damit bereits so pessimistisch wie in der Finanzkrise 2008/2009.

Mit einer solchen Entwicklung musste gerechnet werden, da weite Teile der deutschen Wirtschaft im Interesse einer Eindämmung der Pandemie ins künstliche Koma versetzt wurde. Dem Primat der Gesundheitspolitik muss sich aktuell alles unterordnen, um eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems durch einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen noch abwenden zu können. Wenn aber das Gebot der Stunde Kontaktvermeidung ist, sind massive Einschränkungen des Wirtschaftsgeschehens, vor allem im Dienstleistungssektor, unvermeidlich.

Die ifo-Daten stehen in einer Reihe mit ebenfalls massiv verschlechterten anderen Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft. So sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im März ebenfalls in einem beispiellosen Ausmaß eingebrochen. Die besondere Betroffenheit des Dienstleistungssektors verdeutlichen die vorläufigen Märzzahlen von Markit zur Stimmung unter den Einkaufsmanagern. Während der PMI für die Industrie „nur“ auf 45,7 Punkte gesunken ist, brach die Zeitreihe für den Servicesektor von 52,5 auf 34,5 Punkte so stark ein wie nie zuvor.

Die Märzzahlen dürften dabei naturgemäß das gesamte Ausmaß der voraussichtlichen Krisenfolgen noch unterschätzen. Zum einen setzt sich mit der Dauer des aktuellen Stillstands zunehmend die Erkenntnis durch, dass in Deutschland – aber auch weltweit – eine schwere Rezession vor der Tür steht, die das Ausmaß der Krise 2008/2009 noch übertreffen dürfte. Zum anderen ist nicht mit einer schnellen Aufhebung der Maßnahmen zu rechnen, wodurch sukzessive immer mehr Unternehmen in einem erheblichen Ausmaß die Belastungen direkt zu spüren bekommen werden.

Der Konjunkturverlauf ist nur schwer prognostizierbar, da hierfür entscheidend sein wird, wann der Fuß wieder von der Bremse genommen werden kann. Eine Lockerung der administrierten Kontaktreduktion ist aber nur eine notwendige und keine hinreichende Bedingung für eine Erholung nach dem Absturz. Ausmaß und Tempo wird entscheidend von dem Verhalten der Konsumenten abhängen. Ob nach dem Stillstand die breite Masse den Schalter sofort umlegt und zum alten Konsumverhalten zurückkehrt, ist aber zumindest fraglich. Selbst bei einem günstigen Verlauf der Fallzahlen oder bei anderen positiven Entwicklungen zur Eindämmung der Pandemie (Medikament, Impfstoff) rechnen wir daher mit einer Schrumpfung des deutschen BIP im Jahr 2020 um knapp 8%, allerdings gefolgt von einer kräftigen Erholung in 2021. Geld- und Fiskalpolitik sind gefordert, Kollateralschäden und dauerhafte Krisenfolgen so gering wie nur möglich zu halten.

Fazit: Die Frühindikatoren sind im Berichtsmonat März in einem nie gekannten Ausmaß auf Tauchstation gegangen. Die ifo-Geschäftserwartungen sind in nur einem Monat praktisch auf den während der globalen Finanzkrise 2008/2009 markierten Tiefstand abgesackt. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind weite Teile der deutschen Wirtschaft schockgefrostet. Selbst bei einem günstigen Verlauf steht für das Jahr 2020 die schärfste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg an. Die massiven Abschirmungsmaßnahmen von Geld- und Fiskalpolitik können dauerhafte Schäden begrenzen. Dies ist aber auch die Voraussetzung für einen auch von uns unterstellten schnellen Aufholprozess nach der Krise.

Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

DAX im Bereich von 10.000 Punkten: Don’t flatten this curve! - Nord LB Kolumne

Die Coronavirus-Epidemie ist mittlerweile in Europa und Nordamerika angekommen. Auch in diesen Regionen werden die betroffenen Volkswirtschaften nun mit heftigen Rezessionsgefahren kämpfen müssen. Dennoch haben sich die globalen Aktienmärkte zuletzt fangen können. Beim DAX ist inzwischen sogar wieder die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten in den Fokus gerückt. Im frühen Handel konnte der wichtigste deutsche Aktienindex diese Schwelle heute bereits leicht überbieten.

Die an den Finanzmärkten zwischenzeitlich zu beobachtende Panik ist damit zumindest zunächst etwas gewichen. Auch die aktuelle Nachricht, dass man sich in Washington inzwischen auf ein Hilfspaket einigen können hat, stützt die Kurse an den internationalen Aktienmärkten. Die jüngsten politischen Turbulenzen in Washington treten damit vorerst wieder etwas in den Hintergrund. Die Stimmung an den Börsen ist folglich nicht mehr ganz so schlecht.

Die Investoren dürften aber weiterhin nervös ... diese News vom 25.03.2020 weiterlesen!

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