Dienstleistungen brechen stärker als erwartet ein - Commerzbank Kolumne


25.03.2020 09:38 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter  | 4investors auf: Twitter | Google News | Facebook

Die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor sind im März stärker als erwartet eingebrochen. Für den Euroraum fiel er um 24,2 auf 28,4 Punkte. Der Wert liegt unter dem Niveau der letzten Finanzmarktkrise (39,2 Punkte). Der Index für das verarbeitende Gewerbe sackte um 4,4 Punkte auf 44,8 Punkte ab. Von der Krise sind alle Euroraumländer mehr oder weniger in gleicher Weise betroffen. In Deutschland fiel der Index um 18 auf 34,5 Punkte und in Frankreich um 23,5 auf 29,0 Punkte. Die Quarantäne-Maßnahmen hinterlassen im Dienstleistungssektor dramatische Spuren. Viele Aktivitäten wurden ganz eingestellt.

Anleihen


Großbritannien: Verbraucherpreise (Feb.), 10:30 Uhr
USA: Aufträge, langlebige Güter (Feb.), 13:30 Uhr

Die Aussicht auf ein zwei Billionen US-Dollar schweres Hilfspaket für die US-Wirtschaft hat gestern zu positiven Marktreaktionen geführt. In Deutschland ist die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Tagen zurückgegangen. Die vor gut einer Woche ergriffenen Quarantänemaßnahmen wirken offenbar. Entsprechend positiv war daher gestern die Marktreaktion. Der Index für die erwartete Volatilität des deutschen Aktienmarkts (VDAX) fiel auf 55 Punkte zurück – 40% unter dem in der vergangenen Woche erreichten Höchststand. Die EU-Finanzminister wollen finanziell angeschlagenen Staaten über vorsorgliche Kreditlinien (Enhanced Condititions Credit Line, ECCL) im Rahmen des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) unter die Arme greifen. Die Europäische Zentralbank könnte heute mit dem Kauf von Commercial Papers beginnen. Der Markt für Neuemissionen sendete gestern Lebenszeichen. Vier Unternehmen (Sanofi, Nestle, Coca Cola, Diageo) begaben neue Anleihen. Die guten Bonitäten, Sanofi und Nestle, waren dabei neun- bzw. sechsfach überzeichnet. Nur langsam zeigen die Konjunkturdaten das Ausmaß der Produktionseinschränkungen. Schwächer als erwartet fielen die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum aus. Besonders deutlich war der Rückgang im Dienstleistungsgewerbe – z.B. rutsche der Dienstleistungsindex von 52,6 auf 28,4 Punkte und somit klar unter den Tiefpunkt, der mit knapp 40 Punkten im Verlauf der Finanzkrise 2009 erreicht wurde. Deutlich geringer war dagegen der Stimmungseinbruch dagegen in der Industrie. Verständlich – wenn man bedenkt, dass viele Dienstleistungen wie Restaurant- oder Kinobesuche, die während der Quarantäne nicht nachgefragt werden, nur begrenzt zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden (vgl. „Im Blickpunkt“).

Aktien


Deutsche Wohnen, Eon, HHLA, Jahreszahlen

Die europäischen Aktienmärkte erzielten am gestrigen Handelstag kräftige Kursgewinne. Die relevanten Leitindizes stiegen in der Spitze um bis zu 11% (Deutschland). Damit starteten die europäischen Börsen zum ersten Mal seit Beginn des Crashs einen signifikanten Erholungs- bzw. Stabilisierungsversuch. Der Dax gewann somit in drei Handelstagen 17,5%! Schon die Vorgaben aus Asien waren sehr gut gewesen. Dort gab es einige gute Nachrichten in Bezug auf eine mögliche Normalisierung des Wirtschaftslebens, nachdem mancherorts die Zahl der Neuinfizierungen mit dem Coronavirus zuletzt gesunken war. So plant die chinesische Stadt Wuhan, die im Zentrum des Ausbruchs stand, ihre Sperrmaßnahmen für die Bürger und Geschäfte zum 8. April 2020 wieder aufzuheben. Sofort nahm die Risikofreude der Anleger wieder etwas zu. Wie immer in solchen Marktphasen verstärken die Auflösung von Shortpositionen die Trends zum Teil massiv. Für Rückenwind sorgte auch die Aussicht auf zusätzliches billiges Geld der US-Notenbank. Tagesgewinner im Dax war die Aktie von Daimler (+27,3%; +39% in drei Handelstagen). Die Aktie von VW gewann 19,1% (+38% in drei Handelstagen). Auf europäischer Sektorenebene hatten Werte aus den Bereichen Rohstoffe sowie Öl & Gas die Nase vorn; sie gewannen im Schnitt rd. 15,8%.Selbst Titel des schlechtesten Sektors (Nahrungsmittel & Freizeit) erzielten im Schnitt noch Gewinne von 2,9%. Der Dow Jones gewann 11,4%, der kräftigste Kursanstieg seit 1933! Die Aussicht auf ein Hilfspaket in Höhe von 2 Billionen USD sorgte für Kaufeuphorie. Die Aktie von American Airlines stieg um fast 36%; Boeing gewann 21%. Auf Sektorenebene waren v.a. Energieaktien (+16,3%) gefragt. Die Börsen in Asien tendierten ebenfalls sehr fest. Der Nikkei 225-Index (+8%) steht vor dem größten „Dreitagesgewinn“ seit der Finanzkrise 2008/09. Der Kospi-Index legte um 5,9% zu.

Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

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